Theodor Schieffer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Theodor Schieffer (* 11. Juni[1] oder 11. Juli[2] 1910 in Bad Godesberg; † 9. April 1992 ebenda) war ein deutscher Historiker und Mediävist. Er war ordentlicher Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Mainz, später Lehrstuhlinhaber an der Kölner Universität und seit 1952 Präsident der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines Stadtschulrates studierte von 1929 bis 1935 Geschichte, Romanistik und Klassische Philologie in Bonn, Berlin und Paris. In Bonn trat er dem K.St.V. Arminia im KV bei. Anschließend promovierte er 1934 bei Wilhelm Levison über das Thema: „Die päpstlichen Legaten in Frankreich vom Vertrage von Meersen (870) bis zum Schisma von 1130“. 1935 wurde er Mitarbeiter der Monumenta Germaniae Historica. Von Paul Kehr und seinem Nachfolger Edmund E. Stengel wurden ihm die selbstständige Bearbeitung der Diplomata Lothars I., Lothars II., Zwentibolds, Ludwigs des Kindes und der burgundischen Könige übertragen; aus dieser Beschäftigung ging 1942 seine Habilitationsschrift „Das Urkundenwesen der Könige von Burgund“ hervor. Er wechselte in den Archivdienst, da er eine kritische Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus hatte. Um eine beschleunigte Verbeamtung nach dem Ende der Archivarausbildung zu erreichen, beugte sich Schieffer und trat zum 1. Dezember 1939 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer: 7 280 318).[3] 1939 legte er die Archivprüfung ab und wurde Staatsarchivassessor am Geheimen Staatsarchiv, 1942 dort Staatsarchivrat. Nach dem Krieg stand einer Universitätslaufbahn nichts mehr im Wege und so wurde er 1946 zunächst Dozent mit dem Titel eines außerplanmäßigen Professors an der neugegründeten Universität Mainz, 1951 wurde er dort ordentlicher Professor. Einen zwischenzeitlichen Ruf auf den Münchener Lehrstuhl von Rudolf von Heckel lehnte er ab. 1954 wechselte er auf den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Geschichte sowie Geschichtliche Hilfswissenschaften nach Köln. 1952 wählte man ihn zum Präsidenten der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte. Er wurde 1956 Mitglied der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica in München, ebenso 1957 in der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und 1964 dann auch in der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und ebenfalls 1964 als korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften und seit 1969 als ordentliches Mitglied. Seinem eigenen Wunsch entsprechend erhielt Schieffer keine Festschrift.[4] Am 9. April 1992 ist Schieffer in seiner Geburtsstadt Bad Godesberg verstorben. Nach seinem Tod erschien eine kleine von der MGH herausgegebene Gedenkschrift. Sein Sohn Rudolf Schieffer war Präsident der Monumenta Germaniae Historica.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Konrad Fuchs: Schieffer, Theodor. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 16, Bautz, Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4, Sp. 1420–1426.
  2. Mitarbeiterseite bei der Monumenta Germaniae Historica.
  3. Ulrich Pfeil: Eugen Ewig – »Créer un ordre transnational«. Von einem Mittler zwischen Deutschland und Frankreich. In: Ulrich Pfeil (Hrsg.): Das Deutsche Historische Institut Paris und seine Gründungsväter. Ein personengeschichtlicher Ansatz. München 2007, S. 293–322, hier: S. 298.
  4. Rolf Große: Theodor Schieffer. Ein rheinischer Historiker und seine „Begegnung mit der romanisch-französischen Welt“. In: Ulrich Pfeil (Hrsg.): Das Deutsche Historische Institut Paris und seine Gründungsväter. München 2007, S. 119–137, hier: S. 120.