Ittoqqortoormiit

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Ittoqqortoormiit Scoresbysund
Ittoqqortoormiit
Ittoqqortoormiit
Kommune Kommuneqarfik Sermersooq
Geographische Lage 70° 29′ 6″ N, 21° 58′ 10″ W70.485-21.9694444444440Koordinaten: 70° 29′ 6″ N, 21° 58′ 10″ W
Ittoqqortoormiit (Grönland)
Ittoqqortoormiit
Höhe m
Einwohner 444 (1.1.2014)
Zeitzone UTC-1
Gemeinde / Provinz (bis 2008)

Ittoqqortoormiit / Tunu

Wappen Ittoqqortoormiits (inoffiziell)
Lage von Ittoqqortoormiit auf Grönland
Fläche 227 800 km²

Ittoqqortoormiit (ostgrönl. Illoqqortoormiut, dän. Scoresbysund) ist eine isoliert im Osten Grönlands am Ausgang des Fjordkomplexes des Scoresbysundes und am Ostrand des Nordost-Grönland-Nationalparks liegende Siedlung mit 464 Einwohnern (Stand 2012).[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Entscheidung, an dieser Stelle des Scoresbysundes eine Siedlung aus dem Boden zu stampfen, fiel Anfang der 1920er Jahre in Kopenhagen. Der Ort wurde 1924/1925 auf Anregung von Ejnar Mikkelsen gegründet. Die Ostküste Grönlands wies mit Ausnahme des Angmagssalik-(Ammassalik)-Distrikts keine festen Ansiedlungen auf. Archäologische Funde zeigen jedoch die schon frühere Präsenz von Inuit an der grönländischen Nordostküste (z. B. in der Dødemannsbugten („Totmann-Bucht“) auf der Insel Clavering). Staatsrechtlich galt das Gebiet als Niemandsland (terra nullius).

Solange kein Land Anspruch auf diesen riesigen Küstenstreifen erhob, konnte es dabei bleiben. Doch die wilde, unwegsame und schwer erreichbare Küste wurde zum Politikum. Norwegen, das rund 500 Jahre lang in Personalunion von Dänemark aus regiert worden war, war unabhängig geworden. Die Norweger, die traditionell im Eismeer auf Robben- und Walfang gingen, waren seit Jahrzehnten nahezu die Einzigen gewesen, die mit ihren Fangschiffen die gefährliche Fahrt durch den Ostgrönlandstrom wagten und an den Küsten auf Jagd gingen. Norwegische Fänger hatten Hütten errichtet, in denen sie überwinterten – Norwegen betrieb gegen die dänischen Interessen nahezu allein die wirtschaftliche Nutzung dieses grönländischen Gebiets. 1920 beanspruchte daher Dänemark die Hoheit über ganz Grönland. Die Norweger argumentierten, dass Dänemark bestenfalls die kolonisierten Gebiete beanspruchen könne, nicht aber Regionen, in denen weder Grönländer noch Dänen lebten. Lediglich den Angmagssalik-Distrikt und die Westküste sprachen die Norweger den Dänen zu, woran man in Norwegen ohnehin nicht interessiert war.

Die beiden Länder versuchten, sich auf politischer Ebene zu einigen, indem Norwegen größere Nutzungsrechte zugesprochen wurden, aber der territoriale Anspruch Norwegens konnte offenbar nie ganz ausgeräumt werden. Daraufhin beschloss man in Dänemark, einen weiteren Teil Ostgrönlands zu kolonisieren und eine kleine Siedlung am Scoresbysund zu errichten. Einige Familien aus dem Angmagssalik-Distrikt wurden mit dem Versprechen auf optimale Jagdbedingungen umgesiedelt.[2]

1925 waren es 84 Menschen, die diese unbewohnte Gegend besiedeln wollten. Bei einem Stopp ihres Schiffes in Ísafjörður (Island) starben 14 Menschen an Grippe, sodass schließlich nur 70 Menschen in Ittoqqortoormiit ankamen. Heute leben in Ittoqqortoormiit 464 Menschen. Zeitweise besiedelt waren die beiden nahe gelegenen Dörfer Unarteq (Kap Tobin) und Itterajivit (Kap Hope).

Bis zur Gründung der Kommune Sermersooq am 1. Januar 2009 war Ittoqqortoormiit eine eigenständige Gemeinde.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Silber eine eingeschobene gerade blaue Spitze, zu deren Seiten je ein en face (gegenüber) gestellter blauer Moschusochsenkopf mit weißer Stirnplatte schwebt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ittoqqortoormiit

Aufgrund der europäischen und amerikanischen Kampagnen, ursprünglich nur gegen das Schlagen der Jungrobben an der kanadischen Westküste, hat sich die finanzielle Situation der Bewohner seitdem erheblich verschlechtert. In Kanada wird die Robbenjagd insbesondere damit begründet, man müsse die Population begrenzen, um die Küstenfischerei profitabel zu halten, weniger mit dem für die Inuit wichtigen Handel mit Robbenfellen.

Verkehr[Bearbeiten]

Ittoqqortoormiit verfügt über einen Hubschrauberlandeplatz, dessen IATA-Code „OBY“ ist. Die einzige Destination ist der Flugplatz Nerlerit Inaat (Constable Pynt) (CNP), der etwa 40 Kilometer nordwestlich von Ittoqqortoormiit liegt und der Versorgung des Ortes dient. Von dort gibt es Flugverbindungen zu anderen grönländischen Flughäfen und nach Island.

Klima[Bearbeiten]

Ittoqqortoormiit
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Temperaturen 1961–1990 (Dänisches Meteorologisches Institut), Niederschläge 1949–1960 (Colwyn Jones: Greenland Expedition 1996 (PDF; 2,7 MB), Expedition Report, The Scottish Mountaineering Club, S. 29)
Klimatabelle für Ittoqqortoormiit
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −12,6 −13,3 −12,5 −7,3 −0,5 3,1 5,8 6,0 1,7 −4,1 −9,4 −11,1 Ø −4,5
Min. Temperatur (°C) −21,8 −23,4 −22,6 −17,2 −7,7 −2,0 −0,4 0,1 −3,1 −9,2 −16,0 −19,3 Ø −11,8
Temperatur (°C) −16,1 −17,1 −16,5 −11,2 −3,5 1,1 3,3 3,5 −0,4 −6,4 −12,2 −14,7 Ø −7,5
Niederschlag (mm) 29 32 26 25 10 21 26 33 67 49 76 59 Σ 453
Sonnenstunden (h/d) 0,0 1,1 3,5 6,8 8,1 9,7 9,0 7,4 4,7 2,3 0,3 0,0 Ø 4,4
Regentage (d) 10 8 9 9 4 4 5 6 8 11 11 12 Σ 97
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Temperaturen 1961–1990 (Dänisches Meteorologisches Institut), Niederschläge 1949–1960 (Colwyn Jones: Greenland Expedition 1996 (PDF; 2,7 MB), Expedition Report, The Scottish Mountaineering Club, S. 29)

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Die Kirche von Ittoqqortoormiit

Viele Tierarten sind nur hier im Nordosten Grönlands anzutreffen, wie etwa Lemming, Hermelin und Polarwolf. Eisbären sind im Frühsommer häufig, wenn sie den Robben über das Packeis folgen. Moschusochsen sind in großer Zahl anzutreffen und stellen das Wappentier des Ortes dar. Auch Narwale, Belugas, Walrosse, Robben, Schneeeulen, Polarfüchse, Schneehasen, Prachteiderenten und andere Tiere kommen hier vor.

Die Landschaft ist geprägt vom hocharktischen Klima, so dass die Gegend sehr vegetationsarm ist. Bedingt durch die niedrigen Temperaturen sind die Fjorde bis Juni zugefroren.

Nördlich von Ittoqqortoormiit erstreckt sich das Liverpool-Land mit seinen schroffen Berggipfeln, Gletschern, Eisfjorden, Inseln, Kaps und Vogelfelsen, das von BirdLife International als Important Bird Area (GL043) ausgewiesen wird.[3] Die größten Vogelfelsen sind Kap Høegh (Krabbentaucher) und Raffles Ø (Dickschnabellummen, Krabbentaucher, Papageitaucher) und andere.

Nach Westen wird diese Landschaft begrenzt durch den Hurry Fjord, an dessen westlichem Ufer (wo auch der Flughafen Nerlerit Inaat (Constable Pynt) liegt) das Jameson-Land beginnt, das den Charakter einer typisch hocharktischen Tundralandschaft aufweist. Hier sind unzählige Moschusochsen zu Hause.

Im geschützten Inneren des größten Fjordsystemes der Welt ist das Klima weniger rau, was sich auch auf die Landschaft auswirkt, vor allem auf die Vegetation. An einigen Stellen kalben Ausflussgletscher des grönländischen Eisschilds in den Fjord und produzieren riesige Eisberge.

Südlich von Ittoqqortoormiit, auf der anderen Seite des Scoresbysundes, liegt die Volquart-Boon-Küste mit schroffen Bergen, kalbenden Gletschern und weiteren Vogelfelsen (Important Bird Area GL042).[4] Kap Brewster im äußersten Osten ist ein Vogelfelsen mit zahlreichen Dickschnabellummen und Krabbentauchern.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ittoqqortoormiit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistics Greenland (Hrsg.): Greenland in Figures 2012. März 2012, ISBN 978-87-986787-6-2, ISSN 1602-5709, S. 9 (stat.gl, abgerufen am 13. Mai 2012).
  2. Ittoqqortoormiit bei greenland.com
  3. Liverpool Land coast and mouth of Scoresby Sund auf der Website von BirdLife International, abgerufen am 16. Mai 2013 (englisch)
  4. Kap Brewster and Volquart Boon’s coast auf der Website von BirdLife International, abgerufen am 16. Mai 2013 (englisch)