Jagdpanzer

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Ein Jagdpanzer ist ein zur Panzerabwehr konzipierter Panzer. Entstanden ist diese Panzerklasse in der Mitte des Zweiten Weltkriegs. Ursprünglich waren sie mit einer Kanone ausgestattet, ab der Mitte des 20. Jahrhunderts auch mit Raketenbestückung.

Nach den massiven Einsätzen während des Zweiten Weltkriegs wurden diese Fahrzeuge auch während des Kalten Krieges noch in großen Stückzahlen einsatzbereit gehalten. Inzwischen sind sie jedoch nahezu gänzlich verschwunden. Ihre Aufgabe hat zusätzlich der mit einem Panzerabwehrlenkraketensystem ausgestattete Schützenpanzer oder Panzerabwehrhubschrauber / Kampfhubschrauber übernommen.

Jagdpanzer gibt es in den Ausführungen:

Geschichte[Bearbeiten]

Eines der ersten Fahrzeuge, die als Jagdpanzer angesprochen werden können, war während des Zweiten Weltkriegs der Jagdpanzer Marder (wenn auch eher eine Selbstfahrlafette als ein wirklicher Panzer), der während des Russlandfeldzugs entstand. Es handelte sich dabei um erbeutete russische 7,62-cm-Pak 36(r) oder PaK 40, die auf den Chassis erbeuteter Panzer, wie des Hotchkiss H-35 oder Hotchkiss H-39, montiert wurden. Daraus entwickelten sich dann die Nachfolgemodelle wie der Jagdpanzer 38(t) „Hetzer“ (ebenfalls ein Beutechassis) und der Jagdpanther. Der Einfachheit halber wurden die Jagdpanzer oftmals auf die Fahrgestelle von Kampfpanzern aufgebaut. Der turmlose, sogenannte Kasemattaufbau war außerdem billiger und einfacher herzustellen, außerdem konnten Fahrgestelle veralteter Typen weiter verwendet werden. Ein Beispiel dafür ist der Panzerjäger Marder III. Jagdpanzer trugen meist deutlich größere und stärkere Kanonen als die entsprechenden Kampfpanzer, aus denen sie ursprünglich hervorgingen (z. B. Panther: 75 mm → Jagdpanther: 88 mm / T-34/85: 85 mm → SU-100: 100 mm). Dies führte zu einer größeren Wirkung und Reichweite. Das Fahrzeug wurde grob auf das Ziel ausgerichtet, während der Richtschütze die Feinausrichtung übernahm. Bauartbedingt konnte er die Bordkanone nur um einige Grad seitlich richten. Die niedrigere Silhouette sowie ein günstigeres Leistungsgewicht kamen der bevorzugten Kampftaktik entgegen: Der Jagdpanzer lauerte getarnt feindlichen Panzern auf, eröffnete dann überraschend das Feuer und zog sich zurück, sobald das Abwehrfeuer zu stark wurde, um erneut getarnt in Lauerstellung zu gehen. Zur Abwehr von Infanterieangriffen wurde häufig ein Bug-MG verbaut.

Im Zweiten Weltkrieg waren Jagdpanzer wie der Jagdpanther mit seiner 8,8-cm-Kanone sehr erfolgreich bei der Panzerabwehr.

Die kampfpanzerähnliche Version[3] gab es nur in der U.S. Army, die dafür den M18 Hellcat und den M10 Wolverine verwendete, während Letzterer dann durch den stärkeren M36 Jackson abgelöst wurde. Die beiden letzteren Fahrzeuge unterschieden sich jedoch nicht nur durch einen gänzlich anderen Einsatzzweck von den verwendeten Kampfpanzern, sondern auch durch eine stärkere Bewaffnung. So verfügte z.B. der M36 über ein 90 mm Flakgeschütz, welches auch im schweren Kampfpanzer M26 Pershing zum Einsatz kam. Ein anderer markanter Unterschied des M10 und des M36 zu den US-Kampfpanzern des Zweiten Weltkrieges ist ein für Kampfpanzer besonders untypischer, oben offener Turm. Beide Jagdpanzer waren auf einem Kampfpanzerchassis aufgebaut, während der M18 aus einem eigens entwickelten Fahrzeug bestand. Auch diese Fahrzeuge waren mit mindestens einem Maschinengewehr zur Abwehr von Infanterie ausgerüstet.

Zuletzt wurden Jagdpanzer oft auf Fahrgestellen von leichteren Panzern, wie Schützenpanzern oder Spähpanzern aufgebaut. Sie waren zwar nur leicht gepanzert, aber sehr schnell und mit weitreichenden Panzerabwehrlenkflugkörpern bewaffnet, wie z. B. der Jaguar, der feindliche Panzer bis zu einer Entfernung von 3750 m bekämpfen konnte.

Die Aufgaben der Jagdpanzer werden mittlerweile in den meisten Fällen von Kampfhubschraubern und von mit Panzerabwehrraketen bewaffneter Infanterie übernommen.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Der so ausgeführte schwedische Stridsvagn 103 wird allerdings zur Gattung Kampfpanzer gezählt
  2. Durch den Verzicht auf einen Turm konnte man diese Gattung mit extrem niedriger Silhouette bauen.
  3. Optisch unterschieden sich die amerikanischen Jagd- kaum von Kampfpanzern (z.B. im Falle des Sherman Firefly kann man nur durch den Einsatzzweck unterscheiden, ob es sich um einen Jagd- oder Kampfpanzer handelte).

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Chamberlain, Hilary Doyle, Thomas L. Jentz: Encyclopedia of German Tanks of World War Two, ISBN 978-0-668-04565-0
  • Robert Jackson: Panzer : Modelle aus aller Welt von 1915 bis heute. PaRRagon Verlag, Bath 2009, ISBN 978-1-4075-7742-5

Weblinks[Bearbeiten]