Jungbusch

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Jungbusch
Jungbusch, Karte auf einem Wandgemälde am Luisenring

Der Jungbusch ist ein Teil des Mannheimer Stadtbezirks und Stadtteils Innenstadt/Jungbusch westlich der Quadrate, die die Innenstadt bilden. Er ist im Norden durch den Neckar, im Osten und Süden durch den Luisenring und im Westen durch den Rhein eingegrenzt. 5.531 wohnberechtigte Menschen lebten am 31. Dezember 2013 im Jungbusch.[1] Er gilt damit als einer der dichtestbesiedelten Stadtteile Mannheims.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Jungbusch liegt auf einem Hügel, der früher Pestbuckel hieß. Hier fiel das ansonsten flach zum Ufer abfallende Gelände steil ab.

Der Name Jungbusch leitet sich von dem ehemals hier stehenden Junggehölz ab. Seine spitzwinklige Form erhielt der Jungbusch durch die Rheinbegradigung und den Neckardurchstich von 1869.

Ab 1870 entstand der Jungbusch durch gründerzeitliche Stadterweiterungen. Hier lebten einst Reeder, Kapitäne und Kaufleute. Dieser Stadtteil blieb als einer der wenigen Mannheimer Stadtteile von den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verschont, so dass die Bausubstanz aus der Gründerzeit noch sehr gut erhalten ist. Mit dem Niedergang der Binnenschifffahrt in den 70er Jahren verlotterte der Jungbusch und wandelte sich zum Rotlichtbezirk mit fragwürdigem Ruf (Amüsierviertel, Ausländerviertel, sozialer Brennpunkt) in Mannheim und Umgebung.

Einwohner[Bearbeiten]

Heute leben überwiegend einkommensschwache Familien im Jungbusch. Mit 72,3 Prozent ist der Jungbusch der Stadtteil in Mannheim mit der höchsten Arbeiterquote. Außerdem zog dieser Stadtteil besonders viele Einwanderer an, zunächst Italiener, dann vor allem Türken. 64,1 Prozent der Einwohner im Jungbusch haben einen Migrationshintergrund (Mannheim gesamt 30,0 Prozent - Stand 31. Dezember 2007). Die Jungbuschschule hat z. B. einen Ausländeranteil von 91,3 Prozent (1996/97). Jungbusch ist außerdem der Stadtteil mit der höchsten Zahl von Kindern und Jugendlichen (18 Prozent sind unter 18 Jahren). Der günstige Mietraum des Stadtteils wird zunehmend auch von studentischen Wohngemeinschaften und Künstlerateliers in Anspruch genommen. 12 Prozent der Einwohner erhalten Sozialhilfe, 23 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Trotz aller sozialer Probleme ist die Kriminalität im Jungbusch relativ niedrig. 106 Straftaten pro 1000 Einwohner wurden im Jahr 2001 im Jungbusch verübt und liegt damit fast im Schnitt von ganz Mannheim (102).

Stadtentwicklung[Bearbeiten]

Seit einigen Jahren versucht die Stadt Mannheim, den Jungbusch mit allerlei baulichen und sozialen Maßnahmen wieder aufzuwerten. Unter anderem wurden die Popakademie Baden-Württemberg und das Existenzgründerzentrum Musikpark Mannheim dort angesiedelt. Heute gilt der Jungbusch als Multi-Kulti-Viertel mit Wachstumspotenzial. Auch in der 1881 erbauten Kauffmannmühle entsteht ein Raum für kulturell-kreative Aktivitäten.

Geschichte der Kauffmannmühle[Bearbeiten]

Sunshine live in der Hafenstraße

Die in den Jahren 1881–1883 von den Mannheimer Architekten Philipp Jelmoli und Carl Blatt erbaute Mühlenanlage hatte ihren Ursprung in einer im Schriesheimer Tal gelegenen, mit Wasserkraft betriebenen Getreidemühle. Mit ihrer Verlegung nach Mannheim erhielt die Firma den Zusatz „Erste Mannheimer Dampfmühle“. Anfang des 20. Jahrhunderts erweitert und erneuert, überstand die Mühle die beiden Weltkriege ohne nennenswerte Schäden. Obwohl die Mühle in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gut beschäftigt war, wurde sie im Jahr 1960 nach 78 Jahren der Produktion stillgelegt. Mit der Entwicklung der städtebaulichen Konzepte für neue Arbeitsplatzstrukturen im Jungbusch werden nun auch Investitionen in den aufwändigen Erhalt des alten Industriedenkmals möglich. Erste Mieter, wie der Radiosender für elektronische Musik Sunshine Live oder IT-Firmen sind schon eingezogen. Seit 2007 befindet sich dort auch das Künstlerhaus Zeitraumexit. In einer weiteren Stufe soll mit dem Umbau der denkmalgeschützten Lagerhallen begonnen werden und der erste Abschnitt des zukünftigen Zunftviertels Kauffmannmühle mit Flächen für wertige Produkte, kreative Dienstleistungen, Events, Slow-Food-Gastronomie und Kultur entstehen.

Religion[Bearbeiten]

Yavuz-Sultan-Selim-Moschee

Im Jungbusch steht auch seit 1995 die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee, nach Fertigstellung damals die größte Moschee Deutschlands, gebaut vom Islamischen Bund Mannheim. Die Moschee war mit ihrem Projekt "Offene Moschee" in Deutschland eines der ersten muslimischen Gotteshäuser, das sich nach außen hin öffnete und das Ziel der interreligiösen Annäherung und der Aufklärung über den Islam praktisch umsetzte.

Der Moschee gegenüber steht die 1904 errichtete neugotische Liebfrauenkirche, die zusammen mit der Jesuitenkirche und der Unteren Pfarrkirche St. Sebastian am Marktplatz zur katholischen Innenstadtpfarrei gehört. Sie wird auch von der italienischen Gemeinde genutzt.

Die evangelische Hafenkirche betreut auch die Familien der Binnenschiffer, die den Mannheimer Hafen anlaufen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatStadt Mannheim: Einwohnerbestand zum 31.12.2013. Mai 2014, abgerufen am 7. Juni 2014 (PDF 730 KB).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mannheim-Jungbusch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.498248.46033Koordinaten: 49° 30′ N, 8° 28′ O