Johann von Wesel

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Johann von Wes(s)el, (auch Johannes de Wesalia, Hanns vom Hain, eigentlich Johann Ruch(e)rath von Oberwesel, (* 1425 in Oberwesel; † 1481 in Mainz) war ein spätmittelalterlicher Theologe.

Leben[Bearbeiten]

Er studierte ab dem Wintersemester 1441/42 an der Universität Erfurt, dort wurde er 1445 Magister Artium, um noch elf weiteren Jahren lehrend und lernend das Theologiestudium als Lizentiat und Doktor der Theologie am 15. November 1456 abzuschließen.[1]

1456 bis 1457 war er Rektor in Erfurt. Um 1460 ging er als Prediger nach Mainz (?) (Schon 1460 ist er als Domherr in Worms bezeugt). 1463 bis 1477 war er Domprediger in Worms.

Lehre[Bearbeiten]

Seine „Disputatio adversus indulgentias“ sowie die gegen die Ansprüche des Papsttums gerichtete Schrift „Von der Autorität, Pflicht und Vollmacht der geistlichen Hirten“ bewirkten 1477 die Absetzung und Versetzung als Dompfarrer nach Mainz sowie 1479, nach Haft im Barfüßerkloster, dem späteren Jesuiten Kloster [2], seine Vorladung vor ein Ketzergericht in Mainz, von dem er sich vom päpstlichen Großinquisitor Gerhard von Elten zum Widerruf bewegen ließ (alle seine Schriften wurden verbrannt); Johann blieb trotzdem zwei Jahre bis zu seinem Tod 1481 im Augustinerkloster in Kerkerhaft.

„Wenn ich den Wessel zuvor gelesen, so ließen meine Widersacher sich dünken, Luther hätte alles vom Wessel genommen, also stimmet unser beider Geist zusammen.“

Martin Luther[3]

Luther stand mit seinen Thesen keineswegs auf dem Boden des Johann von Wesel.

Werke[Bearbeiten]

(Manche sind verloren gegangen.)

  •  Johann von Wesel: Disputatio adversus indulgentias (1475). In: Ch. W. F. Walch (Hrsg.): Monumenta medii aevi. I/1, Göttingen 1757 (Originaltitel: Latn), S. 111–156.
  • Johann von Wesel, Opusculum de auctoritate, officio et potestate pastorum ecclesiasticorum, hrsg. v. Ch. W. F. Walch, in: aao II/2 (Göttingen 1764), 142 ff.;
  • Johann von Wesel, Kommentar zur aristotel. Physik; Exercitium metaphysicae; Sentenzenkommentar;
  • De potestate ecclesiastica; De indulgentiis; De jejunio; Abhandlung über die Unbefleckte Empfängnis (1470);
  • Johann von Wesel, Disputatio per litteras mit Johannes v. Lutter, ob der Papst Stellvertreter Christi sei und ob er oder das Konzil etwas unter Todsünde verbieten könne;
  • Johann von Wesel,Super modo obligationis legum humanarum ad quendam Nicolaum de Bohemia (um 1478); Ad quendam fratrem de Carthusia de purgacione renum.
  •  Johann von Wesel: Eine Synodalpredigt über Lukas 18, 9-14, Worms, 30. August 1468. In: Gustav Adolf Benrath (Hrsg.): Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte. 57, Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte, Koblenz (1949), 2005, ISSN 0066-6432, S. 359–383 (25 Seiten Artikel (ref. et notes dissem.)).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Gustav Adolf Benrath: Johann Rucherath von Wesel. In: Gerhard Müller (Hrsg.): TRE Theologische Realenzyklopädie. Bd. 17 Jesus Christus V - Kathechismuspredigt, Walter de Gruyter & Co., Berlin/New York 1988, ISBN 3-11-011506-9, S. 150–153 (Johann Rucherath von Wesel - 1. Leben, 2.Lehre, 3. Nachwirkung, (Quellen/Literatur 152), Faksimile bei Google-Books, abgerufen am 3. November 2009).
  2.  Johann Peter Schunk: Beyträge zur Mainzer Geschichte mit Urkunden. 2. Auflage. Mainz 1788, S. 263.
  3.  Dr. Carl Ullmann ord. Professor der Theologie zu Halle: Johann Wessel, ein Vorgänger Luthers. Zur Characteristik der christlichen Kirche und Theologie in ihrem Uebergang aus dem Mittelalter in die Reformationszeit. Friedrich Perthes, Hamburg 1834 (Faksimile bei Google-Books, abgerufen am 3. November 2009).

Literatur[Bearbeiten]

  • Adolf Brecher: Rucherath, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 29, Duncker & Humblot, Leipzig 1889, S. 439–444.
  • Ortwin Gratius (van Graes): Fasciculus rerum expetendarum ac fugiendarum. Köln 1935 (= Relation A des Prozesses)
  • Charles Du Plessis d'Argentré: Collectio judiciorum de novis erroribus I/2. Paris 1724, S. 291 ff.
  • C. Ullmann: Reformatoren vor der Reformation I (Gotha2 1866), S. 149-346
  • O. Clemen: Über Leben und Schriften des J., in: DZGw NF 2 (Freiburg 1898), 143-173 (mit Relation B des Prozesses);
  • O. Clemen: Zu dem Ketzerprozeß J.'s, in: HV 3 (1900), S. 521-523
  • O. Clemen in: RE 21, S. 127-131
  • N. Paulus: J. über Bußsakrament und Ablaß, in: ZKTh 24 (1900), S. 644-656
  • N. Paulus in ZKTh 27 (1903), S. 601
  • N. Paulus: Geschichte des Ablasses III. Paderborn 1923, S. 524-527
  • N. Paulus: Wimpfeling als Verfasser eines Berichtes über den Prozeß gegen J., in: ZGObrh 81 (NF 42) (1929), S. 296-300, 451 ff.
  • G. Ritter: Studien zur Spätscholastik III: Neue Quellenstücke zur Theologie des J. SAH 1926/27, S. 5
  • R. Samoray, J. (Diss. masch. Münster 1954)
  • Karl-Heinz Kleber: Johannes Ruch(e)rath (auch Rich(e)rath) von Wesel (de Vesalia). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 615–617.

Weblinks[Bearbeiten]