Knochenhaueramtshaus

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Knochenhaueramtshaus
Nordfassade
Knochenhaueramtshaus zwischen 1890 und 1905
Detail der Fassade
Windbrett an der Nordseite
Im Knochenhaueramtshaus
Die Ostfassade zum Marktplatz

Das ursprünglich im Jahr 1529 gebaute Knochenhaueramtshaus ist das bekannteste Fachwerkhaus in Hildesheim.

Geschichte[Bearbeiten]

Es war das Gildehaus der Fleischer (Knochenhauer). Wie die Zunfthäuser der anderen Hildesheimer Handwerkervereinigungen steht das zur deutschen Renaissance zählende Gebäude am Marktplatz der Altstadt, gegenüber dem Rathaus. Aufgrund der repräsentativen Gestaltung der Fassade wird das Knochenhaueramtshaus gelegentlich als das schönste Fachwerkhaus der Welt bezeichnet.[1] Neben der Nutzung als Verkaufsraum wurden die Kellergewölbe als Lagerraum verwendet. Im ersten Stock wurden Sitzungen der Gilde abgehalten, und im Obergeschoss waren weitere Vorratsräume sowie Wohnungen untergebracht. Das Satteldach und die Giebel wurden bei einem Brand 1884 zerstört.[2]

Das 26 Meter hohe Gebäude wurde am 22. März 1945 bei dem Luftangriff auf Hildesheim von britischen (RAF) und kanadischen Luftstreitkräften vollständig zerstört. Obwohl es selbst nicht von Bomben getroffen worden war, wurde es von dem Brand erfasst, der nahezu die gesamte Innenstadt vernichtete.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nach einem Entwurf des hannoverschen Architekten und Hochschullehrers Dieter Oesterlen (1911–1994) an seiner Stelle 1962 das „Hotel Rose“ gebaut. Das Knochenhaueramtshaus galt vielen Hildesheimern als das Symbol Alt-Hildesheims schlechthin, und so blieb der Wunsch nach seiner Wiederherstellung stets lebendig. Die Chance dazu bot sich in den 1980er Jahren, als das Hotel Rose in Konkurs ging. Im selben Zeitraum plante auch die Hildesheimer Stadtsparkasse einen Neubau ihres Hauptsitzes auf der Südseite des Marktplatzes. Die Stadtverwaltung nutzte diese Gelegenheit und beschloss, den historischen Marktplatz komplett wieder aufzubauen. Im Gegensatz zu den Häusern auf der Nord- und Südseite des Platzes, von denen nur die Fassaden rekonstruiert wurden, wurde das Knochenhaueramtshaus ab 1986 im traditionellen Stil rekonstruiert. Hierzu wurden 400 Kubikmeter Eichenholz verbaut und mit ca. 7500 Holznägeln über 4300 Verbindungen hergestellt. Die originale Dekoration der Windbretter auf der dem Marktplatz abgewandten Nordseite war nicht genau dokumentiert und konnte daher nicht rekonstruiert werden. Sie wurden stattdessen mit modernen Malereien besetzt, die Krieg und Zerstörung versinnbildlichen. Beeindruckend sind vor allem die vollflächigen Schnitzereien auf dem gesamten Balkenwerk, auf Füllbrettern und an Konsolen.

Heute beherbergt das Gebäude unter anderem ein Restaurant und das Hildesheimer Stadtmuseum. In einer Umfrage des NDR 2006 wurde es von den Zuschauern als schönstes der „100 schönsten Gebäude“ im Sendegebiet gewählt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Konrad: Knochenhaueramtshaus. Gerstenberg, Hildesheim 1970, ISBN 3-8067-8025-0.
  • Jürgen Paul: Das Knochenhaueramtshaus in Hildesheim – post mortem. Vom Nachleben einer Architektur als Bedeutungsträger. Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Band 18, 1979, S. 129–148.
  • Stefanie Krause, Helga Stein: Krieg & Frieden. Die Windbretter an der Nordseite des Knochenhauer-Amtshauses. Lax, Hildesheim 1999, ISBN 3-8269-6332-6.
  • Carl Lachner: Die Holzarchitektur Hildesheims. Borgemeyer, Hildesheim 1882.
  • Alexander Koch: Dieter Oesterlen. Bauten und Projekte 1946–1963. Band 2. Verlagsanstalt Alexander Koch, Stuttgart 1964.
  • Hans-Dieter Petzoldt (Hrsg.): Knochenhauer-Amtshaus. Wiederaufbau 1987–1990. Chronik und gesammelte Zeitungsberichte. Selbstverlag, Söhre 1990.
  • Gerd Rump (Hrsg.): 1529–1945 Knochenhauer-Amtshaus Hildesheim. Gerstenberg, Hildesheim 1979.
  • Gerd Rump: „Ein immerhin merkwürdiges Haus“. Eine Dokumentation zum 25jährigen Bestehen der Gesellschaft für den Wiederaufbau des Knochenhauer-Amtshauses. (= Quellen und Dokumentationen zur Stadtgeschichte Hildesheims, Bd. 7). Gerstenberg, Hildesheim 1995, ISBN 3-8067-8591-0.
  • Helga Stein: Farbe am Knochenhauer-Amtshaus. Eine Dokumentation. (= Quellen und Dokumentationen zur Stadtgeschichte Hildesheims, Bd. 1). Stadtarchiv, Hildesheim 1993.
  • Manfred Boetzkes (Hrsg.): Hildesheimer Zeitzeugen Roemer-Museum, Stadtgeschichtliche Sammlung im Knochenhaueramtshaus Hildesheim, Olms, 1990 ISBN 3-487-09361-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der französische Architekt Viollet-le-Duc schrieb Mitte des 19. Jahrhunderts: „Und ihr möget den ganzen Erdball durchschreiten, so wird Euch doch kein zweites Fachwerkhaus begegnen, das so viel Schönheit, Kraft und Harmonie ausstrahlt wie das Knochenhaueramtshaus zu Hildesheim.“
  2. Knochenhaueramt (PDF; 854 kB), Im Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 31, 2. August 1884, S. 327., abgerufen am 31. Dezember 2012.
  3. Die 100 schönsten Bauwerke Norddeutschlands (NDR-Umfrage)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Knochenhaueramtshaus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

52.1527777777789.9513888888889Koordinaten: 52° 9′ 10″ N, 9° 57′ 5″ O