Armleuchter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Kandelaber)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Armleuchter, Kandelaber[1] (französisch candélabre, von lateinisch candelabrum „Leuchter“, zu lat. candela „Kerze“) und Girandolen sind Ständer für Kerzen oder Leuchten, die sich über einem Sockel und einer zentralen Säule in mehrere Arme verzweigen und so die Aufnahme mehrerer Leuchtelemente ermöglichen.

Begriffe[Bearbeiten]

Der Begriff des Armleuchters, wie auch jener fast gleichbedeutende der Girandole (Tischleuchter mit geschwungenen Armen, seit der Mitte des 18. Jahrhunderts), beschränkt sich auf mobile Geräte, während ein Kandelaber auch ein im Freien, zur Beleuchtung von Straßen und Brücken dienendes monumentales Beleuchtungselement sein kann. Die begriffliche Abgrenzung ist nicht einheitlich.[2] Zur regionalen Wortverwendung: In der Schweiz, teilweise auch in Österreich und Süddeutschland, wird die Bezeichnung Kandelaber auch für einflammige Straßenlaternen verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Mehrarmige Leuchter sind seit der Antike bekannt, wurden damals aber noch mit Öl- oder Talglampen bestückt.

Die Menora aus dem jüdischen Tempel als Teil der Beute im Triumphzug. Rom, Titusbogen.
Siebenarmiger Leuchter im Essener Münster, Bronze, um 1000

Ein Leuchtertyp von geschichtlich lange nachwirkender Form ist die Menora, der siebenarmige Leuchter des Jerusalemer Tempels aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., der zu einem der wichtigsten Symbole des Judentums wurde.

Auch das christliche Mittelalter verwendete den aus der biblischen Tempelbeschreibung bekannten Typ des siebenarmigen Leuchters. Als große Standleuchter waren sie an prominenter Stelle im Kirchenraum platziert und sind seit karolingischer Zeit nachweisbar. Bodenstandleuchter mit zwei bis sechs Armen sind dagegen im Mittelalter seltener. Auch die als Altarzubehör obligaten Kerzenhalter sind bis heute durchweg einflammig.

Im profanen Hausrat erscheinen zweiflammige Kerzenhalter (Tischleuchter) aus Bronze oder Messing seit dem 15. Jahrhundert häufiger. In der Neuzeit wird für Alltagsgerät eher Messing, für aufwendig modellierte Leuchter weiterhin Bronze verwendet.[3] Der Armleuchter wird seit dem 18. Jahrhundert zum Prunkstück auf der festlich gedeckten Tafel, er ist jetzt möglichst aus Silber und lässt seine von Ornament und Blattwerk umspielten Arme auch wohl nach mehr als zwei Richtungen ausschwingen. Oft können die Arme vom Schaft abgenommen und durch eine Einzeltülle ersetzt werden. Mehrarmige Leuchter aus Porzellan oder gar anderem keramischen Material sind seltener als die aus Metallen, zu denen seit dem Spätbarock noch Zinn hinzukommt. Im Kunsthandwerk Italiens waren die Schäfte der Kandelaber oft aus Marmor.

Kandelaber zur Straßenbeleuchtung kamen vereinzelt seit dem 18. Jahrhundert vor, mit Aufkommen der Gasbeleuchtung im 19. Jahrhundert häufiger. Seitdem erlangten sie eine hohe Bedeutung für den öffentlichen Raum.[4] Sie waren in den Anfängen eher geschmiedet,[5] später eher aus Gusseisen oder Bronzeguss, vor allem wenn sie aufwendiger gestaltet waren.

Weitere Bedeutung – Schimpfwort[Bearbeiten]

Das Wort Armleuchter wird auch als umgangssprachliches Schimpfwort verwendet. Duden nennt die Bedeutungen „blöder Kerl, Dummkopf“ und „Arschloch“.[6] Das Deutsche Wörterbuch von Büntig gibt als Bedeutung „Blödmann, Dummkopf“ an.[7] Der Ursprung dieser Verwendung ist unklar. Vermutlich handelt es sich um ein Verschleierungswort aus dem Militärwesen, um das ähnlich anlautende obszöne Arschloch zu vermeiden.

Eine ähnliche saloppe Beleidigung ist die seltener gebrauchte Form Armloch. Sie steht verhüllend für das Schimpfwort Arschloch[8] oder für Idiot.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heyses Fremdwörterbuch, 18. Auflage, Hannover und Berlin, 1903, Stichwort „Kandelaber“ (S. 410, rechte Spalte).
  2. Mitunter werden auch einflammige, aber große Bodenstandleuchter als Kandelaber bezeichnet (Lexikon der Kunst, Bd. 2, Leipzig 1971, S. 524), während das Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte im Artikel Armleuchter (Bd. 1, Sp. 1088–1106) eine säulenhafte Mittelachse und nach allen Seiten ragende Arme als Kennzeichen des Kandelabers ansieht. Auf jeden Fall sind nie Hängeleuchter gemeint. Im englischen und niederländischen Sprachgebrauch ist Girandole eher ein mehrarmiger Wandleuchter, auch als integrierter Bestandteil eines Spiegelrahmens (vgl. z. B. Collins Encyclopedia of Antiques, London 1973 und in der englischen Wikipedia, so neuerdings auch in deutschen, aus dem Englischen übersetzten Lexika). Die deutsche Literatur versteht unter Girandole sonst durchweg die mehrarmigen Tischleuchter des 18. und 19. Jahrhunderts.
  3. Zur Geschichte des Armleuchters im Kunsthandwerk vom Mittelalter zum Barock siehe G. Barthel: Artikel Armleuchter im Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte (Bd. 1, Sp. 1088–1106).
  4. Lichtblicke: Zur Geschichte der künstlichen Helligkeit im 19. Jahrhundert. Hanser, München/Wien 1983, ISBN 3-446-13793-9. Taschenbuch: Fischer-TB 16180, Frankfurt am Main 2004, ISBN 978-3-596-16180-5.
  5. Brockhaus' Konversations-Lexikon, 14., vollständig neubearbeitete Auflage in 16 Bänden. Leipzig, Berlin und Wien 1896, Stichwort „Kandelaber“ (10. Band, S. 89).
  6. Vgl. Armleuchter bei Duden online.
  7. Karl-Dieter Büntig: Deutsches Wörterbuch, Chur/Schweiz, 1996, Stichwort „Armleuchter“ (S. 88, linke Spalte).
  8. Vgl. Armloch bei Duden online.
  9. Karl-Dieter Büntig: Deutsches Wörterbuch, Chur/Schweiz, 1996, Stichwort „Armloch“ (S. 88, mittlere Spalte).

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Armleuchter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Armleuchter – Sammlung von Bildern