Kleinstadt

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Immenstadt im Allgäu mit ca. 14.000 Einwohnern

Kleinstadt ist ein Ausdruck für die Klassifikation einer Stadt nach Einwohnern – allgemein etwa unter 20.000 – und Funktion, regional aber auch mit anderer Definition.

Definitionen[Bearbeiten]

Kleinstädte sind nach einer Begriffsbestimmung der deutschen Reichsstatistik von 1871 und der Internationalen Statistikkonferenz von 1887 alle Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen 5000 und 20.000 – Städte mit weniger als 5000 Einwohnern sind dann Landstädte, größere Stufen sind die Mittelstadt mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern und die Großstadt ab 100.000 Einwohnern.

Diese Definition gilt heute als veraltet, in der Raumplanung geht man eher von bis zu 50.000 Einwohnern aus.[1]

Die Definition Kleinstadt anhand statistischer Merkmale ist eine feste, quantitative Größe für ihre Kategorisierung, jedoch nicht das einzige prägende Merkmal. Ebenso wichtig für die Charakterisierung sind Bevölkerungsdichte oder die geografische Lage (periphere oder suburbane Areale), gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung, Zentralort-Funktion und anderes.[1] Aus diesen Faktoren ergibt sich auch eine ganz spezifische Organisation des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Wirtschaftsstruktur[Bearbeiten]

Kleinstädte sind in der Regel wirtschaftlich spezialisiert, z. B. als Agrarkleinstadt, Industrie-, Tourismus- oder Gewerbekleinstadt. Das ist zum einen im Zusammenhang mit der Größe der Kleinstadt und zum anderen mit ihrer wirtschaftshistorischen Tradition zu sehen.[2]

Sozialstruktur[Bearbeiten]

Von der Sozialstruktur her ist die Kleinstadt durch eine Form partieller, auch gruppenspezifischer, sozialer Kontakte geprägt. Dies ermöglicht im Gegensatz zu den Kernstädten innerhalb großer Agglomerationen einen überschaubaren Wahrnehmungsraum. Gleichzeitig dient die soziale Kontrolle auch als Instrument der Eingliederung des Einzelnen in eine territoriale Gruppe.[3]

Bezüglich ihrer Arbeitsmarktfunktion sind Kleinstädte als Teil der Gruppe „Zentrale Orte“ als eine zentrierte Arbeitsmarktregion erkennbar, die Arbeitsplätze insbesondere für die Bevölkerung aus dem ländlichen Raum bereithält, wobei regionale Hierarchien dominieren. Das Arbeitsplatzspektrum liegt zwar über demjenigen von Agglomerationen und ländlichen Räumen, bietet jedoch nur bescheidene Karrieremöglichkeiten. Gleichzeitig kennzeichnet die Kleinstadt in einigen Regionen eine geringe Erwerbsquote weiblicher Bevölkerungsteile, die allerdings abhängig ist von biographischen Einschnitten.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christine Hannemann: Marginalisierte Städte: Probleme, Differenzierungen und Chancen ostdeutscher Kleinstädte im Schrumpfungsprozess. Berliner Wissenschafts-Verl., Berlin 2004, 381 S. ISBN 3-8305-0849-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Brigitta Schmidt-Lauber, Wiebke Reinert, Georg Wolfmayr, Katrin Ecker: Mittelstädtische Urbanitäten. Ethnographische Stadtforschung in Wels und Hildesheim (Middletown Urbanities. Ethnographic Urban Studies in Wels and Hildesheim). Forschungsprojekt, Institut für Europäische Ethnologie, Universität Wien; Abschnitt Begriffliches.
  2. R. Stewig (Hrsg.) (1987): Untersuchungen über die Kleinstadt in Schleswig-Holstein, S. 8 ff., Kieler Geographische Schriften (Band 66), ISSN 0723-9874
  3. E. Lichtenberger (1998): Stadtgeographie 1: Begriffe, Konzepte, Modelle, Prozesse, S. 307 f., ISBN 3-519-23424-6
  4. E. Lichtenberger (1998): Stadtgeographie 1: Begriffe, Konzepte, Modelle, Prozesse, S. 309, ISBN 3-519-23424-6