Kastell Vărădia

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Kastell Vărădia
Alternativname Arcidava, Argidava, Arcidaba
Limes Dakischer Limes
Abschnitt A / II-III / 9[A 1]
Datierung (Belegung) traianisch
Typ Kohortenkastell
Einheit cohors I Vindelicorum Civium Romanorum (?)
Größe Rechteckige Anlage mit abgerundeten Ecken,
a) 214 × 132 m (?)
b) 154 × 172 m (= 2,6 ha)
Bauweise a) Holz-Erde-Kastell,
b) Steinkastell
Erhaltungszustand Umwehrung im Gelände sichtbar
Ort Vărădia
Geographische Lage 45° 4′ 45,8″ N, 21° 33′ 4,2″ O45.07939722222221.551161111111Koordinaten: 45° 4′ 45,8″ N, 21° 33′ 4,2″ O
Vorhergehend Kastell Banatska Palanka (südöstlich)
Anschließend Kastell Tibiscum (nordwestlich)
Der Limes in Dakien

Das Kastell Vărădia war ein römisches Hilfstruppenlager und Bestandteil der Festungskette des dakischen Limes (limes Daciae/Provinz Dacia Superior bzw. später Dacia Apulensis) in der Landschaft Banat, Gemeinde Vărădia, Kreis Caraș-Severin, Rumänien.

Die Besatzung des Kastells sicherte die römische Hauptverkehrsstraße Lederata – Tibiscum. Sein Areal ist verhältnismäßig wenig erforscht, Untersuchungen fanden 1901 durch Felix Milleker, 1930 durch Grigore Florescu, von 1985 bis 1990 unter Eugen Iaroslavschi und 1997 bis 2002 unter Ovidiu Bozu und Eduard Nemeth statt. Die Funde aus den hier besprochenen Anlagen befinden sich heute im Institutul de Archäologie in Bukarest, im Narodni Muzej von Vršac (Werschetz) und im Muzeul Judecean Caras Severin in Reșița (Reschitz).

Lage[Bearbeiten]

Das Kastell liegt etwa 200 m südöstlich der Ortschaft Vărădia, direkt an der Einmündung des Vărădiabaches in den Fluss Caras. Die Fundstelle ist auch noch unter den Flurnamen „Cetate“ (= Burg) und „Rovinä“ bekannt. Im Gelände ist die Befestigung heute noch als quadratische Erhebung deutlich erkennbar.

Entwicklung[Bearbeiten]

Argidava (griechisch Ἀργίδαυα) war ursprünglich eine dakische Festungsstadt nahe der Donau, die vom Stamm der Albocenser gegründet worden war.[1] Das Kastell wurde in der Regierungszeit Trajans (101–102 n. Chr.), vermutlich unter dem Namen Arcidava, errichtet. Bei Ptolemäus wird es als Argidava[2], in der Tabula Peutingeriana[3] als Arcidaba erwähnt. Bedingt durch seine geographische Lage, war das Banat für die Römer eines der Haupteingangstore zu den dakischen Provinzen. Eine dieser Verbindungen zum Donaulimes war die am Kastell vorbeiführende Straße nach Tibiscum, die vom mösischen Lederata ihren Ausgang nahm. Beim Bau dieser Straße hielten sich die Römer exakt an die topographischen Gegebenheiten und legten die Trasse an den äußeren Rand des Hügellandes und einer Ebene an.[4]

Kastell und Vicus[Bearbeiten]

Bei den Grabungen im 20. Jahrhundert konnten insgesamt zwei Bauphasen festgestellt werden:

Vom Holz-Erde-Kastell ist bis dato aber nur sein ungefährer Umfang bekannt, 214 × 132 m (?), der sich aber größtenteils mit dem nachfolgenden Steinkastell deckte. Das Steinkastell war von seinen Erbauern in klassischer Manier der frühen und mittleren Kaiserzeit als rechteckige Anlage mit abgerundeten Ecken (Spielkartenform) gestaltet worden. Es bedeckte eine Fläche von 154 × 172 m und war von einem 7,50 m breiten und 2,50 m tiefen Spitzgraben umgeben. Die Wehrmauer war 1,10 m breit und in Opus incertum-Technik hochgezogen worden. Sie wurde von vier Toren durchbrochen, die jeweils durch zwei, leicht nach außen vorspringenden und trapezförmigen Tortürme flankiert wurden. Die Flankentürme des Nordtores, der porta praetoria, maßen 4,65 × 8,40 m, die des Südtores, der porta decumana, 2,80 × 8,50 m und die des Westtores, der Porta principalis sinistra, 3,15 × 8,50 m. Die Durchfahrten der Tore waren rund 8,80 m breit. Von allen Torbauten war nur das an der Nordfront mit zwei Durchgängen, die durch einen Mittelpfeiler (spina) getrennt wurden, ausgestattet.

Von der Innenbebauung konnten nur die Reste des Stabsquartieres, die sog. principia, und von zwei Lagerstraßen, der in der retentura (Vorlager) von N nach S verlaufenden via praetoria (9 m breit) und der sich von W nach O erstreckenden via principalis (3,45 m breit) beobachtet werden. Die Principia hatten einen rechteckigen Grundriss und maßen 32,50 × 37,50 m. Sie waren mit einem Innenhof (Atrium, 18,60 × 30 m) und einer Vorhalle (Basilica, 9,50 × 30 m) ausgestattet. Das Fahnenheiligtum (sacellum) befand sich auf der Rückseite des Gebäudes und war an beiden Seiten durch zwei kleinere Kammern flankiert.[5]

Im Umfeld des Kastell's konnten auch Spuren eines ausgedehnten Lagerdorfes (vicus) nachgewiesen werden.

Garnison[Bearbeiten]

Welche Einheit die Besatzung des Kastell gestellt hat, ist unbekannt; aufgrund des Fundes eines bronzenen Täfelchens[6] vermutet man, dass hier die raetische cohors prima Vindelicorum Civium Romanorum (die erste Kohorte der Vindeliker, mit römischen Bürgerrecht) eventuell bis 106 oder 111/118 stationiert war, bevor sie nach Tibiscum verlegt wurde.[7]

Limesverlauf (Straßenposten) zwischen Kastell Vărădia und Kastell Mehadia[Bearbeiten]

Die Besatzungen der nachfolgend angeführten Kastelle hatten vorrangig wohl ebenfalls die Straßenverbindung Lederata - Tibiscum zu überwachen.

Name[A 2] Beschreibung/Zustand Abbildung
Kastell von Vrsac Das Kastellareal liegt auf dem Gebiet der Stadt Vrsac, autonome Provinz Vojvodina, in Serbien.

Seine Überreste befinden sich direkt unter dem Zentralpark, Flurnamen „Cetate“ oder „Dealul Cetäcii“. Wissenschaftliche Ausgrabungen wurden bislang nicht vorgenommen. Vermutlich handelte es sich um ein Legions- und Auxiliarkastell, aufgrund einiger Kleinfunde wird angenommen, dass es im 2. Jahrhundert n. Chr. gegründet wurde. Einige Ziegelstempel und Inschriftenfunde lassen auf die Anwesenheit von Soldaten der Legio IIII Flavia Felix, der Legio VII Claudia, der Legio XIII Gemina und zweier Hilfstruppenkontingente: der cohors II Hispanorum sowie einer Reitereinheit, der ala I Tungrorum Frontiana, schließen.[8]

Ziegelstempel der Legio VII Claudia aus Vrsac
Kastell Surducul Mare Das Kastell liegt rund 1,5 km südlich des Dorfes Surducul Mare, auf einer Niederterrasse östlich des Bachlaufes der Ciornovet, Gemeinde Forotic, Kreis Caras-Severin auf rumänischen Staatsgebiet.

Sein Areal ist auch unter seinen Flurnamen „Rovinä“ und „Progadie“ bekannt. Der Ort wird in der Tabula Peutingeriana als Centum Putei geführt.[9] Die Überreste der Umwehrung sind noch als leichte Geländeerhöhung zu erkennen. Der Fundplatz wurde bisher nur wenig erforscht, von 1964 bis 1968 führte Dumitru Protase einige Untersuchungen durch. Das Kastell stammt aus der Okkupationszeit im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. und scheint um 118 n. Chr. wieder aufgegeben worden zu sein, da auch nur eine Bauphase festgestellt werden konnte. Es wurde in Holz-Erde-Technik errichtet und hatte einen quadratischen 128 × 132 m messenden Grundriss mit abgerundeten Ecken. Die Umwehrung bestand aus einem Doppelwall, der jeweils von einem bzw. zwei Spitzgräben umgeben war.

  • Wall I: 15 m breit und 1,10 m hoch,
    • Graben: 3,20 m breit und 1,50 m tief,
  • Wall II: 15 m–17 m breit und 0,50 m hoch,
    • Graben 1: 4 m breit, 0,70 m tief,
    • Graben 2: 2 m breit, 0,50 m tief.

Wahrscheinlich wurde das Lager von Angehörigen der Legio IIII Flavia Felix erbaut, wie die Funde von Ziegelstempeln dieser Legion vermuten lassen.[10]

Lageskizze des Kastells
Kastell Berzovia Das Kastell liegt heute direkt unter dem Zentrum des Dorfes Berzovia, auf einer vor Hochwasser geschützten Terrasse am Ufer der Brzava, im Kreis Caras-Severin auf rumänischen Staatsgebiet.

Sein Areal ist unter dem Flurnamen „Jidovin“ bekannt, die Umwehrung ist noch deutlich erkennbar. Der Ort wird in der Tabula Peutingeriana als Bersobis erwähnt.[11] Der Fundplatz wurde im 20. Jahrhundert in zwei Grabungskampagnen untersucht: 1960 bis 1964 durch Dumitru Protase und Volker Wollmann, 1968 bis 1970 durch Marius Moga, Flores Medelec und Richard Petrovsky. Das einphasige und 410 × 490 m große Holz-Erde-Kastell stammt aus trajanischer Zeit und wurde nach 114 wieder aufgegeben. Die Besatzung stellte die Legio IIII Flavia Felix, die durch mehrere Ziegelstempel bezeugt ist.[12]

1783 entdeckte Johann Georg Hoffinger in unmittelbarer Nähe des Lagers ein antikes Gebäude mit mehreren durch Hypokausten beheizbaren Räumen. Der größte von ihnen verfügte über eine Apsis und ein stufenförmiges Becken, vermutlich die Überreste der Kastelltherme (balineum) .[13]

Ziegelstempel der Legio IIII Flavia Felix aus Berzovia
Lage- und Befundplan der Therme, Zeichnung von J. G. Hoffinger aus dem Jahr 1783
Kastell Färliug Seine Überreste liegen nördlich des Dorfes Färliug, Kreis Caras-Severin, auf rumänischen Staatsgebiet.

Vermutlich ebenfalls ein Holz-Erde-Kastell aus dem frühen 2. Jahrhundert n. Chr. In der Antike war der Ort als Aizizis bekannt. Der Fundplatz ist zur Gänze unerforscht. Die Reste der Umwehrung (110 × 30 m) sind noch als leichte Erhebung im Gelände zu erkennen und bildete ein unregelmäßiges Rechteck mit nordsüdlichen Langseiten, das grob nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet war. Am Westwall ist noch eine Toröffnung zu erkennen. Die hier stationierte Besatzungseinheit ist nicht bekannt.[14]

Lageskizze des Kastells

Denkmalschutz[Bearbeiten]

  • Rumänien: Die gesamte archäologische Stätte und im Speziellen das Kastell stehen nach dem 2001 verabschiedeten Gesetz Nr. 422/2001 als historische Denkmäler unter Schutz und sind in der nationalen Liste der historischen Monumente (Lista Monumentelor Istorice) eingetragen.[15] Zuständig ist das Ministerium für Kultur und nationales Erbe (Ministerul Culturii şi Patrimoniului Naţional), insbesondere das Generaldirektorat für nationales Kulturerbe, die Abteilung für bildende Kunst sowie die Nationale Kommission für historische Denkmäler sowie weitere, dem Ministerium untergeordnete Institutionen. Ungenehmigte Ausgrabungen sowie die Ausfuhr von antiken Gegenständen sind in Rumänien verboten.
  • Serbien: Der Schutz archäologischer Objekte und Zonen genießt oberste Priorität und wird durch das 1994 definierte Denkmalschutzgesetz (Amtsblatt SG RS, 71/94) mit seinen nachfolgenden Änderungen und Zusätzen sowie durch spezielle Erlasse geregelt. Zuständig ist das zum Ministerium für Kultur gehörende serbische Denkmalamt in Belgrad. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind erlaubnispflichtig. Die Beschädigung und Zerstörung von archäologischen Fundobjekten und Fundplätzen ist innerhalb von 24 Stunden den Behörden zu melden. Ohne Rücksprache mit dem serbischen Denkmalamt dürfen keine Antiken außer Landes gebracht werden. Vergehen werden als kriminelle Handlungen im Sinne der serbischen Gesetzgebung bestraft. Bei der Einreise in die Europäische Union ist mit Überprüfungen zu rechnen.[16]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nicolae Gudea: Der Dakische Limes. Materialien zu seiner Geschichte. In: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. 44, 2 (1997), S. 27–28. PDF.
  • Doina Benea: Die wirtschaftliche Tätigkeit in den dörflichen Niederlassungen zwischen Theiss, Marosch und Donau. In: Studia Antiqua et Archaeologica 9 (2003), S. 299–318 PDF.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Nicolae Gudea: Limesul Daciei romanc de la Traianus la Aurelianus. In: Acta Musei Porolissensis 1 (1977), S. 109.
  • Nicolae Gudea: Der Limes Dakiens und die Verteidigung der obermoesischen Donaulinie von Trajan bis Aurelian. In: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. Teil II, Band 6. de Gruyter, Berlin, New York 1977, ISBN 3-11-006735-8, S. 871 (Liste der Militärlager).
  • Felix Milleker: Délmagyarország régiségleletei a honfoglalás előtti idökböl. (Die archäologischen Funde Südungarns vor der Landnahmezeit.) Temeschburg 1899, S. 245.
  • Felix Milleker: Geschichte der koeniglichen Freistadt Werschetz, Band 1, Budapest 1886, S. 16–17.
  • Vasile Christescu: Istoria militara a Daciei romane. (Militärgeschichte Dakiens zur Römerzeit), Fundatia Regele Carol I, Bukarest 1937, S. 137–140.
  • Alexandru Borza: Banatul ín timpul Romanilor, Monografii despre raporturile dintre Italieni şi Români, (Das Banat zur Römerzeit), Varzi, Timişoara 1943, S. 63–64.
  • Grigore Florescu: Revue roumaine d’archéologie et d’histoire ancienne, Istros I, Bukarest 1934.
  • Walter F. Wagner: Die Dislokation der römischen Auxiliarformationen in den Provinzen Noricum, Pannonien, Moesien und Dakien von Augustus bis Gallienus. Junker & Dünnhaupt, Berlin 1938. S. 198, S. 124–126, 208–209.
  • Dumitru Tudor: Tabula Imperii Romani: Bucarest. Drobeta-Romula-Sucidava. Académie de la République Socialiste de Roumanie, Bukarest 1969 (Teile der Blätter K-34, K-35, L-34, L-35), hier: TIR L 34, S. 48–51.
  • Milutin V. Garašanin, Draga Garašanin: Archäologische (vorgeschichtliche) Funde in Serbien, Belgrad, 1951, S. 217–218.
  • Dumitru Protase: Castrul roman de la Orheiul - le camp romain, in: Studii şi cercetări de istorie veche. Academia Republicii Populare Romîne, 18 (1967), S. 67 ff.
  • Gábor Teglas: Tanulmányok a rómaiak daciai aranybányászatáról, in: Pest.-Magyar Tudományos Akadémia. Értekezések a történettudományi osztály köréből, köt. 14, Budapest 1897, S. 28–32.
  • Eduard Nemeth, Aurel Rustoiu, Horea Pop: Limes Dacicus Occidentalis, die Befestigungen im Westen Dakiens vor und nach der römischen Eroberung, Cluj-Napoca, Editura Mega, 2005, ISBN 9737867335
  • Ovidiu Bozu: Catalogul pieselor romane di daco-romane din colectia Muzeului Banatului Montan, Catalogue of the roman and dacian-roman age collection of the Mountainous Banat Museum, 2008.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Strecke/Abschnitt/Kastellnummer (nach N. Gudea, 1997).
  2. Aufzählung erfolgt von SO nach NW.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grumeza, Ion: Dacia. Land of Transylvania, Cornerstone of Ancient Eastern Europe. Hamilton Books, Lanham 2009, ISBN 978-0761844655, S. 13.
  2. Geographia, 3, 8, 4.
  3. Segmentum IV, 14.
  4. Benea 2003, S. 300.
  5. Nicolae Gudea: 1997, S. 26.
  6. AE 1935, 109 = Inscriptiones Daciae Romanae III 1, 110 a: coh(ortis) I/Vindelico(rum)/Iuli Mar/tialis/ |(centuria) Clemen(tis).
  7. Gudea 1997, S. 27.
  8. Gudea 1997, S. 28.
  9. Tabula Peutingeriana VII, 3.
  10. Gudea 1997, S. 28.
  11. Tabula Peutingeriana VII, 3.
  12. Gudea 1997, S. 29–30.
  13. Florin Medelet: Contributii la istoria inceputurilor Muzeuli din Resita, In: Banatica 15, 2000, S. 14.
  14. Gudea 1997, S. 30.
  15. Liste der historischen Monumente auf den Internetseiten des Ministeriums für Kultur und nationales Erbe
  16. Die amtlichen Vorschriften auf den Internetseiten des serbischen Amtes für Denkmalschutz (in serbischer Sprache).