Joseph-Nicolas Delisle

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Joseph Nicolas Delisle
Delisle Mondkrater(oben) und Diophantus (unten) Aufnahme von Apollo 15

Joseph-Nicolas Delisle (* 4. April 1688 in Paris; † 11. September 1768 ebenda) war ein französischer Astronom und Kartograph. Er war der Sohn des Historikers und Geographen Claude Delisle und der jüngere Bruder des Kartographen Guillaume Delisle.

Leben und wissenschaftliche Leistung[Bearbeiten]

Delisle wurde bereits 1714 Mitglied der Akademie der Wissenschaften als Student bei Giacomo Filippo Maraldi. 1715 beobachtete er einen wellenoptischen Effekt, der aber weitgehend in Vergessenheit geriet und erst über einhundert Jahre später an der französischen Académie des sciences von Augustin-Jean Fresnel theoretisch hergeleitet, von Siméon Denis Poisson vorhergesagt, von François Arago experimentell nachgewiesen wurde und der heute meist als Poisson-Fleck bezeichnet wird.[1]

1725 wurde Delisle vom Zaren Peter dem Großen als Akademiker nach Sankt Petersburg berufen, wo er eine Schule für Astronomie begründete. Dort beobachtete er die Verfinsterungen der Jupitermonde und publizierte seine Ergebnisse. Er fiel besonders dadurch auf, dass er umfassend Daten, Korrespondenzen und Manuskripte kopierte, sammelte und geordnet zusammenstellte. Dafür erhielt er ein Gehalt und den Titel "Astronom der Marine". Im Jahr 1725 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Delisle schlug als Erklärung für den Regenbogen die Brechung von Sonnenlicht an Wassertropfen in Wolken vor. Er arbeitete ebenfalls an der Berechnung der Entfernung zwischen Sonne und Erde, indem er die Beobachtungen der Merkurtransite und Venustransite auswertete. Er schuf eine Gradeinteilung der Temperatur, die nach ihm benannt ist, die Delisle-Skala.

1747 kehrte er wieder nach Paris zurück, wo er als Vorgesetzter von Charles Messier an der Marine-Sternwarte[2] bei der Suche nach dem Halleyschen Kometen beteiligt war.

Am 11. September 1768 starb er arm und vergessen.

Ehrung[Bearbeiten]

Nach ihm wurde ein Mondkrater benannt (siehe Delisle (Mondkrater))

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joseph-Nicolas Delisle: Reflexions in: Mémoires de l’Académie Royale des Sciences, 1715, Seite 166
  2. siehe Messier-Biografie

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]