Jakobsmuschel

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Linke Schale der Großen Pilgermuschel (Pecten maximus)

Als Jakobsmuscheln oder Pilgermuscheln werden zwei nahe verwandte Arten von Muscheln bezeichnet, die beide zur Gattung Pecten gehören. Diese Gattung ist die typische Gattung der Kammmuscheln (Pectinidae). Pecten jacobaeus, die Mittelmeer-Pilgermuschel, lebt im Mittelmeer. Die Verbreitungsgebiete der Schwesterart Pecten maximus (Große Pilgermuschel) reichen von nördlich der Britischen Inseln entlang der gesamten atlantischen Küste bis nach Südportugal. Die beiden Pecten-Arten gehören zu den größten und schmackhaftesten essbaren Muscheln.

Anatomie[Bearbeiten]

lebende Jakobsmuschel

Wie die Austern besitzen die Pilgermuscheln einen zentralen Schließmuskel. Daher rührt die charakteristische Narbe im Inneren der Schale. Da sich die Pilgermuscheln schwimmend fortbewegen, ist der Muskelstrang wesentlich stärker ausgebildet als bei der Auster. Ihre Schale hat eine regelmäßige Zeichnung mit 12 bis 17 Rippen[1], welche auch als archetypische Form einer Muschel gesehen wird. Erwachsene Tiere haben für gewöhnlich eine Größe von 10-15 cm, können aber auch bis zu 20 cm erreichen.[2][3]

Vorkommen[Bearbeiten]

Als die besten Fanggebiete der Großen Pilgermuschel gelten Schottland, Frankreich und Irland. Fangsaison ist von November bis März, die Muscheln werden ganzjährig tiefgefroren angeboten. In Chile werden verwandte Arten auch in Aquakultur gezüchtet z. B. in der Bucht von Tongoy, die ebenfalls als Jakobsmuscheln in den Handel kommen.

In Bezug auf Frankreich gibt es vor der normannischen Küste im Ärmelkanal wichtige Jakobsmuschel-Vorkommen. Gemessen an den Tonnen gefischter Muscheln ist Port-en-Bessin der wichtigste Fischereihafen in der Unteren Normandie. Der Ort hat eine lange Fischereitradition. Seit 2004 wird jedes Jahr ein Fest anlässlich der neuen Jakobsmuschelsaison (Anfang Oktober bis Mitte Mai) gefeiert. Gut zwei Drittel der französischen Jakobsmuscheln werden an der Küste der Normandie gefischt. Da die Muschel zu den bedrohten Arten gehört, ist der Fang stark reglementiert. Nur Exemplare, die größer als 11 Zentimeter sind, dürfen für den Verkauf gefangen werden. Garant für hohe Qualitätsstandards bezüglich des Fangs und des Verkaufs ist das sogenannte „Label Rouge“ (dt. rotes Gütesiegel).

Jakobsmuschel als Vorspeise

Zubereitung[Bearbeiten]

Frische Muscheln sollten schwer und geschlossen sein. Zum Öffnen legt man die flache Schale nach oben und schneidet mit einem Messer innen an der oberen Schale entlang und klappt dann die flachere Schale hoch. Alle schwarzen Innereien und der Bart werden entfernt. Verwendet werden nur der zylinderförmige, weiße Muskelstrang zwischen den Klappen und der orangerote Rogen (Corail). Er gilt als besondere Delikatesse. Das Fleisch hat einen nussigen, etwas süßlichen Geschmack.[4]

Große Kammmuscheln lassen sich auf viele Arten zubereiten, klassisch als überbackenes Ragout in der eigenen Schale. Roh werden sie besonders in der japanischen Sushi-Küche verzehrt, beispielsweise über einem Nigiri (handgeformter Reisballen) unter der Bezeichnung Hotategai.

Namensursprung und Symbolik[Bearbeiten]

Stilisierte Jakobsmuschel als Erkennungszeichen des Jakobsweges auf dem Kilometerstein 0 km am Ende des Camino a Fisterra

Der Name Jakobsmuschel bezieht sich auf den heiligen Jakobus, der zum Schutzpatron der Pilger wurde. Er erhielt die Jakobsmuschel als Erkennungszeichen postum zugedacht, die er in Darstellungen in der Regel am Hut trägt, manchmal auch am Gürtel. Aufgrund dieses nachträglichen Attributes wurde die Jakobsmuschel auch zum Symbol der Pilger, insbesondere der Pilger des Jakobswegs, und die Muschel bereits im Mittelalter weithin bekannt.

Die christlichen Pilger des Mittelalters benutzten die Jakobsmuschel zum Wasserschöpfen. Ein unter Jakobspilgern verbreiteter Brauch war es, den Pilgergang 60 km weiter am Cap Finisterre zu beenden, um dort aus dem Meer eine echte Jakobsmuschel zu sammeln. Als Pilgerzeichen am Hutband des Hutes oder am Gürtel getragen, ist sie geschichtlich mit der Wallfahrt nach Santiago de Compostela verbunden, um damit an den Besuch des Grabs des heiligen Jakobus zu erinnern. Die Muschel war mehr als nur ein Souvenir. Nach der Rückkehr in die Heimat sicherte sie ihrem Träger Ansehen, und mancher ließ sich die Muschel ins Grab legen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jacobsmuschel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.fao.org/fishery/species/3516/en
  2. http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0037717
  3. http://www.marlin.ac.uk/biotic/browse.php?sp=4236
  4. http://www.netzwissen.com/ernaehrung/jakobsmuscheln/index.php