Kapuzennatter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kapuzennatter
Systematik
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Überfamilie: Nattern- und Vipernartige (Colubroidea)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Eigentliche Nattern (Colubrinae)
Gattung: Macroprotodon
Art: Kapuzennatter
Wissenschaftlicher Name
Macroprotodon cucullatus
Geoffroy-St. Hillaire, 1827

Die Kapuzennatter (Macroprotodon cucullatus) ist eine Art der Nattern (Colubridae). Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der südlichen Iberischen Halbinsel und den Balearen über Nordafrika bis nach Israel. Sie besitzt im hinteren Bereich des Kiefers Furchenzähne, die mit Giftdrüsen verbunden sind, und wird daher der nicht monophyletischen Gruppe der Trugnattern zugeordnet.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Kapuzennatter ist eine kleine Schlangenart und erreicht eine durchschnittliche Länge von etwa 40 bis 50 cm, große Exemplare können auch über 60 cm lang werden. Die Körperfarbe ist hellgrau, graubraun oder rötlichbraun mit einer Rücken- und Flankenzeichnung aus undeutlichen dunklen Flecken, die auch Streifen bilden können. Im Nacken befindet sich ein auffälliger dunkler Fleck („Kapuzenfleck“), der nach vorn und hinten spitz ausläuft und einen großen Teil des Nackens oder auch des Kopfes einnehmen kann. Von den Nasenlöchern zieht beidseitig ein Schläfenband über die Augen zu den Mundwinkeln. Die Bauchseite ist gelblich-cremeweiß oder auch hellrosa bis rot und besitzt eine dunkle Fleckung. Die Körperschuppen sind glatt, der Körper wirkt daher glatt und glänzend.

Der abgeflachte Kopf ist nur leicht vom Körper abgesetzt. Die kleinen Augen sitzen sehr weit vorn am Kopf und besitzen eine senkrecht-ovale Pupille. Das Schnauzenschild ist breit, aber sehr niedrig ausgebildet und in der Draufsicht kaum sichtbar, ein Zügelschild ist vorhanden. Um die Körpermitte liegen 19 bis 25 Schuppenreihen.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der südlichen Iberischen Halbinsel und den Balearen über Nordafrika bis nach Israel. Dabei werden mehrere Unterarten anerkannt:

  • M. c. ibericus – auf der südlichen Iberischen Halbinsel und den Balearen
  • M. c. brevis – West- und Zentral-Marokko
  • M. c. cucullatus – Zentral- und Süd-Algerien, Tunesien, Nord-Libyen, Nord-Ägypten und Israel
  • M. c. mauritanicus – Ost-Marokko, Nord-Algerien und Nord-Tunesien.

Als Lebensraum besiedeln die Tiere trockene Gelände und Geröllhänge sowie Waldlichtungen im Tief- und Hügelland bis 1.500 m Höhe. Zudem findet man sie in Legesteinmauern und verfallenen Gebäuden, die sie als Unterschlupf nutzen.

Lebensweise[Bearbeiten]

Die Kapuzennatter ist dämmerungs- und nachtaktiv. Sie hält sich vor allem am Boden auf und versteckt sich tagsüber unter Steinen und in Erdbauten sowie in Felsspalten und brüchigem Mauerwerk. Sie hält eine Winterruhe von vier bis sechs Monaten.

Ihr Beutespektrum umfasst vor allem kleine Eidechsen und Geckos. Die gefangenen Tiere hält sie in ihren Kiefern so lang fest, bis das Gift ihrer im hinteren Bereich der Zahnreihen gelegenen Giftzähne wirkt und die Beute lähmt oder tötet.

Die Schlange ist eierlegend, die Gelege bestehen aus 5 bis 7 Eiern. Die Jungschlangen schlüpfen im Spätsommer und beginnen bereits nach der ersten Häutung aktiv mit der Nahrungssuche.

Schlangengift[Bearbeiten]

Kapuzennattern besitzen ein für ihre Beutetiere wirksames Gift, welches sie über die hinterständigen Furchenzähne (opistoglyph) in eine Wunde einbringen können. Die Schlangen können auch Menschen beißen, dabei kommt das für Menschen relativ ungefährliche Gift allerdings in der Regel durch die weit hinten stehenden Giftzähne nicht zum Einsatz. Bissunfälle sind zudem vergleichsweise selten.

Gefährdung[Bearbeiten]

Die Kapuzennatter wird in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet („Least Concern“) eingestuft. Begründet wird dies durch das sehr große Verbreitungsgebiet der Art mit einer angenommenen großen Gesamtpopulation. Zudem ist die Schlange relativ unempfindlich gegenüber Veränderungen des Lebensraumes.[1] Lokal kann diese Art allerdings auch gefährdet sein, vor allem aufgrund einer Intensivierung der Landwirtschaft und einer Zunahme der Urbanisierung. Auf der Insel Lampedusa nimmt die Individuenzahl aufgrund der Entwaldung stark ab, in Ägypten ist ein starker Rückgang aufgrund der zunehmenden Fangzahlen für den internationalen Terraristikhandel sowie einer Zunahme des Tourismus und anderen Faktoren zu verzeichnen.[1]

Belege[Bearbeiten]

Zitierte Belege[Bearbeiten]

  1. a b Macroprotodon cucullatus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2006. Eingestellt von: C. Corti, V.P. Mellado, P. Geniez, S.B. El Din, 2006. Abgerufen am 26. Dezember 2008

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Gruber: Die Schlangen Europas. Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1989; Seite 149–151. ISBN 3-440-05753-4.
  • Axel Kwet: Reptilien und Amphibien Europas. Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 2005; Seite 215. ISBN 3-440-10237-8

Weblinks[Bearbeiten]