Janusz Piekałkiewicz

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Janusz Piekałkiewicz (* 1925 in Warschau; † 9. März 1988) war ein polnischer Historiker,[1] Schriftsteller sowie Regisseur und Produzent.[2]

Leben[Bearbeiten]

Mit 17 Jahren wurde Piekałkiewicz Mitglied der polnischen Heimatarmee. Zu den Anführern des polnischen Widerstandes gegen die deutschen Besatzer zählte auch sein Onkel Professor Jan Piekałkiewicz, der 1943 von der Gestapo ermordet wurde. Janusz Piekałkiewicz nahm am Warschauer Aufstand teil und verbrachte den Rest des Krieges im „ArbeitserziehungslagerGroßbeeren bei Berlin.

Nach der Befreiung kehrte er nach Polen zurück, machte 1946 sein Abitur und besuchte ab 1948 die Filmakademie in Łódź und studierte anschließend Zeitgeschichte. Außerdem war er als Bergführer in der Hohen Tatra tätig. 1956 beteiligte er sich am Ungarischen Volksaufstand und ging anschließend nach Österreich, wo er zunächst als Straßenarbeiter, später als Rundfunkreporter arbeitete, bevor er sich der Schriftstellerei und der Tätigkeit beim Fernsehen zuwandte. Unter anderem war er in Paris, London und der Bundesrepublik Deutschland tätig.

Wirken[Bearbeiten]

Piekałkiewicz galt als ausgewiesener Fachmann für Kriegsgeschichte. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit lagen beim Zweiten Weltkrieg sowie der Welt der Geheimdienste.[3] Daneben hat er auch Bücher über die Schatzsuche verfasst.

Ein besonderes Merkmal vieler seiner Bücher ist, dass in den jeweiligen Kapiteln zunächst verschiedene zeitgenössische Quellen (beider Seiten und auch aus neutralen Staaten) unkommentiert zitiert werden, bevor Piekałkiewicz die Ereignisse im zweiten Teil des Kapitels nochmals mit eigenen Worten schildert. Er stellt laut Sebastian Haffner „die tatsächlichen Ereignisse ... von Tag zu Tag mit größter Genauigkeit dar, wie sie sich nachweisbar abgespielt haben. Dabei befleißigt er sich größtmöglicher Objektivität und Unparteilichkeit“".[4]

Władysław Bartoszewski nennt alle Bücher von Janusz Piekałkiewicz zur Zeitgeschichte „vorbildlich in ihrer Objektivität“ und betont, dieser habe sich „als Autor zeitgeschichtlicher Bücher mit großem Erfolg um Fairness und Gerechtigkeit bemüht“.[5]

Es gibt aber auch Kritik, dass Piekałkiewicz seinen deutschen Lesern zu sehr entgegengekommen wäre. In seinem Buch Luftkrieg 1939–1945 beschuldigte er die britische Regierung unverblümt der Verantwortung für die Bombenopfer der Luftwaffe in England.[6] Der Historiker Thomas Kubetzky nennt Piekałkiewiczs Werk Rommel und die Geheimdienste in Nordafrika 1941–1943 als beispielhaft für die unkritische Verehrung des Generals.[7]

Piekałkiewicz' Bücher wurden zunächst alle in deutscher Sprache veröffentlicht; erst nachdem kurz nach seinem Tod der Kommunismus auch in Polen zusammenbrach, erschienen viele seiner Werke in seiner Heimat auch auf Polnisch.

Dokumentarfilme und -serien[Bearbeiten]

Auf der Berlinale 1964 stellte Janusz Piekałkiewicz im Wettbewerb seinen Dokumentarfilm Polnische Passion vor, der für den Goldenen Bären nominiert war.[8]

Piekałkiewicz's 26-teilige Fernsehserie Spione, Agenten, Soldaten – Geheime Kommandos im Zweiten Weltkrieg wurde 1969 auf dem IX. Internationalen Fernsehfestival von Monte Carlo mit dem ersten Preis, der Goldenen Nymphe, ausgezeichnet. In ihrer Beurteilung hob die Jury neben der hohen künstlerischen Qualität vor allem die ungewöhnliche Fairness und Sachlichkeit hervor.[9] Unter dem gleichen Titel erschien auch ein Buch (siehe unten).

Zu seinen weiteren Fernsehdokumentationen zählen unter anderem Israels langer Arm - Geschichte, Erfolge und Niederlagen des israelischen Geheimdienstes[10] und Spione Ihrer Majestät - Glanz und Niedergang des britischen Geheimdienstes[11].

Bücher von Janusz Piekałkiewicz[Bearbeiten]

Bücher zur Kriegsgeschichte[Bearbeiten]

  • Polenfeldzug – Hitler und Stalin zerschlagen die Polnische Republik, Lübbe/Bechtermünz, ISBN 3-86047-907-5
  • Krieg auf dem Balkan 1940–1945, Südwest Verlag, München 1984, ISBN 3-517-00790-0
  • Ziel Paris – Der Westfeldzug 1940, Herbig/Bechtermünz, ISBN 3-8289-0296-0
  • Rommel und die Geheimdienste in Nordafrika 1941–1943, Herbig/Bechtermünz, ISBN 3-8289-0295-2
  • Der Wüstenkrieg in Afrika 1940–1943, Südwest/Bechtermünz, ISBN 3-8289-0357-6
  • Die Schlacht um Moskau – Die erfrorene Offensive, Lübbe/Bechtermünz, ISBN 3-86047-908-3
  • Stalingrad – Anatomie einer Schlacht, Südwest Verlag, München 1977 / Bechtermünz Verlag, ISBN 3-927117-27-7.
    • überarbeitete Taschenbuchausgabe als Heyne Sachbuch, 4. Auflage München 1992, ISBN 3-453-06012-1.
  • Unternehmen Zitadelle – Kursk und Orel: Die größte Panzerschlacht des 2. Weltkriegs, Lübbe/Bechtermünz, ISBN 3-86047-910-5.
  • Kampf um Warschau – Stalins Verrat an der polnischen Heimatarmee 1944 (mit einem Vorwort von Władysław Bartoszewski), Herbig Verlag, München 1994, ISBN 3-7766-1699-7.
  • Die Schlacht von Monte Cassino – Zwanzig Völker ringen um einen Berg, Bastei Lübbe, 1982, ISBN 3-404-65044-1. / Bechtermünz, ISBN 3-86047-909-1.
  • Die Invasion – Frankreich 1944, Herbig/Bechtermünz, ISBN 3-8289-0279-0
  • Arnheim 1944 – Die größte Luftlandeoperation, Herbig / Bechtermünz, ISBN 3-8289-0278-2
  • Die Schweiz am Rande des Krieges
  • Die Ju 52 im Zweiten Weltkrieg
  • Der Fieseler Fi 156 "Storch" im Zweiten Weltkrieg, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-87943-445-X
  • Die 8,8 Flak im Erdkampfeinsatz, Motorbuch Verlag, Stuttgart, ISBN 3-87943-423-9
  • Die BMW Kräder R12 / R75 im Zweiten Weltkrieg, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1977, ISBN 3-87943-446-8
  • Pferd und Reiter im Zweiten Weltkrieg
  • Die Deutsche Reichsbahn im Zweiten Weltkrieg, Transpress 1998, ISBN 3-344-70812-0
  • Der VW Kübelwagen Typ 82 im Zweiten Weltkrieg, Motorbuch Verlag, 1996, ISBN 3-87943-468-9
  • Die alte Tante und der Storch. Bildreport Ju 52 und Fi 156

Bücher zur Geschichte der Geheimdienste[Bearbeiten]

  • Spione, Agenten, Soldaten – Geheime Kommandos im Zweiten Weltkrieg, Herbig/Bechtermünz, ISBN 3-8289-0297-9
  • Weltgeschichte der Spionage, Südwest Verlag, München 1988, ISBN 3-933366-31-3

Bücher zu sonstigen Themen[Bearbeiten]

  • Da liegt Gold – Verborgene Schätze in aller Welt, Südwest Verlag 1971 / Pietsch Verlag 1997, ISBN 3-613-50289-5.
  • Schatzsucher haben noch Chancen.Pietsch, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-50340-9.
  • Freibeuter in der Karibischen See – Das bunte wilde Leben der Buccaneers
  • Nachbarn seit tausend Jahren. Deutsche und Polen in Bildern und Dokumenten
    (zusammen mit Richard Breyer und Peter E. Nasarski). von Hase & Koehler, Mainz 1976, ISBN 3-7758-0893-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Maria Prosińska-Jackl: Słownik historyków polskich. Wiedza Powszechna, 1994, ISBN 83-214-1051-0, S. 401.
  2. Janusz Piekałkiewicz o II wojnie światowej
  3.  Maria Prosińska-Jackl: Słownik historyków polskich. Wiedza Powszechna, 1994, ISBN 83-214-1051-0, S. 401.
  4. Sebastian Haffner: Vorwort zu Der Zweite Weltkrieg von Janusz Piekałkiewicz, Econ, 1985, ISBN 3-89350-544-X.
  5. Władysław Bartoszewski: Vorwort zu Kampf um Warschau - Stalins Verrat an der polnischen Heimatarmee 1944 von Janusz Piekałkiewicz, Herbig Verlag, München 1994, ISBN 3-7766-1699-7.
  6. Bas von Benda-Beckmann: A German Catastrophe? German Historians and the Allied Bombings 1945–2010. Amsterdam University Press, Amsterdam 2010, ISBN 978-9056296537, S. 173.
  7. Thomas Kubetzky: „The mask of command“. Bernard L. Montgomery, George S. Patton und Erwin Rommel in der Kriegsberichterstattung des Zweiten Weltkriegs, 1941–1944/45. Lit, Münster 2010, ISBN 978-3643103499, S. 15.
  8. Polnische Passion in der Internet Movie Database
  9. Władysław Bartoszewski: Vorwort zu Kampf um Warschau - Stalins Verrat an der polnischen Heimatarmee 1944 von Janusz Piekałkiewicz, Herbig Verlag, München 1994, ISBN 3-7766-1699-7
  10. DER SPIEGEL 8/1973
  11. DER SPIEGEL 53/1974