Jean-Guillaume Bruguière

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Jean-Guillaume Bruguière (* 1749 oder 1750 in Montpellier; † Oktober 1798 in Ancona in Italien) war ein französischer Arzt, Naturforscher, Diplomat und Entdeckungsreisender[1]. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Brug.“.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Als Sohn eines Chirurgen studierte er zunächst Medizin und beschloss das Studium im Jahre 1770 mit einer Promotion, wandte sich dann aber in Paris der Botanik und der Zoologie zu. Seine erste Forschungsreise unternahm er mit Yves Joseph de Kerguelen de Trémarec auf dessen zweiter Expedition zu den Kerguelen-Inseln im Jahre 1773. Unter der Regentschaft von Louis XV plante man die Exploration der südlichen Ozeane.

Zurück in Montpellier wurde er zum Mitglied der botanischen Sektion der Société des Sciences et Belles-Lettres ernannt. Er beschäftigte sich auch mit Fossilienfunden aus dem Steinkohleabbau seiner Region. Auch studierte er Weichtiere (Mollusken) und schrieb den ersten Band der Naturgeschichte in der großen französischen Encyclopédie (1751–1772). Im Jahre 1787 wurde er für die Position des Botanikers in Saint-Domingue nominiert, aber er verlor den Posten an einen Mitbewerber. Bruguière freundete sich mit dem Entomologen Guillaume Antoine Olivier sowie Jean-Baptiste Lamarck an. Diese drei Naturforscher hatten im Jahr 1792 gerade das Journal d’Histoire Naturelle gegründet.

Olivier fragte Bruguière, ob dieser ihn auf seiner Expedition in den Vorderen Orient (1792–1798) begleiten würde. Im Jahre 1790 brach er dann, zusammen mit dem Naturforscher Guillaume-Antoine Olivier, zu dieser Expedition auf die sie bis nach Persien führen sollte. Das ursprüngliche Ziel der Expedition war es, naturgeschichtliche Objekte zu sammeln. Aber sein Gesundheitszustand erlaubte Bruguière nicht bis zum Ende der Reise zu bleiben.

Zunächst trafen sie in Istanbul ein, reisten dann aber nach Griechenland und Ägypten. Von dort führte die Reise weiter nach Bagdad, Kermanshah und nach Teheran. Hier übernahm Bruguière konsularische Tätigkeiten im neu geschaffenen französisch-persische Bündnis (siehe auch Franko-Persische Allianz) Bruguière wurde sehr krank. Im Jahr 1792 besuchte er, trotz seines schlechten Gesundheitszustandes, zusammen mit Guillaume-Antoine Olivier Griechenland und einige griechischen Inseln (Zypern, Kreta (1. August 1794 - 29. Oktober 1794)[2], Santorin, Korfu) und den Nahen Osten und starb auf der Rückreise nach Frankreich.

Obwohl sein Interesse galt in erster Linie in Weichtiere und andere wirbellose Tiere, Pflanzen gesammelt Bruguière während der gesamten Reise[3].

Er beschrieb verschiedene Taxa in seinem Buch Tableau Encyclopédique et Méthodique des trois Règnes de la Nature: vers, coquilles, mollusques et polypes divers, das lange nach seinem Tode in drei Bänden im Jahre 1827 veröffentlicht wurde[4].

Titelseite der "Tableau Encyclopédique et Methodique"

Er arbeitete auch an einer Naturgeschichte der Würmer mit dem Titel Histoire Naturelle des Vers. Vol. 1 (1792), kam aber nur bis zum Buchstaben "C". Christian Hee Hwass (1731–1803) setzte seine Arbeit daran fort. Georges Cuvier äußerte eine hohe Wertschätzung über seine Arbeit.

Ehrentaxon[Bearbeiten]

Die Gattung Bruguiera ein Mangrovenbaum aus der Familie der Rhizophoraceae wurde von Jean-Baptiste de Lamarck nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Tableau Encyclopédique et Méthodique des trois Règnes de la Nature : vers, coquilles, mollusques et polypes divers, posthum (1827)
  • Histoire Naturelle des Vers. (1792)

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Théodoridès: Jean-Guillaume Bruguiere (1749-1797) et Guillaume-Antoine Olivier (1756-1814), médecins, naturalistes et voyageurs. Gauthier-Villars, Paris 1962
  • Eintrag Jean-Guillaume Bruguière in: Damkaer, David M.: The Copepodologist's Cabinet: A Biographical and Bibliographical History. Memoirs of the American Philosophical Society. (2002), S.104ff. ISBN 978-0-8716-9240-5 (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. JSTOR plant Science Biographische Daten in englischer Sprache
  2. Lac, H.W.: Die frühe botanische Erforschung der Insel Kreta. Ann. Naturhist. Mus. Wien 98 B Suppl. 183- 236 Wien, Dezember (1996), S.225
  3. [1] JSTO Plant science Biographie in englischer Sprache
  4. Goulven Laurent: Jean-Guillaume Bruguière (1750-1798), et les débuts de la paléontologie des invertébrés. TRAVAUX DU COMITÉ FRANÇAIS D'HISTOIRE DE LA GÉOLOGIE Troisième série. T.XVI (2002)