Innenstadt/Jungbusch

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49.4895618.462783Koordinaten: 49° 29′ 22″ N, 8° 27′ 46″ O

Innenstadt/Jungbusch
Stadt Mannheim
Fläche: 4,55 km²
Einwohner: 29.698 (31. Dez. 2013)[1]
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Lage von Innenstadt/Jungbusch in Mannheim

Innenstadt/Jungbusch ist ein Stadtbezirk und Stadtteil von Mannheim, bestehend aus der Innenstadt, dem Jungbusch sowie dem Handelshafen als ältestem der vier Teile des Mannheimer Hafens. Da die historische Innenstadt in Häuserblöcken statt in Straßenzügen angelegt ist, hat sie bzw. die gesamte Stadt Mannheim den Beinamen Quadratestadt.

Blick über die Mannheimer Innenstadt und Teile des Jungbuschs von der Neckaruferbebauung Nord aus

Geschichte[Bearbeiten]

Die Innenstadt ist nicht nur Zentrum des heutigen Mannheims – hier liegen auch die Wurzeln der Stadt. Ein gewisser „Manno“ gründete auf dem Gebiet zwischen Rhein und Neckar ein Fischerdorf und wegen seiner besonderen Lage wurde das Dorf 1606 mit dem Bau der Festung Friedrichsburg kurfürstliche Residenz. Mit der Gründung der Stadt Mannheim ein Jahr später wurden die Straßenverläufe so geplant, dass das heute weithin bekannte Schachbrett mit den 144 Quadraten entstand. Am Rande dieses Schachbretts liegt das Mannheimer Schloss, das mit 440 Metern Länge eines der größten Feudalbauten Europas ist. Inzwischen hat die Universität ihren Hauptsitz im Schloss.

Der Jungbusch ist 1870 durch die gründerzeitliche Erweiterung der Stadt entstanden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wohnten im Handelshafengebiet Kaufleute, Reeder und Kapitäne. Sackträger prägten das Straßenbild auf dem früher „Pestbuckel“ genannten Hügel. Die umgangssprachliche Bezeichnung erinnert an den hier einst gelegenen Friedhof, auf dem im Pestjahr 1666/1667 Tausende von Opfern unabhängig von der Konfession beerdigt wurden.

Den Bereich nordwestlich der Innenstadt, im Winkel zwischen Rhein und Neckar, füllte die Insel Mühlau aus. Ältere Karten zeigen eine Doppelinsel, später waren beide Hälften verbunden und nur noch durch einen schmalen Wassergraben getrennt. Vom Festland war die Mühlau durch einen zum Neckar führenden Nebenarm des Rheins, den sogenannten Kleinen Rhein, getrennt. Auf der Mühlau ließ Lemle Moses 1712 ein Mustergut für Obst und Viehzucht errichten, etwa 1730 entstand dort das Mühlauer Schlösschen. Im 19. Jahrhundert war die Insel ein beliebtes Naherholungsgebiet des Bürgertums der Stadt. Mit der Anlage eines provisorischen Freihafens 1828 im Eingangsbereich zum Kleinen Rhein begann die Umwandlung des gesamten Gebietes zum heutigen Handelshafen. Es folgten 1840 der Bau des Neuen Mannheimer Hafens, bestehend aus zwei aneinandergrenzenden Becken, des Mühlauhafens 1875 sowie der beiden Becken des Binnenhafens 1887. Von den genannten besteht heute nur noch das Becken des Mühlauhafens, außerdem der nördliche Teil des ehemaligen Kleinen Rheins, der zum sogenannten Verbindungskanal ausgebaut ist.[2]

Lebensqualität[Bearbeiten]

Als einer der wenigen Stadtteile Mannheims im Zweiten Weltkrieg unzerstört, unterliegt der Jungbusch seit einigen Jahren einem Wandlungsprozess. Das frühere Rotlichtviertel wird ein multikulturell geprägtes, quirliges Szeneviertel. Ehemalige Lagerhallen und Industrieanlagen werden Wohnräume. Durch die Mischung aus Galerien, Studentenwohnheimen, Szenetreffs und Einrichtungen wie der Popakademie und dem Musikpark wird der Stadtteil vor allem am Wochenende ausgesprochen lebendig. Studierende, junge Familien und in erster Linie Arbeiter – mit 72 Prozent hat Jungbusch die höchste Arbeiterquote in Mannheim – wohnen hier gut nachbarschaftlich, dicht beieinander. Ein installiertes Quartiermanagement unterstützt und fördert diese Entwicklung.

Auch die Innenstadt ist multikulturell geprägt: 150 Nationen leben hier zusammen. Ein hohes Maß an Toleranz und Weltoffenheit kennzeichnet die Mannheimer, was symbolisch dadurch deutlich wird, dass in der Innenstadt eine Moschee, eine Kirche und eine Synagoge in unmittelbarer Nachbarschaft stehen. Durch die vielen Altbauten und Hinterhöfe ist die Innenstadt gerade bei jungen Menschen sehr beliebt und einige junge Familien haben in Gemeinschaftsarbeit aus einem Hinterhof einen Spielplatz gemacht. Der Schillerplatz im Quadrat B 3 hat sich inzwischen zu einer regelrechten Piazza entwickelt, wo sich an sonnigen Tagen viele Mannheimer treffen. Naherholung ermöglicht die Rheinpromenade hinter dem Schloss.

Wirtschaft und Kultur[Bearbeiten]

Die Mannheimer City ist der bedeutendste Einzelhandelsstandort in der Metropolregion. So findet sich hier zum Beispiel das größte Sporthaus Deutschlands. Mannheim ist außerdem die Stadt der kurzen Wege: Arztpraxen, universitäre Einrichtungen, Geschäfte, Banken, Ämter und vieles mehr liegen innerhalb von 3,5 Quadratkilometern. In kultureller Hinsicht bieten die Quadrate neben den Reiss-Engelhorn-Museen, die vor allem in den Bereichen Archäologie, Weltkulturen und Fotografie zu den bedeutendsten Museen in Deutschland und Europa zählen, auch die Klapsmühl, ein beliebtes Kabarett- und Comedytheater mit Tradition.

Den Rahmen für die Entwicklung in der Innenstadt bietet das Entwicklungskonzept Innenstadt, das in einem kontinuierlichen Diskussions- und Planungsprozess in den letzten Jahren gemeinsam entwickelt wurde.

Der Bereich des Handelshafens als heute einer von vier getrennten Teilen des Mannheimer Hafens dient vollständig dem Güterumschlag sowie der Ansiedlung hafenaffinen Gewerbes. Der an den Jungbusch angrenzende Streifen östlich des Verbindungskanals, entlang der Hafenstraße, ist mittlerweile als Mischgebiet ausgewiesen, dort befindet sich unter anderem die Popakademie.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mannheim-Innenstadt/Jungbusch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStadt Mannheim: Einwohnerbestand zum 31.12.2013. Mai 2014, abgerufen am 7. Juni 2014 (PDF 730 KB).
  2. Rudolf Haas, Karl Hoffmann: 150 Jahre Rheinhafen Mannheim. Staatliches Hafenamt Mannheim (Hg.), Mannheim 1978. ISBN 3-87804-065-2