Kriechen-Pflaume

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Kriechen-Pflaume
Haferpflaume (Prunus domestica subsp. insititia)

Haferpflaume
(Prunus domestica subsp. insititia)

Systematik
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Spiraeoideae
Tribus: Steinobstgewächse (Amygdaleae)
Gattung: Prunus
Art: Pflaume (Prunus domestica)
Unterart: Kriechen-Pflaume
Wissenschaftlicher Name
Prunus domestica subsp. insititia
(L.) Bonnier & Layens

Die Kriechen-Pflaume (Prunus domestica subsp. insititia), auch Hafer-Pflaume genannt,[1] ist eine Unterart der Pflaume (Prunus domestica). Sie wird in Europa, Westasien, Indien, Nordafrika und Nordamerika kultiviert.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Sprossdorn der Kriechen-Pflaume
Blatt der Kriechen-Pflaume
Kriechen-Pflaume mit gelben Früchten aus Ostösterreich

Die Kriechen-Pflaume ist ein flachwurzelnder Baum oder Strauch. Die Zweige weisen bis zum zweiten Jahr eine samtige Behaarung auf und sind meist dornig. Die Blätter sind stumpf gezähnt und oft behaart. Sie sind zur Blütezeit in der Regel komplett entwickelt. Kelch- und Kronblätter sind mehr oder weniger rundlich. Bei den Kelchblättern ist nur am Rand eine Behaarung vorhanden. Die Kronblätter sind reinweiß. Die Frucht ist 1,5 bis 3 Zentimeter lang, kugelig bis tropfenförmig und blauschwarz, es sind aber auch gelbe und weinrote Formen bekannt. Ihr Saft ist blutrot. Der Steinkern ist rundlich-eiförmig, symmetrisch, doppelspitzig und kaum gekielt. Seine Dicke entspricht 59 bis 76 % seiner Länge. Seine Oberfläche ist glatt, er haftet am Fruchtfleisch. Die tiefe Rückenfurche hat Kammstriche oder nicht. [1]

Systematik[Bearbeiten]

Die Kriechen-Pflaume wurde 1755 von Carl von Linné als Prunus insititia erstbeschrieben. Gaston Eugène Marie Bonnier und George de Layens stuften sie 1894 als Prunus domestica subsp. insititia als Unterart der Pflaume ein.[1]

Das Epitheton insititia ist lateinisch für ‚aufgepfropft, fremdländisch‘ und grenzt das Taxon von der heimischen Schlehe ab.[1] Mittellateinisch wird die Pflanze cinus oder cinum genannt.[2][3]

Für die Ostalpen ist eine Varietät Prunus domestica subsp. insititia var. alpina-orientalis Werneck beschrieben, die nahe mit der Schlehe verwandt sein soll.[1]

Nutzung[Bearbeiten]

Die Kriechen-Pflaume wird vor allem zur Produktion von Samenöl (Speise- und Brennöl) und Baumgummi genutzt, in geringerem Umfange auch zur Herstellung von Schnaps.[4] Daneben findet sie als Unterlage für edle Pflaumensorten (Saint-Julien-Pflaume) und als Heckenpflanze Verwendung.[1]

Da das blaue Kriacherl seit Generationen in der Steiermark als Grundlage zur Herstellung von Pflaumenbrand dient wurde es in Österreich in das Register der Traditionellen Lebensmittel aufgenommen.[5]. Auch im niederösterreichischen Waldviertel hat das gelbgrüne Kriecherl die Chance, Bedeutung als Grundlage für eine Genuss Region Österreich zu erlangen.[6]

Trivialnamen[Bearbeiten]

Weitere deutsche Namen für die Kriechen-Pflaume sind Eigentliche Krieche, Kritzschken, Krellen, Kricke, Kreke (Niederdeutsch), Weinkrieche(rle) oder Weinkrüglein, Schwein- oder Saukrieche, Kriacherl, Cypern oder Ziper(le), Ziparte, Ziegfarze, Bocks- oder Geißhoden, Maroncken oder Malo(n)cken, Tornigel, Tarrnickel, Ross-, Scheiß-, Wein-, Haber-, Hafer- oder Au(g)stpflaume, Pflaumenschlehe, Aug(u)stkirsche, Fluder, Flüder, Pfluder, Priester, Schlupfen, Schlupfer, Weinling und (besonders für die getrockneten Früchte) Prunellen, Brunellen, Brinellen, Brigniolen, Prünellen oder Brugnolen.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Hildemar Scholz, Ilse Scholz: Prunus. In: Hans. J. Conert u.a. (Hrsg.): Gustav Hegi. Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band 4 Teil 2B: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (3). Rosaceae 2. Blackwell 1995, ISBN 3-8263-2533-8.
  2. a b Heinrich Marzell/Heinz Paul, Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen III, Stuttgart/Wiesbaden 1977 (Köln 2000, Nachdruck), p. 1117ff.
  3. Albertus Magnus de vegetabilibus, V, 63.
  4. Bürokraten-Posse um Kriecherl-Schnaps, tz-online, abgerufen am 20. November 2010
  5. Steirisches Kriacherl. Eintrag Nr. 43 im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Lebensministeriums.
  6. GENUSS REGION ÖSTERREICH wächst weiter abgerufen am 16. August 2013

Weblinks[Bearbeiten]