Kirchweihtraditionen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (bspw. Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Hilf bitte der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Die Kirchweih – zu deren dialektalen Bezeichnungen siehe dort – ist gespickt mit Traditionen und Ritualen, die oft einen historischen Hintergrund haben. Da aber diese häufig aus schlechteren Zeiten stammen, werden sie heute oft nur noch zur Belustigung der Kirchweihgesellschaft abgehalten. Wie am Beispiel der Kärwasau (Kirchweihschwein), die damals echt war und zur Feier auch tatsächlich geschlachtet wurde, schön zu sehen ist.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kärwasau

„Kärwasau“ ist ein fränkischer Ausdruck für Kirchweihschwein. Hauptsächlich findet sich diese Tradition in den ländlichen Gegenden Mittelfrankens. „Kärwasau“ war früher derjenige der „Kärwabuam“ (Kirchweihbuben), der über die gesamte Kirchweih gesehen am meisten Bier vertragen hatte bzw. am betrunkensten war. Heute wird die „Kärwasau“ oft gewählt, bzw. es melden sich auch Freiwillige unter den Kirchweihbuben, weil es für dieses „Amt“ mancherorts eine Prämie gibt. Die „Kärwasau“ wird traditionell am Kirchweih-Montag im Bierzelt unter den Augen der Dorfbewohner „geschlachtet“. Dabei wird der „Erwählte“ von seinen Kollegen in einem Trog vom Festplatz in das Bierzelt getragen und in die Mitte des Bierzelts durch den Dorfmetzger „geschlachtet“. Der Metzger wirft dabei zur allgemeinen Belustigung echte Schweineohren und Ringelschwänzchen in die Menge, während sich die „Kärwasau“ im mit Wasser gefüllten Trog windet und sich scheinbar gegen das „Schlachten“ wehrt. Wer zu nah am Trog steht, muss damit rechnen, nach der Zeremonie triefend nass nach Hause zu kommen.

[Bearbeiten] Kirwabärtreiben

In vielen Orten der Oberpfalz, insbesondere im Landkreis Amberg-Sulzbach, gibt es immer am Kirchweih-Montag das Kirwabärentreiben. Während des Kirchweihfestes küren die Kirwaburschen aus ihrer Mitte denjenigen, der sich am Montag als Bär verkleidet und durch das Dorf zieht. Im Gefolge hat der wilde Kirwabär seinen Treiber, der ihn zähmen soll. Dahinter folgen die gesamte Kirchweihgesellschaft und die Musikanten. Der Bär zieht von Haus zu Haus, tanzt mit der Hausherrin und verweilt für diverse leibliche Stärkungen. Besonders beliebt und gefürchtet zugleich ist der Kirwabär bei den Kindern. Sie kommen oft in großer Schar, um das Bärentreiben mitzuerleben. Besonders augenscheinlich ist das Kirwabärtreiben in Etsdorf im Landkreis Amberg-Sulzbach, immer am zweiten Montag im September.

An anderen Orten verlangt der Kirwabär Wegezoll von vorbeikommenden Autofahrern. Wer dem Kirwabären in die Hände fällt, wird mit Schmier, einem Gemisch aus Fett und Ruß, geschwärzt. Tradition ist es, dass besonders junge Männer den Kirwabären auf offener Straße zu einem Ringkampf herausfordern.

[Bearbeiten] Weitere Kirchweihtraditionen

Das „Kärwatüchla“ (hochdeutsch Kirchweihtuch) ist ebenfalls ein fränkischer Ausdruck. Traditionell trägt jeder Kirchweihbub ein weißes Hemd mit einem roten Tuch. Am Kirchweih-Montag um Mitternacht, wenn die Kirchweih offiziell zu Ende geht, nimmt jeder der Buben das Mädchen seines Herzens und bindet unter den Augen der Dorfbewohner dem Mädchen das Tuch um, das dann als Belohnung noch einen Kuss bekommt.

Diese Tradition wird in manchen Gebieten Frankens sehr ernst genommen. So ist es mancherorts den Kirchweihburschen untersagt, sich während der Kirchweih ohne umgebundenes „Kärwatüchla“ in der Öffentlichkeit zu zeigen.

[Bearbeiten] Kerwasbaamschäln

In der Nacht nach dem Baumaufstellen muss der Baum eine Nacht lang bewacht werden, da er sonst von rivalisierenden Burschen aus anderen Orten geschält werden könnte. Dies ist dann eine der größten Schanden, die über einen Kerwasburschen kommen kann. Die Dauer des Baumbewachens dauerte in der Vergangenheit meist bis Sonnenaufgang; heute hat man sich in den meisten Regionen darauf geeinigt, dass der Baum nach 6 Uhr morgens nicht mehr geschält werden darf.

[Bearbeiten] Die Kerweschlumpel

Kerweschlumpel, Kerwe 2001 in Heidelberg-Rohrbach

In der Kurpfalz und den umliegenden Gemeinden erfreut sich der „Kerweschlumpel“-Brauch einer ungebrochenen Beliebtheit. Meist wird die Kerwe (Kirchweih) durch den feierlichen Einzug der Kerweschlumpel, einer Strohpuppe in Frauenkleidern, eröffnet. Die Kerweschlumpel wird meist hofiert durch die jungen Männer der Dorfgemeinschaft, die mit ihr zum Beispiel das Tanzbein schwingen oder „Reitschul“ (Fahrgeschäft) fahren. Auch das ein oder andere Bier wird zu Ehren der Kerweschlumpel getrunken. Die Kerwe findet ihr trauriges Ende durch die Verbrennung der Kerweschlumpel, zu deren Gelegenheit der „Kerwepfarrer“ eine ergreifende Grabrede hält.

[Bearbeiten] Die Kirtahutschn

Traditionell in Oberbayern eine große Längsschaukel für bis zu 15 Personen. Als Sitzgelegenheit diente vornehmlich eine Leiter oder ein Baumstamm. Befestigt wurde die Hutschn mittels dicker Seile oder Ketten an den Querbalken eines Bauernstadels.

Knieküchle

[Bearbeiten] Kirchweih-Essen

In Altbayern gibt es zu Kirchweih traditionell Gänse- oder Entenbraten, meist mit Kartoffelknödeln und Blaukraut. An Kirchweih werden in Bayern, abgesehen von Weihnachten, die meisten Enten und Gänse konsumiert. Außerdem werden traditionell Kirchweihnudeln gebacken, ein rundes Hefegebäck mit Zucker, das schwimmend in Butterschmalz ausgebacken wird. Diese werden auch als „Auszogne“, „Schtreubla“ oder „Küchla“ bezeichnet, da sie auseinandergezogen werden und einen dicken, weichen Rand und eine knusprige Mitte haben. Es gibt aber auch andere, runde Formen, die an Krapfen erinnern. Im Coburger Land gibt es traditionell „Merch mit Klößn“ also Rindfleischbratenscheiben mit Coburger Klößen und Meerrettichsoße.

[Bearbeiten] Vogelsuppe

Eine Besonderheit im Hersbrucker Land wird ausschließlich am Donnerstag vor einer Kirchweih serviert: die Vogelsuppe. Allerdings befindet sich kein einziger Vogel in der Suppe. Ihre genaue Zusammensetzung (Innereien und gekochtes Rindfleisch) ist ein Geheimnis des jeweiligen Wirts, sie schmeckt auch je nach Gastwirtschaft ein bisschen anders. Meistens sind jedenfalls Innereien ein Bestandteil dieser wohlschmeckenden Spezialität, die häufig mit Semmel- oder Leberknödel serviert wird. Der Name stammt ursprünglich vom Gasthof Vogel (in Pommelsbrunn), in dem der Gastwirt Vogel an Schlachttagen diese Suppe servierte.

[Bearbeiten] Weiterführende Literatur

  • Schweizerisches Idiotikon Band XV Spalten 1051–1086, wo umfassende Information zum historischen und gegenwärtigen Brauchtum in der Deutschschweiz (Wortartikel Chilch-Wīhi sowie alle Zusammensetzungen mit diesem Kompositum im Zweitglied).
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge