Katzenwelse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Katzenwelse
Schwarzer Zwergwels (Ameiurus melas)

Schwarzer Zwergwels (Ameiurus melas)

Systematik
Überkohorte: Clupeocephala
Kohorte: Otomorpha
Unterkohorte: Ostariophysi
Otophysa
Ordnung: Welsartige (Siluriformes)
Familie: Katzenwelse
Wissenschaftlicher Name
Ictaluridae
Gill, 1861

Die Katzenwelse (Ictaluridae (Gr.: „ichthys “ = Fisch; „ailouros“ = Katze)), auch Zwergwelse genannt, sind eine Familie in Nordamerika, vom südlichen Kanada bis Guatemala heimischer Welse. Sie sind mit 50 Arten die größte in Nordamerika endemische Familie von Süßwasserfischen. Ursprünglich kamen sie nur östlich der Rocky Mountains vor, wurden vom Menschen aber auch in die westlichen US-Staaten und weiteren Ländern auch auf anderen Kontinenten verbreitet. Der Katzenwels (Ameiurus nebulosus) wurde in West-, Mittel- und Osteuropa, der Getüpfelte Gabelwels (Ictalurus punctatus) in Südostengland und der Schwarze Zwergwels (Ameiurus melas) in Mittel- und Süditalien eingeführt [1].

Merkmale[Bearbeiten]

Katzenwelse sind schuppenlos und besitzen gestreckte, im Vorderteil im Querschnitt fast runde und nach hinten zunehmend seitlich abflachende Körper. Die größten Arten Ictalurus furcatus und Pylodictis olivaris können eine Maximallänge von 1,6 Meter erreichen und 60 kg schwer werden. Arten der Gattung Noturus werden dagegen nur 6 bis 30 Zentimeter lang. Die Köpfe sind groß und breit. Katzenwelse tragen immer acht Barteln um das Maul, das längste Bartelpaar auf dem Oberkiefer, ein am hinteren Nasenloch und zwei unterhalb des Unterkiefers. Kiefer und Gaumenbein sind bezahnt. Eine Fettflosse ist vorhanden, klein und fähnchenartig oder langgestreckt und saumartig. Rücken- (nicht bei Prietella) und Brustflosse verfügen über einen sehr starken Stachelstrahl, der mit Haut überzogen ist, mit Giftdrüsen in Verbindung steht und in abgespreizter Stellung arretiert werden kann. Die Rückenflosse hat üblicherweise sechs Weichstrahlen. Die Afterflosse ist lang. Das Gaumenbein ist zahnlos (nicht bei der ausgestorbenen Gattung Astephus).

Aus Höhlengewässern in Texas und dem nordöstlichen Mexiko sind vier blinde, pigmentlose Arten bekannt (Gattungen Prietella, Trogloglanis und Satan). Satan eurystomus lebt in einer artesischen Quelle bei San Antonio in Texas in einer Tiefe von 380 Metern.

Lebensweise[Bearbeiten]

Katzenwelse sind nachtaktive Raubfische, die ihre Beute auf dem Gewässerboden erjagen. Sie fressen Schnecken, Würmer, Insekten, Krebstiere, Fischlaich und kleine Fische. Sie betreiben Brutpflege. Das Männchen oder beide Elternteile bewachen die Eier (je nach Art 45 bis 300), die als Klumpen oder Schnur zusammenhalten, und die kaulquappenähnlichen Larven.

Äußere Systematik[Bearbeiten]

Innerhalb der Ordnung der Welsartigen (Siluriformes) sind die Katzenwelse am nächsten mit den ostasiatischen Panzerkopfwelsen (Cranoglanididae) verwandt und bilden mit diesen die Überfamilie Ictaluroidea [2].

Innere Systematik[Bearbeiten]

Es gibt 50 rezente Arten in sieben Gattungen, von denen drei monotypisch sind.

Weißer Katzenwels (Ameiurus catus)
Getüpfelter Gabelwels (Ictalurus punctatus)
Steinwels (Noturus gyrinus)
Flachkopfwels (Pylodictis olivaris)

Phylogenie[Bearbeiten]

Die Verwandtschaft der einzelnen Gattungen zueinander verdeutlicht das folgende Kladogramm [3]:

Katzenwelse 

 † Astephus


     

 Ictalurus


     

 Trogloglanis


     

 Ameiurus


     


 Noturus


     

 Prietella



     

 Pylodictis


     

 Satan







Stammesgeschichte[Bearbeiten]

Katzenwelse sind fossil durch die ausgestorbene Gattung Astephus aus dem Eozän und durch mehrere ausgestorbene Arten von Ameiurus aus dem Oligozän und dem Neogen bekannt [4].

Nutzung[Bearbeiten]

Katzenwelse in einem Fischteich in Mexiko.

Katzenwelse werden wie Forellen in Teichen kommerziell gezüchtet. Der Braune Katzenwels oder Zwergwels (Ameiurus nebulosus) und der Schwarze Katzenwels (Ameiurus melas) wurden als Speisefisch auch in Europa, der Türkei und anderen Ländern in Asien ausgesetzt und haben sich dort vielerorts etabliert und ausgebreitet. Sie sind verhältnismäßig anspruchslos und unempfindlich gegen anthropogene Umweltveränderungen. In Mitteleuropa bleiben sie jedoch in der Regel kleiner als in Nordamerika und sind daher hier fischwirtschaftlich unbedeutend. In den Vereinigten Staaten hat sich das Fischen von Katzenwelsen mit der bloßen Hand, das so genannte noodling, zu einem Sport entwickelt.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fritz Terofal: Steinbachs Naturführer, Süßwasserfische. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-80014-296-1
  2. JP Sullivan, Lundberg JG; Hardman M: A phylogenetic analysis of the major groups of catfishes (Teleostei: Siluriformes) using rag1 and rag2 nuclear gene sequences. In: Mol Phylogenet Evol.. 41, Nr. 3, 2006, S. 636–62. doi:10.1016/j.ympev.2006.05.044.
  3. Larry Page, John G. Lundberg: Ictaluridae. North American Freshwater Catfishes, Bullhead Catfishes. In: The Tree of Life Web Project. 2007 (englisch)
  4. Karl Albert Frickhinger: Fossilien Atlas Fische, Mergus-Verlag, Melle, 1999, ISBN 3-88244-018-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Katzenwelse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien