Mächtegleichgewicht

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Mächtegleichgewicht oder Gleichgewicht der Kräfte (engl.: Balance of Power) ist ein Begriff zur Beschreibung der politischen und militärischen Machtverhältnisse zwischen Nationalstaaten bzw. Bündnissen, denen sie angehören. Die Machtverteilung im Bereich der Internationalen Beziehungen ist ein zentrales Thema des Neorealismus. Durch Mächtegleichgewicht als Instrument der Sicherheitspolitik kann zwischen Staaten im internationalen System Stabilität bzw. Frieden erhalten werden.

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Neorealistische Denker[Bearbeiten]

Kenneth Waltz, der Begründer des Neorealismus, stellt die Internationalen Beziehungen systemisch dar, bestehend aus Struktur und den einzelnen Staaten als „interacting units“. Seine Balance-of-Power (BOP)-Theorie besagt, dass Staaten Akteure in einer Struktur seien, in der aufgrund der Abwesenheit einer Zentralgewalt (Weltregierung) Anarchie herrsche. Dies zwinge den Staaten ein auf Sicherheit und Macht konzentriertes Handeln auf (Hilf-dir-selbst-Prinzip). Schließlich sei das oberste staatliche Ziel das eigene Überleben. Staaten seien rationale und von Interessen geleitete Akteure mit unterschiedlicher Macht. Staatliche Sicherheitspolitik soll die eigene Macht garantieren, und sie wird damit bei dieser Theorie zur vordringlichsten Aufgabe der Staaten erhoben. Dabei spielen nicht nur die militärische Stärke, sondern auch die ökonomische Macht eines Staates eine wichtige Rolle. Gibt es Machtungleichgewichte, dann tendieren Staaten nach Waltz dazu, diese auszugleichen. Das geht durch eigene Aufrüstung oder durch Bildung von Allianzen.[1] Waltz meint, eine bipolare Struktur, so wie sie im Ost-West-Konflikt deutlich zutage trat, sei die beste, da am ehesten friedenserhaltend.[2]

Stephen M. Walt stellt die Balance of Power-Theorie auf eine neue Grundlage und spricht von Balance-of-Threat (BOT), da nicht alle Staaten in balancing-Aktivitäten einsteigen, sondern nur gegenüber jenen, die sie fürchten. Z.B. haben die westeuropäischen Staaten im Kalten Krieg versucht, ein Gleichgewicht gegen den Warschauer Pakt zu erhalten, aber sie haben sich nicht untereinander als bedrohlich (und demzufolge nicht als „ausgleichungswürdig“) empfunden.

John J. Mearsheimer versucht, nach dem Ende des Kalten Krieges die Balance of Power-Theorie neu aufzustellen, da der (Neo-)Realismus in der Theoriedebatte geschwächt wurde, weil er das Ende des Kalten Krieges nicht vorhersagen oder erklären konnte. Mearsheimer selbst versteht sich als „offensive realist“, d.h. er glaubt, dass Staaten nicht nur balancing-Aktivitäten verfolgen, sondern oft auch aggressiv sein müssen, um ihr Überleben zu sichern. Im Gegensatz dazu beschreibt er Waltz als „defensive realist“, der das Überleben der Staaten nur durch balancing sichergestellt sieht. Mearsheimer gilt als relativ angriffslustiger Theoretiker, der andere Theorien (Neoliberalismus, Konstruktivismus etc.) stark kritisiert und heute v.a. vor einem aufstrebenden China warnt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Sheehan, 1996: The Balance of Power. History and Theory. London/New York, ISBN 0-415-11931-6.
  • Arno Strohmeyer, 2006: Gleichgewicht der Kräfte. In: Friedrich Jaeger (Hrsg.), Enzyklopädie der Neuzeit, Band 4, Friede – Gutsherrschaft, Stuttgart/Weimar, S. 925–931, ISBN 978-3-476-01994-3.
  • Waltz, K. N. (1979): Theory of International Politics. New York: Random House.
  • Mearsheimer, J. J. (2001): The Tragedy of Great Power Politics. New York: W. W. Norton.
  • Walt, S. (1987): The Origins of Alliances.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Niklas Schörnig: Neorealismus. In: Siegfried Schieder & Manuela Spindler (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen. Leske + Budrich, Opladen 2003, S. 61-88.
  2. Kenneth N. Waltz: Theory of International Politics. Random House, New York 1979. Wichtig für Waltz’ Theorieverständnis sind vor allen die Kapitel 1 und 4-6.