Kissinger Diktat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Kissinger Diktat bezeichnet ein von Otto von Bismarck am 15. Juni 1877 in Bad Kissingen diktiertes diplomatisches Aktenstück zur Balkankrise 1875–1878, das wichtige Grundzüge seiner außenpolitischen Konzeption enthielt.

Bismarck – durch die drohende Gefahr einer antideutschen Koalition beunruhigt („Albtraum der Koalitionen“ oder französisch cauchemar des coalitions) – entwarf das Idealbild „nicht ... irgendeines Ländererwerbs, sondern das einer politischen Gesamtsituation, in welcher alle Mächte außer Frankreich unser bedürfen, und von Koalitionen gegen uns durch ihre Beziehungen zueinander nach Möglichkeit abgehalten werden“.

Das Kissinger Diktat konzipierte das im Bündnissystem Bismarcks verwirklichte Programm seiner Diplomatie, die aus einer gewissen realistischen Einsicht in das internationale Kräfteverhältnis um die Sicherung der außenpolitischen Stellung des preußisch-deutschen Reiches bemüht war, dazu aber – um die Interessengegensätze der europäischen Mächte zum Gewinn deutscher Bündnispartner ausnutzen zu können – kein internationales Problem wirklich lösen wollte.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rainer F. Schmidt: Die Balkankrise von 1875 bis 1878 – Strategien der großen Mächte. In: Historische Mitteilungen. Im Auftrage der Ranke-Gesellschaft. Bd. 58, Stuttgart 2004, S. 36–96, ISSN 0936-5796.