Kolberg (Heidesee)

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52.24444444444413.80472222222235Koordinaten: 52° 14′ 40″ N, 13° 48′ 17″ O

Kolberg
Gemeinde Heidesee
Höhe: 35 m ü. NHN
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Eingemeindet nach: Heidesee
Postleitzahl: 15754
Vorwahl: 033768
Bus der RVS auf der Linie 723 Richtung Storkow in Kolberg kurz vor der Haltestelle "Kolberg Dorf" am Platz der Einheit

Kolberg (niedersorbisch Kółobŕeg[1]) ist ein Ortsteil der Gemeinde Heidesee im Nordosten des Landkreises Dahme-Spreewald in Brandenburg. Das Platz-Eckdorf war bis 2003 eine selbständige Gemeinde und ist eines der Eingangstore zum Naturpark Dahme-Heideseen.

Geographie[Bearbeiten]

Kolberg liegt am Südufer des Wolziger Sees auf einer Höhe von 35 m ü. NHN. Von Westen von Blossin kommend führt die L39 in den Ort hinein und biegt dort nach Süden bzw. später nach Südwesten auf Prieros ab. Im Ort zweigt die L391 nach Görsdorf ab.

Der Wolziger See gehört aber zur Gemarkung Blossin. Die Gemarkungsgrenze verläuft am Südufer entlang. Zur Gemarkung Kolberg gehört der gesamte Lange See, der kleine Kesselsee, zwei ehemalige, heute geflutete Tongruben im südwestlichen Teil der Gemarkung und südlich der L391 am südöstlichen Teil des Ortskerns sowie einige sehr kleine Teiche. Einzige nennenswerte Fließgewässer sind der Laichgraben und der Linggraben.

Kolberg grenzt im Norden an Blossin (Ortsteil der Gem. Heidesee), im Osten an Görsdorf (Ortsteil der Stadt Storkow (Mark)), im Südosten an Streganz, im Südwesten an Prieros und im Westen an Dolgenbrodt (alle drei letztgenannten Orte sind Ortsteile der Gem. Heidesee).

Zum Ort gehört der Wohnplatz Kolberger Ablage (früher Fischerhaus am Langen See).

Kolberg auf dem Urmesstischblatt von 1841

Geschichte[Bearbeiten]

Kolberg wurde als Kalberg erstmals 1321 urkundlich erwähnt. 1443 wird der Ort Calbergk, 1492 Kolbergk genannt. Der Name stammt daher wahrscheinlich von „kahler Berg“ ab und bezieht sich auf den zur damaligen Zeit möglicherweise unbewaldeten Hügel[2]. Eine andere Deutung ist die Herleitung von Kolobreg, wobei breg = Ufer, Anhöhe am Wasser, kolo = bei, an, rund um, also eine Anhöhe bei einem (Gewässer)(vgl. auch den sorb. Namen von Kolberg)[3]. Kolberg liegt am Wolziger See, direkt aus dem sumpfigen Uferstreifen steigt der Spitzberg auf fast 73 m Höhe an, immerhin fast 40 m über dem Wasserspiegel des Wolziger Sees. Der nur wenig weiter südlich liegende Kolberg ist mit über 89 m noch etwas höher. Letzterer Deutung stehen allerdings die ersten urkundlichen Nennungen als Kalberg/Calbergk entgegen.

Bevölkerungs­entwicklung von 1774 bis 1971[4][5]
Jahr Einwohner
1774 47
1801 71
1817 82
1837 111
1858 108
1895 117
1925 114
1939 140
1946 440
1964 330
1971 336
1991 318
2001 325

Die Hufenzahl wird im Laufe der Geschichte sehr unterschiedlich angegeben. 1524 werden 4½ Hufen genannt, 1600 5½ Ritterhufen und 2½ Bauernhufen. 1801 werden 5½ Ritterhufen und 8½ Bauernhufen angegeben. 1524 wohnten 3 Bauern (mit je 1½ Hufen) und 6 Kossäten im Dorf. 1576 werden 6 Kossäten und ein Häusler genannt. 1600 wohnten 6 Kossäten und ein Hirte im Ort. 1692 durften die sechs Kossäten keine Schafe halten. Dafür hatten sie die Fischerei auf dem Wolziger See vom Amt Storkow gepachtet. 1718 waren 5 Kossäten und 5 Büdner in Kolberg wohnhaft. 1801 wohnten 4 Kossäten, 1 Büdner und 4 Einlieger in Kolberg. Es gab das Amtsvorwerk und eine Ziegelei. Im Urmesstischblatt ist am östlichen Rand der Gemarkung die alte Ziegelei eingezeichnet, im Gegensatz dazu die (neue) Ziegelei auf dem Gelände des heutigen Campingplatzes. 1837 wurden bereits 18 Wohnhäuser gezählt. Das Fischerhaus am Langen See wird erstmals genannt. 1858 standen im Dorf: ein öffentliches Gebäude, 13 Wohnhäuser und 23 Wirtschaftsgebäude. Im Gutsbezirk standen 4 Wohnhäuser und 5 Wirtschaftsgebäude. 1864 bewirtschaftete das Vorwerk auch zwei Kossätenhöfe. 1900 standen 20 Wohnhäuser, 1931 25 Wohnhäuser in Kolberg. Um 1900 entstand eine weitere Ziegelei im südwestlichen Teil der Gemarkung. Bei der Bodenreform 1946 wurden 481 ha enteignet und 448,5 ha aufgeteilt. 180 ha gingen an 23 Landarbeiter und landlose Bauern, 45 ha an landarme Bauern, 76 ha an 7 Umsiedler, 76 ha an 26 Arbeiter und Angestellte, 37 ha an die Gemeinde, 25 ha an die Behörde für Selbstverwaltung und 9,5 ha Wald an 4 Altbauern. 1947 wurden weitere 45 ha aufgeteilt. 1955 bildete sich eine LPG mit 26 Mitgliedern und 115 ha Nutzfläche. 1957 (1953?[6] 1958?[7]) entstand die Produktionsgenossenschaft werktätiger Fischer „Aurora“[7]. 1960 bildete sich eine weitere LPG Typ I mit 15 Mitgliedern und 103 ha Nutzfläche. 1978 hatte sich die Produktionsgenossenschaft werktätiger Fischer „Aurora“ mit der Produktionsgenossenschaft werktätiger Fischer Dahmetal vereinigt.

Politische Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten bekannten Besitzer des Ortes sind die Herren v. Queiß. Kolberg gehörte damals zur Herrschaft Storkow, d.h. sie waren Vasallen des jeweiligen Besitzer dieser Herrschaft. 1518 hatten die v. Biberstein die Herrschaften Beeskow und Storkow an den Bischof von Lebus verkauft. 1556 wurde der Bistumsbesitz der Kurmark Brandenburg einverleibt. Auf die v. Queiß folgten 1560 die v. Bernheim, die das Dorf bereits 1565 an die v. Wins verkauften. Sie konnten diesen Besitz bis 1730 behaupten, bis auf einen kurzen Zeitraum von 1684 bis 1694 als eine Hälfte des Dorfes veräußern mussten. Diese Hälfte gehörte von 1684 bis 1688 dem Kammergerichtsadvokaten Gericke und von 1688 bis 1694 den v. Burgsdorf. 1730 verkaufte Adam Christoph von Wins Kolberg und das damit verbundene Klein-Eichholz an den preußischen König Friedrich Wilhelm I., „den Soldatenkönig“, der es dem Amt Blossin zuwies. 1810 wurden die Vorwerke in Kolberg und Klein-Eichholz zusammen zu Erbpacht ausgetan[8]. 1830 wurde dann aber Klein-Eichholz separat verpachtet[9]. Zuvor, 1829 war das Amt Blossin aufgelöst worden; Kolberg gehört nun zum Amt Königs Wusterhausen. 1849 wurde Kolberg in den Gemeindebezirk und den Gutsbezirk aufgeteilt. Um 1855 nennt Berghaus den Friedrich Gustav Keilwagen als Besitzer des Gutes[10]. Erst 1928 wurden Gemeinde- und Gutsbezirk zur Gemeinde Kolberg vereinigt.

Kolberg wurde am 1. Januar 1974 nach Prieros eingemeindet[5]. Zum 6. Mai 1990 folgte die Ausgliederung aus Prieros[5]. Kolberg schloss sich 1992 zusammen mit elf anderen Gemeinden zu einer Verwaltungsgemeinschaft, dem Amt Friedersdorf zusammen. Am 15. Mai 2002 genehmigte das Ministerium des Inneren des Landes Brandenburg den Zusammenschluss der Gemeinden Bindow, Blossin, Dannenreich, Friedersdorf, Kolberg und Prieros zur neuen Gemeinde Heidesee. Der Zusammenschluss wurde aber erst zum 26. Oktober 2003 rechtswirksam[11]. Seither ist Kolberg am 26. Oktober 2003 zu einem Ortsteil der Gemeinde Heidesee.[12]

Kolberg gehörte zur ursprünglich niederlausitzischen Herrschaft Storkow, die 1518 an den Bischof von Lebus kam, und 1556 an das Kurfürstentum Brandenburg angeschlossen wurde (und damit aus der Niederlausitz ausschied). Aus den Herrschaften Beeskow und Storkow bildete sich im weiteren Verlauf der Beeskow-Storkowische Kreis heraus. 1816 wurde die (ehemalige) Herrschaft Storkow mit dem Kreis Teltow zum Teltow-Storkowischen Kreis vereinigt, der aber 1835 wieder aufgelöst wurde. Storkow wurde wieder mit der früheren Herrschaft Beeskow zum Kreis Beeskow vereinigt. 1950 bis 1952 gehörte Kolberg zum Kreis Fürstenwalde, bevor dieser Kreis in der großen Kreisreform von 1952 neu zugeschnitten wurde. Kolberg wurde nun dem Kreis Königs Wusterhausen zugewiesen. 1993 ging dieser Kreis im neuen Landkreis Dahme-Spreewald auf.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Entwicklung ist eng mit der Fischerei auf dem Wolziger See sowie der landwirtschaftlichen Flächennutzung verbunden. Wiesen- und Weidewirtschaft waren für die Niederungen bestimmend. Neben Ackerbau, Gartenlandbau und Schafhaltung gehörte zum Dorf auch ein Weinberg.

An der Stelle der heutigen Hafenbecken nördlich des Ortskern von Kolberg existierte bis ins vorige Jahrhundert eine Ziegelei mit Ton- und Mergelgruben am Kolberg. Eine weitere Ziegelei arbeitete im südlichen Teil der Gemarkung westlich der L39. Die ehemalige Tongrube ist heute geflutet und bildet einen kleinen Teich (genannt „Karpfenteich“).

Kultur und Bildung[Bearbeiten]

Bekannt ist Kolberg auch durch das Europäische Begegnungszentrum Pfauenhof. Jugendliche aus vielen Ländern Europas treffen sich zum Erfahrungsaustausch. Neben dem Europa-Haus Land Brandenburg e. V. hat auch der bundesweit agierende Dia-Bolus e. V. seinen Sitz in der Bergstrasse, im Pfauenhof. Der jährlich durchgeführte KiDs-Kurs betreut in 14 Tagen etwa 50 Kinder mit Diabetes I.

Freizeit, Sport und Gastronomie[Bearbeiten]

Durch seine Lage am Wolziger See bietet Kolberg vor allem im Sommer vielfältige Möglichkeiten zum Freizeitsport und zur Erholung. Der Ort besitzt einen kleinen Hafen für Sport- und Segelboote und einen Campingplatz. Von hier aus sind Wassertouren in die weitere Umgebung des Naturpark Dahme-Heideseen möglich.

Die Badewiese bei der Badestelle am Wolziger See ist über 6000 Quadratmeter groß. Auf dem Gelände der alten Ziegelei ist ein Campingplatz und ein Veranstaltungsgelände entstanden. Zwei Fischereibetriebe bieten für Fischliebhaber frisch gefangenen und geräucherten Fisch aus den umliegenden Seen.

Sehenswürdigkeiten und Denkmale[Bearbeiten]

Auf dem Kolberg befand sich seit 1958 das Zentrallabor der Deutschen Post für Wellenausbreitung und Funkentstörung. Zu dieser Anlage gehören ein 28,5 Meter hoher gemauerter Turm und zwei freistehende Stahlfachwerktürme, die 30 und 65 Meter hoch sind. Es ist das einzige, eingetragene Baudenkmal in Kolberg[13].

Naturdenkmale[Bearbeiten]

Auf der Gemarkung Kolberg gibt es folgende Naturdenkmale[14]:

  • Gutspark
  • Stieleiche in Kolberg
  • Ostbucht Langer See (Flächennaturdenkmal)
  • Kesselsee (Flächennaturdenkmal)

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Schölzel: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IX Beeskow-Storkow. 334 S., Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1989 ISBN 3-7400-0104-6 (Im Folgenden Schölzel, Historisches Ortslexikon, Beeskow-Storkow, Seitenzahl).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ortsnamen Niederlausitz: Blossin / Błožin
  2. Klaus Müller: Die Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow. 269 S., Stuttgart, Steiner 2005. ISBN 3-515-08664-1
  3. Oswald Jannermann: Slawische Orts- und Gewässernamen in Deutschland: von Belgrad in Pommern bis Zicker auf Rügen. III, 153 S., Norderstedt, Books on Demand, 2009 ISBN 978-3-8370-3356-4 Vorschau bei Google Books
  4. Schölzel, Historisches Ortslexikon, Beeskow-Storkow, S.132/3.
  5. a b c Beitrag zur Statistik Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005 19.3 Landkreis Dahme-Spreewald PDF
  6. Geschichte der Fischerei Aurora GbR
  7. a b Der Wolziger See - Abdruck der Broschüre „Wolzig und seine Umgebung“ von Gerd Tschechne. Heidesee Journal [1]
  8. Bekanntmachung (Blossin, Colberg und Klein Eichholz und die Buschmeierei in Görsdorf werden zu Erbpacht ausgetan). Annalen des Ackerbaus, 11: 99-100, Berlin 1810. Online bei Google Books
  9. Amtsblatt der Königlich Preußischen Regierung zu Frankfurth a. d. O. 1830, Beilage zu Nr.46 vom 17. November 1830, 305, Nr.47, S.309 Online bei Google Books
  10. Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts; oder geographisch-historisch-statistische Beschreibung der Provinz Brandenburg, auf Veranlassung des Staatsministers und Ober-Präsidenten Flottwell. Zweiter Band. 650 S., Druck und Verlag von Adolph Müller, Brandenburg 1855 (S.595).
  11. Bildung einer neuen Gemeinde Heidesee. Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 15. Mai 2002. Amtsblatt für Brandenburg Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 13. Jahrgang, Nummer 22, 29. Mai 2002, S.562 PDF
  12. Lesefassung der Hauptsatzung der Gemeinde Heidesee (zuletzt geändert durch die Zrste Änderungssatzung vom 18.09.2009)
  13. Denkmalliste des Landes Brandenburg Landkreis Dahme-Spreewald, Stand: 31. Dezember 2012 PDF
  14. Die Natur- und Kulturdenkmale des Dahmelandes auf www.nabu-dahmeland.de PDF

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kolberg (Heidesee) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien