Karlmann (Ostfrankenreich)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grab Karlmanns in Altötting

Karlmann, lateinisch Karlomannus rex, (* um 830; † 22. September oder 29. September[1] 880 in Altötting) aus dem Adelsgeschlecht der Karolinger war von 876 bis 880 König von Bayern (Baiern), König des Ostfrankenreiches und von 877 bis 879 König von Italien.

Leben[Bearbeiten]

Karlmann war der älteste Sohn des ostfränkischen Königs Ludwigs II. des Deutschen, und der Hemma, Tochter des Grafen Welf.

Bei der Reichsteilung seines Vaters im Jahre 865 erhielt Karlmann als König Bayern. Bayern bestand damals überwiegend aus dem Stammesgebiet der Bajuwaren. Karlmann übernahm nach Ludwigs Tod als König 876 die Herrschaft in Bayern.

Außerdem trat er 877 die Nachfolge seines Onkels, des westfränkischen Königs Karls des Kahlen, als König von Italien an.

877 gründete er in Altötting ein Chorherrenstift, das durch Schenkungen bald sehr wohlhabend wurde, und erbaute die Stiftskirche.

Die geographische Lage seiner Königspfalz war für Karlmann auch deshalb günstig, weil er auch die italienische Königskrone zugesprochen bekam. Er erkrankte in Verona, wo er sich vorübergehend aufgehalten hatte, schwer und kehrte nach Ötting zurück.

Karlmann verstarb dort an 22. September 880. Er ist in der Stiftskirche Altötting begraben.

Bayern zur Zeit König Karlmanns

In einer nach 900 verfassten Weltchronik Reginos von Prüm, Abt von St. Martin in Trier, wird König Karlmann folgend beschrieben: „Es war aber dieser sehr vortreffliche König in den Wissenschaften wohlunterrichtet, der christlichen Religion ergeben, gerecht, friedliebend und mit aller Ehrbarkeit der Sitten geziert; die Schönheit seines Körpers war außerordentlich und auch die Stärke an ihm bewundernswert; dieser aber entsprach sein Hochsinn. Denn sehr viele Kriege führte er zusammen mit seinem Vater und noch mehr ohne ihn in den Reichen der Slawen, und stets trug er den Triumph des Sieges davon; die Grenzen seines Reiches mehrte und erweiterte er mit dem Schwert; den Seinen zeigte er sich mild, den Feinden furchtbar, im Gespräch leutselig, mit Demut geschmückt, in der Ordnung der Reichsangelegenheiten ungemein tüchtig, so dass ihm durchaus nichts zu fehlen schien, was einer königlichen Majestät zukommt.“ (Regino von Prüm: Weltchronik (900)).

879, als er bereits aus gesundheitlichen Gründen regierungsunfähig war, gab er Italien an seinen Bruder Karl III. den Dicken, der im alemannischen Teilreich herrschte. Nach Karlmanns Tod erhielt sein Bruder Ludwig III. der Jüngere, der in Franken, Sachsen, Thüringen und der Hälfte Lothringens herrschte, Bayern, Karlmanns Sohn Arnulf von Kärnten die Markgrafschaft Kärnten.

Laut hauptsächlich westfränkischer Historiographie[2] entstammte Arnulf einer unehelichen Verbindung zwischen Karlmann und der Liutswind († vor 891) Nach Arnulfs Geburt um 850 heiratete Karlmann (vor 861) eine nicht namentlich bekannte Tochter des Grafen Ernst aus der Familie der Ernste, die nach dem 8. August 879 starb. Allerdings ist nicht völlig auszuschließen, dass es sich bei den beiden Frauen um dieselbe Person handelt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Gerhard Hartmann/Karl Schnith (Hrsg.): Die Kaiser, 1200 Jahre Europäische Geschichte. Graz/Wien/Augsburg 1996. S. 70
  2. Konecny Silvia: Die Frauen des karolingischen Königshauses. Die politische Bedeutung der Ehe und die Stellung der Frau in der fränkischen Herrscherfamilie vom 7. bis zum 10. Jahrhundert. Diss. Wien 1976, S. 139
  3. Konecny, S. 139
Vorgänger Amt Nachfolger
Ludwig der Deutsche König von Bayern
865/876–880
Ludwig III.
Karl der Kahle König von Italien
877–879
Karl III. der Dicke