Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung ist ein vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) anerkannter Ausbildungsberuf. Am 1. August 2004 wurde die Berufsbezeichnung Speditionskaufmann/-frau durch die Bezeichnung Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung ersetzt, um die Entwicklungen in der Logistikbranche aufzugreifen. In Österreich gibt es für den Bereich zwei getrennte Lehrberufe, die offiziellen Bezeichnungen lauten Speditionskaufmann und Speditionslogistiker.

Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung sind die Architekten des Transportwesens. Sie organisieren den Versand, den Umschlag sowie die Lagerung von Gütern und verkaufen Verkehrs- sowie logistische Dienstleistungen, egal mit welchem Verkehrsmittel (Lkw, Flugzeug, Schiff oder Bahn).

Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung werden vor allem von Speditionen und Unternehmen im Bereich Umschlag und Lagerwirtschaft beschäftigt. Außerdem arbeiten sie in Unternehmen, die in der Güterbeförderung im Straßen- oder Eisenbahnverkehr oder in der Schifffahrt aktiv sind, sowie bei Frachtfluggesellschaften oder Paket- und Kurierdiensten.

Aufgaben[Bearbeiten]

Zu den Aufgabengebieten gehören die klassischen speditionellen Tätigkeiten der Beratung und Organisation der Transport-, Umschlags-, und Lagerprozesse (TUL-Prozess) unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen, terminlichen und organisatorischen Aspekte. Ergänzt wurden im neuen Berufsbild die prozessorientierte Sichtweise (Geschäftsprozessorientierung) sowie die zusätzlichen Schwerpunkte Gefahrgut und Logistik.

Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung…

  • planen und organisieren den Güterversand, den Umschlag und die Lagerung und weitere logistische Leistungen unter Beachtung einschlägiger Rechtsvorschriften und der Belange des Umweltschutzes,
  • steuern und überwachen das Zusammenwirken der an Logistikketten beteiligten Personen und Einrichtungen,
  • nutzen Möglichkeiten der Zusammenfassung von Sendungen zu größeren Ladeeinheiten,
  • besorgen den Versicherungsschutz,
  • berücksichtigen Zoll- und außenwirtschaftliche Bestimmungen,
  • nutzen Informations- und Kommunikationstechnologien,
  • beschaffen Informationen und stellen sie zur Verfügung,
  • korrespondieren und kommunizieren mit ausländischen Geschäftspartnern und Kunden in englischer Sprache und bearbeiten englischsprachige Dokumente,
  • ermitteln Kundenwünsche, beraten und betreuen Kunden,
  • ermitteln und bewerten Leistungsangebote auf dem Transport- und Logistikmarkt,
  • kalkulieren Preise,
  • erarbeiten Angebote und bereiten Verträge vor,
  • bearbeiten Kundenreklamationen und Schadenmeldungen und veranlassen Schadenregulierungen,
  • führen Zahlungsvorgänge und Vorgänge des Mahnwesens durch,
  • wirken bei der Ermittlung von Kosten und Erträgen sowie der kaufmännischen Steuerung mit,
  • beobachten den Markt und wirken an der Weiterentwicklung des Leistungsangebots ihres Unternehmens mit, wirken beim Aufbau von Netzwerken zur Zusammenfassung, Beförderung und Auslieferung von Ladungen mit,
  • arbeiten bei der Entwicklung von Logistikkonzepten mit.
  • entwickelt neue Transportrouten
  • Weiterbildung

Ausbildung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Die in der Regel dreijährige duale Ausbildung wird in Industrie und Handel angeboten und ist ein nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) anerkannter Beruf. Eine bestimmte Schulbildung ist laut Gesetz nicht vorgeschrieben.

Seit Inkrafttreten der Verordnung über die Berufsausbildung zum Kaufmann/zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung wird besonderer Wert auf moderne speditionelle und logistische Dienstleistungen sowie auf Informationstechnik, Sicherheit im Güterverkehr und die englische Sprache gelegt.[1]

Österreich[Bearbeiten]

Speditionskaufmann und Speditionslogistiker sind in Österreich zwei eng verwandte aber getrennte Lehr-Ausbildungen. Die Ausbildungsinhalte decken sich mit den oben beschriebenen Aufgaben und Tätigkeiten. Der Ausbildungsschwerpunkt liegt beim Speditionskaufmann mehr auf dem verwaltungstechnischen und kaufmännischen Bereich (wie Kostenrechnung, Angebote, Zollpapiere).[2] Speditionslogistiker werden gezielter für Logistikmanagement, Lagerbewirtschaftung, Kalkulation und Kundenberatung ausgebildet.[3]

Lehrlinge beider Berufe absolvieren in Österreich eine dreijährige duale Ausbildung und legen am Ende die Lehrabschlussprüfung ab. Diese Prüfung gilt gleichzeitig jeweils auch als Abschluss für die Lehre zum Bürokaufmann. Verwandte Lehrberufe mit ähnlichen Aufgabengebieten können mit verkürzter Lehrzeit absolviert werden.

Mit einer nachfolgenden Befähigungsprüfung können Speditionskaufleute und -logistiker selbstständig im Bereich des reglementierten Gewerbes der Spediteure und der Transportagenten tätig werden.[4]

siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Engl: Beschäftigungskompass Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistungen.Beschäftigungsmöglichkeiten und Alternativen. Edition Aumann 2012. 203 Seiten. ISBN 978-3-942230-02-5.

Quellen[Bearbeiten]

Deutschland:

Österreich:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausbildungverordnung Deutschland (PDF; 89 kB) gültig seit August 2004
  2. Ausbildungsverordnung Speditionskaufmann (PDF; 218 kB) des österreichischen Wirtschaftsministeriums, gültig seit 2004
  3. Ausbildungsverordnung Speditionslogistiker (PDF; 234 kB) des österreichischen Wirtschaftsministeriums, gültig seit 2004
  4. Spediteure und Transportagenten-Verordnung des österreichischen Wirtschaftsministeriums gültig seit 2003