Joseph Marie Terray

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Joseph Marie Terray

Joseph Marie Terray (Abbé Terray; * 1715 in Boën-sur-Lignon; † 1778 in Paris) war Priester und französischer Finanzminister unter Ludwig XV. von Frankreich.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Der Vater von J.M. Terray war Antoine Terray (1662-1727), seine Mutter Anne Dumas de Matel (* 1661), beide seit 1705 verheiratet.[1]

Terray, der aufgrund der Förderung durch René-Nicolas-Charles-Augustin de Maupeou, den Kanzler von König Ludwig XV. 1769 zum Finanziminister wurde, sah sich einer katastrophalen Lage der Staatsfinanzen gegenüber. Den von König Ludwig XIV. geerbten Staatsbankrott hatte sein Nachfolger trotz mehrerer Versuche (etwa der Gründung der Banque Générale durch John Law) nicht überwinden können, so dass sich das Land als politisch, militärisch und kulturell führende Macht des Kontinents, in einer ständigen Zahlungskrise befand.

Terray wies im Namen des französischen Staates die Zahlungen eines Teils der französischen Staatsschulden zurück. Diese sog. Repudiationen verschafften dem Staat, zusammen mit Neuverhandlungen der von den Steuerpächtern zu zahlenden Pachtbeträge, einen größeren finanziellen Spielraum. Zudem verschaffte er der Staatskasse weitere Einnahmen durch die Steuerung des Getreidehandels. Im politischen Bereich betrieb er 1770 den Sturz von Außenminister Étienne-François de Choiseul, indem er dessen Pläne für einen Krieg gegen Großbritannien als unbezahlbar aufzeigte. Seine Erfolge bei der Steigerung der Staatseinnahmen brachten eine erhebliche Opposition gegen seine Person mit sich. Ludwig XVI. entließ ihn daher unmittelbar nach seinem Amtsantritt.

Bedeutung[Bearbeiten]

Terray formulierte die These, die ewige Dauer des Staates mache es erforderlich, dass dieser alle 100 Jahre einmal den Staatsbankrott auf alle seine Schulden erkläre, um seine Bilanz wiederherzustellen (s.u. Manes, S. 31). Seine Härte bei der Entschuldung des Staates wurde von Historikern des 19. Jahrhunderts als eine der Ursachen des Ausbruchs der Revolution bezeichnet (s.u. Gomel, S. 30), er selbst als „Mann, dessen Name über die Jahrhunderte mit Fluch und Schande beladen gehen wird; ein Geistlicher von grenzenloser Unsittlichkeit, aber ein großer Arbeiter und ungemein fertiger Redner mit entschiedenem Finanztalent“ (s.u. Niebuhr, S.134).

Zitat[Bearbeiten]

„Majestät, ich finde sie – unbezahlbar“ (Auf die Frage des Königs, wie er das Schloss von Versailles und die dortigen Feste finde.)

Quellen[Bearbeiten]

  • Uwe Schultz: Versailles. Die Sonnenseite Frankreichs. 2002
  • Alfred Manes: Staatsbankrotte. Wirtschaftliche und rechtliche Betrachtungen. Berlin 1922
  • Charles Gomel: Les Causes financières de la Revolution Francaise. 1. Band. Paris 1892
  • Markus Niebuhr: Geschichte des Zeitalters der Revolution. Hamburg 1845

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogie seiner Familie
Vorgänger Amt Nachfolger
Étienne Mainon d'Invault Generalkontrolleur der Finanzen
22. Dezember 1769–24. August 1774
Anne Robert Jacques Turgot