Krainer Tollkraut

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Krainer Tollkraut
Scopolia carniolica0.jpg

Krainer Tollkraut (Scopolia carniolica)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Gattung: Tollkraut (Scopolia)
Art: Krainer Tollkraut
Wissenschaftlicher Name
Scopolia carniolica
Jacq.

Das Krainer Tollkraut (Scopolia carniolica; syn. Hyoscyamus scopolia[1]) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Tollkraut (Scopolia) in der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).

Merkmale[Bearbeiten]

Das Krainer Tollkraut ist eine ausdauernde Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimeter erreicht. Die Pflanze ist kahl. Die Blätter sind gezähnt oder ungezähnt. Die Krone ist 2 bis 3 Zentimeter lang, hat einen Durchmesser von 1 bis 1,5 Zentimeter und ist mehr als doppelt so lang wie der Kelch. Außen ist sie dunkel braunviolett bis rötlichviolett gefärbt, innen gelblich bis braungrün. Die Kronzipfel sind kurz und wenig auffällig. Die Kapsel ist eiförmig und liegt dicht am Fruchtknoten an.

Blütezeit ist von April bis Mai.

Pharmakologie[Bearbeiten]

Das Krainer Tollkraut enthält in den Blättern 0,2-0,4 % und in den Wurzeln bis zu 0,5 % Alkaloide. Hauptalkaloid ist das Hyoscyamin, daneben kommen unter anderen L-Scopolamin, Cuskhygrin und Tropin vor. Außerdem können die Cumarine Scopolin und Scopoletin sowie Chlorogensäure nachgewiesen werden.[1] Die höchste Konzentration an Wirkstoffen liegt zu Beginn der Blütezeit und während der Fruchtentwicklung vor. Durch die Inhaltsstoffe ist das Krainer Tollkraut als stark giftige Pflanze anzusehen.[2] Infolge oraler Aufnahme von Pflanzenteilen kommt es zu Vergiftungserscheinungen mit Erbrechen, Gesichtsrötung, Mundtrockenheit, Mydriasis (Pupillenerweiterung) und bei höheren Dosen zeigen sich eine halluzinogene Wirkung sowie zentralnervose Symptome mit Krämpfen, Seh- und Sprachstörungen. Der Tod kann durch Atemlähmung verursacht werden. Eine lebensbedrohliche Konzentration an Giftstoffen wird bei Erwachsenen mit einer Aufnahme von ca. 3 mg Alkaloide erreicht, bei Kindern wurden letale Intoxikationen bereits nach einer Aufnahme von ca. 2 mg Alkaloide verzeichnet.[1]

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Krainer Tollkraut kommt in Südost-Europa in Laubwäldern, Gebüschen und Staudenfluren vor, auch in Gebirgslagen.[1]

Nutzung[Bearbeiten]

Das Krainer Tollkraut wird zerstreut als Zierpflanze in Staudenbeeten genutzt. Es ist spätestens seit dem 18. Jahrhundert in Kultur. Früher wurde die Pflanze als Genusspflanze (z.B. als Getränkezusatz, durch Rauchen) sowie volksmedizinisch bei rheumatischen Erkrankungen, Zahnschmerzen, Koliken, Schlafstörungen und Aphrodisiakum verwendet. Vermutlich fand es außerdem Verwendung in Hexensalben. Der Industrie dient das Krainer Tollkraut zur Gewinnung von L-Hyoscyamin bzw. Atropin.[1]

Bilder[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Andreas Alberts, Peter Mullen: Psychoaktive Pflanzen, Pilze und Tiere. Kosmos-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-10749-3.
  2. Roth, Daunderer & Kormann: Giftpflanzen - Pflanzengifte, Auflage 5, NIKOL Verlag, ISBN 3868200096.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckehardt J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8.