Kieselsol

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Kieselsol ist eine wässrige kolloidale Suspension von nahezu kugelförmigen Polykieselsäure-Molekülen mit 30 % bis maximal 60 % Siliciumdioxid. Das Wort setzt sich aus Kiesel für Kieselsäuren und Sol, einem Synonym von Kolloid, zusammen. Nach Römpp Lexikon Chemie lässt sie sich jahrelang unverändert lagern,[1] nach Holleman-Wiberg verknüpfen sich die Kieselsäurekugeln über Sauerstoffbrücken zu einer amorphen Kieselsäure (Kieselgel).[2]

Flussdiagramm der Herstellungsverfahren

Kieselsol kann durch Ionenaustausch aus Wasserglas, per Hydrolyse und Kondensation aus Silicium, durch direkte Oxidation von Silicium oder durch Mahlen und Peptisation von Siliciumdioxid (meist fumed silica) gewonnen werden.[3] Aus Wasserglas gewonnenes Kieselsol wird mit einem geringen Anteil Alkalien, z.B. mit Natriumhydroxid (Molverhältnis SiO2:NaOH ca. 100:2) stabilisiert.[1]

Das Siliciumdioxid liegt in Form von untereinander unvernetzten, kugelförmigen Einzelpartikeln vor, die an der Oberfläche hydroxyliert sind. Die Größe der Partikel liegt im kolloiden Bereich und beträgt je nach Typ 5–75 nm.

Es wurde Mitte des 20. Jahrhunderts als Ersatzstoff für Tannine für das Schönen von Wein zugelassen.[4] In der Önologie wird es vor allem zur Gerbstoff-Korrektur, sowie zum Entfernen anderer Schönungsmittel wie zum Beispiel Bentonit, Aktivkohle oder Kupfersulfat nach deren Reaktion meist in Kombination mit Gelatine oder anderen Eiweißstoffen (Eiklar, Hausenblase und Kasein) eingesetzt. Kieselsol ist in der Lage Schleimstoffe, die im Wein trubstabilisierend wirken, zu binden. Diese Bindung erfolgt durch Ionenaustausch zwischen dem Kieselsol und den Schleimstoffen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kieselsol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 27. Mai 2014.
  2.  Arnold F. Holleman, Nils Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102., stark umgearb. u. verb. Auflage. de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 960.
  3.  H. Lim, J. Lee, J. Jeong, S. Oh und S. Lee: Comparative Study of Various Preparation Methods of Colloidal Silica. In: Scientific Research Publishing (Hrsg.): Engineering. 2, Nr. 12, 2010, S. 998-1005, doi:10.4236/eng.2010.212126.
  4. Otto-Albrecht Neumüller (Herausgeber): Römpps Chemie Lexikon, Frank'sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1983, 8. Auflage, S. 2109, ISBN 3-440-04513-7.