Waldviertel

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Waldviertel (Österreich)
Waldviertel
Waldviertel
Viertel und Bezirke Niederösterreichs
Karte Aut Noe Bezirke.png
Landschaft bei Riebeis, Gemeinde Rappottenstein
Landschaft bei Weikertschlag, Gemeinde Bad Großpertholz
Granitrestling in der Ysperklamm

Das Waldviertel ist der nordwestliche Teil des österreichischen Bundeslandes Niederösterreich.

Im Süden bildet die Donau die Grenze zum niederösterreichischen Mostviertel. Im Uhrzeigersinn von Südwesten nach Osten angrenzende Regionen sind das oberösterreichische Mühlviertel, das tschechische Südböhmen und das niederösterreichische Weinviertel mit dem markanten Höhenzug Manhartsberg (537 m). Letzterem verdankt es auch den Namen Viertel ober dem Manhartsberg (im 18. und 19. Jahrhundert oft abgekürzt mit V.O.M.B.).[1]

Geografie[Bearbeiten]

Das Waldviertel umfasst eine Fläche von etwa 4.600 km² und wird von etwa 220.000 Personen bevölkert (Stand: 2011), dies entspricht weniger als 50 Einwohner je km².

Die wichtigsten Städte sind die Bezirkshauptstädte Gmünd, Horn, Krems an der Donau, Waidhofen an der Thaya sowie Zwettl und es umfasst einerseits die dazugehörigen Bezirke und andererseits den Nordwestteil des Bezirks Melk und westliche Teile des Bezirkes Hollabrunn (wie die Gemeinden Hardegg und Mühlbach am Manhartsberg). Teile der Bezirke Krems und Horn liegen aber auch im Weinviertel.

Zu den strukturstärksten Gebieten des Viertels gehört die Flusslandschaft Wachau mit ihren Hauptorten Krems an der Donau und Spitz an der Donau. Geologisch betrachtet liegt die Wachau zu beiden Seiten der Donau im Waldviertel, denn auch der Dunkelsteinerwald gehört zur Böhmischen Masse.

Im Zentrum des Waldviertels befindet sich der nach dem Anschluss 1938 angelegte Truppenübungsplatz Allentsteig.

Klima[Bearbeiten]

Jahresmitteltemperatur 1971-2000 bewohnter Orte in Österreich abhängig von deren Seehöhe

Im Waldviertel herrscht ein kontinental geprägtes Hochflächenklima vor, das im Westen (Weinsberger Wald) zum atlantisch geprägten Hochflächenklima und im Osten (Manhartsberg, unteres Kamptal) zum pannonischen Klima übergeht. Hier grenzt es an die trockenste Region Österreichs an: das nördliche Weinviertel. Im Waldviertel beträgt die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge 400 mm, in manchen Jahren regnet es nur 250 mm. Im inneren Waldviertel ungefähr zwischen Zwettl und Neupölla befindet sich ein inneres Trockengebiet. Trotz relativ kalter Winter sind deshalb die Schneehöhen eher gering.

Das Klima des Waldviertels ist kalt und rau. Relativ zur Seehöhe weist das Waldviertel die tiefsten Jahresmitteltemperaturen aller Messstationen der ZAMG an bewohnten Orten Österreichs auf, wobei Zwettl darüber hinaus einen Ausreißer nach unten darstellt.[2] Zwettl hält mit -36,6 °C weiters den Temperaturrekord Österreichs für die niedrigste Lufttemperatur an einem bewohnten Ort.[3] Der Winter ist gekennzeichnet durch Schnee und Sonnenschein. Der Sommer durch warme, wenig heiße Tage und kühle Nächte. Der Niederschlag nimmt in Richtung Osten ab. Es gibt eine thermische Benachteiligung in den Bezirken Waidhofen/Thaya, Zwettl und Gmünd. Weiters ist das Klima durch kurze Vegetationszeit mit häufigen Früh- und Spätfrösten gekennzeichnet. Die Windhäufigkeit ist hoch, von Herbst bis Mai tritt häufig Nebel auf.[4]

Trotz des kühlen Klimas ist das Waldviertel das größte Rapsanbaugebiet und das zweitgrößte Ackerbaugebiet Österreichs. Die Erträge pro Flächeneinheit sind dabei höher als im Weinviertel oder Alpenvorland. Dies könnte an der hervorragenden Bodenqualität liegen. Durch die Höhenlage bedingt reift die Ernte später, was zu einer Benachteiligung aufgrund Preisverfall und niedriger Erlöse führt.

Geologie[Bearbeiten]

Das Waldviertel ist eine Grundgebirgslandschaft aus Graniten und Gneisen mit Höhen bis ca. 1.000 m. Wichtigster Fluss des nordöstlichen Teils dieser nördlich der Donau gelegenen Landschaft ist der Kamp. Nördlich von Krems tritt er in das Donautal, dessen nördliche Hangkante durch alte schotterführende Terrassen, dem sogenannten Wagram gebildet wird. Das Kamptal ist etwa 100 Meter tief in die Hochfläche des Waldviertels eingeschnitten. Das Waldviertel präsentiert sich heute als eine wellige Rumpffläche des zur böhmischen Masse gehörenden Grundgebirges. Granitblöcke (Restlinge) finden sich an vielen Stellen, wie in der Blockheide Gmünd, einige davon als so genannte Wackelsteine. Weite Teile weisen Verwitterungsböden auf, es gibt aber auch im Randbereich tertiäre Ablagerungen und auch Lößablagerungen (z. B. im Horner Becken und im Donautal).

Geologisch unterscheidet man das ältere Moldanubikum vom jüngeren Moravikum, das am Ostrand des Waldviertels vom Moldanubikum überlagert wird. Das Moldanubikum lässt sich weiter in die hauptsächlich aus Paragneisen aufgebaute Ostronger Einheit (Monotone Serie), in die aus verschiedenen Gesteinsserien bestehende Drosendorfer Einheit (Bunte Serie) und die Gföhler Einheit unterteilen, die hauptsächlich aus Granuliten, dem Gföhler Gneis und Amphiboliten besteht. Die schmale Drosendorfer Einheit folgt, von Drosendorf kommend, dem Ostrand des Moldanubikums, biegt dann in südwestliche Richtung ab und erreicht westlich von Gföhl vorbei an Spitz endlich Persenbeug, wo sie dann südlich der Donau unter jüngere Bedeckung abtaucht. In ihr befinden auch Bodenschätze wie Marmor oder Graphit. Nordwestlich davon liegt die Ostronger Einheit und südöstlich die Gföhler Einheit. Alle diese Einheiten bestehen aus hochmetamorphen Gestein der variszischen Gebirgsbildung. Westlich der Linie Sarmingstein-Bad Traunstein-Zwettl-Kirchberg am Walde-Kautzen zieht sich eine aus dem Intrusivgestein Granit bestehende Insel, die sich bis ins Mühlviertel und nach Tschechien fortsetzt.

Durch das nordwestliche Waldviertel verläuft die europäische Hauptwasserscheide. Die Lainsitz, an der Gmünd liegt, entwässert nach Norden über die Moldau und Elbe in die Nordsee. Alle anderen Flüsse im Waldviertel, vor allem Kamp und Thaya entwässern über die Donau ins Schwarze Meer.

Natur[Bearbeiten]

Kleine, bewaldete Bichln (Büheln), die aufgrund des anstehenden Granituntergrunds nicht landwirtschaftlich genützt werden können, bieten vielen Pflanzen- und Tierarten einen wertvollen Lebensraum
Im westlichen Waldviertel, wie hier bei Griesbach, besteht noch eine kleinteilige, durch vielfältige Elemente geprägte Kulturlandschaft.
Die im Vormarsch befindlichen Fichtenmonokulturen sind okölogisch bedenklich und weisen aufgrund der dichten Abdeckung fast keine Krautschicht auf
Die Heide-Nelke (Dianthus deltoides) ist ein typisches Florenelement bodensaurer Magerrasen

Aus floristischer Sicht gehört das Waldviertel – so wie der Großteil Österreichs – zur Mitteleuropäischen Florenregion. Nur der Ostrand, wie die Gegend um Retz und Eggenburg und das untere Krems- und Kamptal, sowie der Südrand, d. h. die südexponierten Hänge der Wachau, gehören zur Pannonischen Florenprovinz.[5] Im Gmünder Becken, das im Gegensatz zum Rest von Niederösterreich nicht in das Schwarze Meer sondern über die Lainsitz in die Nordsee entwässert, macht sich ein gewisser subatlantischer Einfluss bemerkbar. Ein typisches Beispiel sind die Lämmersalatfluren in Äckern im Raum Gmünd-Litschau, die aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft inzwischen vom Aussterben bedroht sind.[6] Aufgrund der geologischen Zugehörigkeit zur Böhmischen Masse ist der Gesteinsuntergrund überwiegend silikatisch und die Böden daher meist sauer. Das Gebiet erstreckt sich von der submontanen bis in die montane Höhenstufe. Als Habitate sind noch einige geringe Reste naturnaher Laub- und Fichten-Tannen-Buchen-Wälder, bodensaure Fichtenwälder und -Forste, Hochmoore, trockene Sonderstandorte über Granit, stark bodensaure Sandböden und Äcker, in Zerstörung begriffene Silikatmagerrasen und Feuchtwiesen sowie seit dem Mittelalter angelegte Fischzuchtteiche vorhanden.[5]

Während der Eiszeiten war das Waldviertel stets unvergletschert und wies damals eine Kältesteppenvegetation ähnlich einer Tundra auf. Mit der vor rund 12 000 Jahren einsetzenden Erwärmung wanderten die während der letzten Eiszeit nach Süden verdrängten Baumarten Föhre, Birke, Fichte, Eiche, Buche und Tanne wieder ein, bis das Gebiet zur Zeit von Christi Geburt von einem geschlossenen Urwald überzogen war. Erst an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert setzte eine planmäßige Besiedlung durch den Menschen ein, welche mit Waldrodungen verbunden war. Im damals ohne nennenswerte technische Hilfsmittel geführten Kampf gegen die Natur schuf der Mensch eine kleinteilig strukturierte Kulturlandschaft und eine Vielfalt neuer Habitate. Dadurch konnten Arten aus anderen Arealen einwandern, wurden unbeabsichtigt vom Menschen eingeschleppt oder es konnten sogar neue Arten entstehen und die Biodiversität wurde deutlich erhöht. Im Wald wurden Rodungsinseln angelegt und der Boden in kleinen, schmalen Parzellen auf die Lehner aufgeteilt. Es entstand ein vielfältiges Landschaftsmosaik aus Äckern, Wiesen, Streuobstwiesen, Weiden und Teichen, welche untereinander oft durch Feldraine, Hecken und Böschungen getrennt waren. Es entstanden typische Stufenrainlandschaften und durch die mühevolle Anlage der Raine konnte die Bodenerosion wirksam verhindert werden. Innerhalb der landwirtschaftlich genützten Flächen befindliche, aus dem Gesteinsuntergrund emporragende Felsbildungen, führten zur Entstehung von kleinen, bewaldeten Bicheln (Büheln), welche zusammen mit den Rainen, Klaubsteinhaufen und Hecken wertvolle und abwechslungsreiche Lebensräume für viele Arten bieten. An besonders mageren Stellen entstanden lichte Föhrenheidewälder mit den sehr langsam wachsenden und sehr genügsamen Rot-Föhren sowie Heidelbeere und Preiselbeere in der Krautschicht. Aufgrund der steigenden Holzbedarfs wurden im Waldviertel immer mehr Wälder gerodet und Holz wurde teilweise, z.B. in der Umgebung der Glashütten zur Mangelware.[6]

Ab der Zeit der Industrialisierung erhielt der Mensch u.a. in Form von schweren Maschinen, Kunstdünger und Drainagesystemen Techniken, welche mit geringem Aufwand schwerste Eingriffe in die Natur ermöglichen. Neben der Zerstörung durch Siedlungen, Verkehr und Industrie stellen im Waldviertel vor allem Flurzusammenlegungen und die Zerstörung von Kleinstrukturen mit Hilfe von Planierraupe und Felssprengungen, um die Flächen mit größeren Maschinen leichter bearbeiten zu können, eine große Gefahr für die Natur und jahrhundertelang gewachsene Kulturlandschaft dar. Wurden Wiesen bis zur Zeit des Zweiten Weltkriegs überhaupt nicht gedüngt und der wertvolle Mist für die Äcker aufgespart, werden heute viele Wiesen intensiv mit Kunstdünger behandelt, früh und oft gemäht, umgebrochen und standortfremde Arten eingesät. Dadurch wird die ursprüngliche, vielfältige Artengesellschaft vernichtet und es entstehen artenarme Intensivwiesen. Eine weitere Gefahr stellt die Aufforstung an allen möglichen und unmöglichen Stellen – wie z.B. in Erlenbachauen – mit ökologisch problematischen Fichtenmonokulturen dar. Die mannigfaltigen und qualitativ hochwertigen Feuchtgebiete sowie die Moore wurden und werden teilweise durch Regulierungen und Trockenlegungen vernichtet. Aufgrund dieser Eingriffe kam es an manchen Orten zu einem deutlichen Rückgang der Habitat- und Artenvielfalt und viele ehemals häufige Arten, wie z.B. Raubwürger, Wachtelkönig, Lämmersalat, Wildkatze und Luchs sind heute gefährdet, vom Aussterben bedroht oder im Gebiet bereits ausgestorben.[6]

Geschichte[Bearbeiten]

Stufenkegel im Waldviertel bei Ober Neustift (Gemeinde Groß Gerungs)
Gehöft bei Langschlag
Stadtplatz von Weitra

Aus dem Pleistozän stammen die ersten nachgewiesenen Spuren des Menschen. Es sind rund 50.000 Jahre alte Werkzeuge und sonstige Hinterlassenschaften des Neandertalers, die in einer Höhle unterhalb der Ruine Hartenstein im Kremstal gefunden wurden. Zahlreiche Nachweise des eiszeitlichen Menschen liegen dann erst wieder für die Zeit der jüngeren Altsteinzeit vor, die 20.000 bis 30.000 Jahre alt sind. Diese Rast- und Siedlungsplätze wurden im südlichen Randbereich des Waldviertels, in der Wachau und in angrenzenden Gebieten (am bekanntesten die Fundorte Krems, Willendorf, Aggsbach, Stratzing), im Kamptal (Gobelsburg, Kammern, Kamegg, Langenlois, Zitternberg) und im Horner Becken festgestellt. Weltberühmt sind die Menschenplastiken von Willendorf und Stratzing. Auch Nachweise der Musikausübung (Flöten von Kammern und Gudenushöhle, jüngere Schichte) sind gefunden worden. Ein eigenes Kapitel sind die zahlreichen Fundstellen des Plateaulehmpaläolithikums in der Thayagegend, hauptsächlich im Land um Drosendorf, deren nähere Datierung innerhalb des Paläolithikums noch umstritten ist.

Spärlich dokumentiert ist derzeit noch der Übergangshorizont zum Neolithikum, das sogenannte Mesolithikum, das durch Fundstellen in Limberg, Kamegg, Horn, Mühlfeld und Rosenburg bekannt geworden ist. Die im 6. Jahrtausend einsetzende bäuerliche Lebensweise („Neolithische Revolution“) ist vor allem im Horner Becken, aber auch um Eggenburg und Weitersfeld durch zahlreiche Siedlungen der ältesten Linearbandkeramik vertreten. Es folgen in denselben Räumen Siedlungsnachweise der Notenkopfkeramik, der Stichbandkeramik, der Bemaltkeramik (Lengyel-Kultur) und endneolithische Erscheinungen (wie Schnurkeramik und Glockenbecherkultur etc.). Das Altneolithikum des Waldviertels ist durch seine zahlreichen anthropomorphen und auch zoomorphen Plastiken (Idole) besonders geprägt. Die um etwa 2000 v. Chr. einsetzende Bronzezeit ist sowohl für die frühen, mittleren als auch späten Abschnitte nachgewiesen (Aunjetitz-, Veterovkultur, Hügelgräberbronzezeit, Urnenfelderkulturen). Bedeutende Siedlungen und Hügelgräber kennt man z. B. von Roggendorf bei Eggenburg, Kamegg, Baierdorf und Theras. Ab etwa 750 v. Chr. ist die Hallstattkultur belegt. Große Siedlungen und Gräberfelder (Gars/Kamp, Maiersch) stammen aus diesem Zeithorizont. Die nachfolgende Latènezeit (späte Eisenzeit) kennt man bereits durch zahlreiche Siedlungen der Frühphase (Typus Kamegg-Poigen-Maiersch). Die Spätphase ist durch Siedlungen, die auch befestigt sein können (Altenburg, Umlaufberg), in Weitersfeld, Oberthürnau, Obermixnitz und Mühlbach am Manhartsberg vertreten.

Ein Grabfund aus Horn zeigt die Ausrüstung des keltischen Kriegers (Lanze, Schwert, Schild). Die Einverleibung der süddanubischen Gebiete in das Reich der Römer mit 15 v. Chr. brachte für die nördlich der Donau gelegenen Gebiete vorerst keine Veränderungen. Im heutigen Waldviertel lebten die Kelten ungestört weiter. Erst die im Laufe des ersten nachchristlichen Jahrhunderts einwandernden Germanen veränderten die kulturelle Landschaft. Ab dem zweiten Jahrhundert siedelten im östlichen Randbereich des Waldviertels Markomannen. Große Siedlungen sind von Horn, Maiersch und Straning bekannt. An geeigneten Orten, wo Raseneisenerz oder Magnetit ansteht, wurden – wie bereits vorher von den Kelten – ausgedehnte Eisenverhüttungsanlagen errichtet. Die größte Anlage erstreckt sich beidseits der Taffa in der Katastralgemeinde Strögen. Mit dem Zusammenbruch der römischen militärischen Ordnung im südlichen Niederösterreich erfolgte eine Veränderung des gesamten Siedlungsraumes. Von den zahlreichen germanischen Stämmen, die Niederösterreich durchzogen, ist im Waldviertel bisher nur wenig gefunden worden.

Es gibt gotische und langobardische Gräber, die meist nur dürftig ausgestattet sind. Nach dem Abzug der Langobarden Mitte des 6. Jahrhunderts nach Italien rückten in Niederösterreich awarische reiternomadische Bevölkerungsgruppen ein. Einige Gräber und Einzelfunde sind dafür auch aus dem Waldviertel bekannt. Die in der Folge einwandernden slawischen Menschengruppen sind etwa ab dem 8. Jahrhundert im Waldviertel spärlich nachweisbar. Im 9. und 10. Jahrhundert gibt es bereits größere slawische Siedlungen und auch befestigte Anlagen, wie die „Schanze“ oberhalb von Thunau am Kamp. Im 11. Jahrhundert wurde das Waldviertel in den planmäßigen Landesausbau einbezogen. Die Rodung des Urwaldes (silva nortica) erschloss neue Siedlungsräume. Es entstanden die ältesten Burganlagen in der Nähe der Dörfer.

Die urzeitliche Besiedlung umfasste hauptsächlich nur die östlichen und südlichen Randgebiete des Waldviertels (Manhartsberggebiet, Bereich der Thaya und Randbereiche des Donautales). Das „Hohe Waldviertel“ war anscheinend nahezu unbesiedelt. Es gibt kaum Anhaltspunkte für Siedlungsplätze und auch nur wenige Einzelfunde in den Bezirken Gmünd und Zwettl.

Die gute Kenntnis der urzeitlichen Besiedlung bzw. der gute Forschungsstand ist der Lokalforschung zu verdanken, die 1837 mit Candidus Ponz, Reichsritter von Engelshofen begann und über Johann Krahuletz, Josef Höbarth, Franz Xaver Kießling, Raimund Bauer, Theobald Wolf, Robert Kammerzell, Friedrich Berg, Ingo Prihoda, Alois Gulder und Hermann Maurer bis in die Gegenwart reicht. Mit der Erforschung des Waldviertels beschäftigt sich auch der Geschichtsverein Waldviertler Heimatbund, der seit 1952 die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift „Das Waldviertel“ und Waldviertel-Bücher in einer Schriftenreihe herausbringt.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Waldviertel auch Ahnengau genannt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Das Waldviertel ist von jeher ein strukturschwaches Landwirtschaftsgebiet. Neben der Landwirtschaft entstand hier sehr zeitig eine Textilindustrie, die sich aus den zahlreichen Kleinwebereien entwickelte. Auf vielen Bauernhöfen stand vorher ein Webstuhl, auf dem die Schafwolle des eigenen Hofes verarbeitet wurde. Speziell Bandwebereien und Flechtereien entstanden hier, die dem Waldviertel auch den Beinamen Bandlkramerland gaben. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war das Waldviertel durch den Eisernen Vorhang stark benachteiligt. Erst durch die Öffnung kann das Waldviertel durch das neue Hinterland ein kleinwenig wirtschaftlich aufholen.

Im Raum Karlstein an der Thaya hatte sich eine Uhrenindustrie gebildet, man nennt diese Region auch „Horologenland“. Österreichs einzige Uhrmacherfachschule ist hier situiert.

Im Jahre 1984 wurde die Waldviertler Schuhwerkstatt in Schrems von Sozialminister Alfred Dallinger ins Leben gerufen. Es war ein Projekt zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ist inzwischen ein international agierender Betrieb. 2009 kaufte die Schuhwerkstatt eine Lagerhalle der insolventen Ergee.

Durch den Holzreichtum einerseits und dem vorhandenen Quarz (oder Kies, wie er hier bezeichnet wird) entstanden aber auch zahlreiche Glashütten, von der sich einige Manufakturen bis heute erhalten haben und heute sowohl einen wirtschaftlichen als auch einen kulturellen Faktor spielen. Sie sind im Verein Glaskunst Waldviertel organisiert, der auch Museen betreibt.[7]

Durch den Rückgang der Landwirtschaft ist die Waldfläche in der Zunahme begriffen. In der ursprünglich textilen Region des Waldviertels sind überhaupt nur mehr wenige Textilbetriebe übrig geblieben; zu den größten gehören die Firma "Herka Frottier" in Kautzen und die Firma „Framsohn Frottier“ in Heidenreichstein.

Im Tourismus setzt man vornehmlich auf sanften Tourismus und Wellnesstourismus wie im Moorbad Harbach, im Sole-Felsen Bad in Gmünd oder im Dungl-Zentrum in Gars am Kamp. Im Unterschied zu anderen Regionen Niederösterreichs hatte das Waldviertel in den vergangenen Jahren einen permanenten Zuwachs im Bereich der Tourismuswirtschaft zu verzeichnen. Allein 2009 stieg die Anzahl der Nächtigungen im Vergleich zum Vorjahr um über 7 Prozent.[8]

Viele landwirtschaftliche Produkte, wie der Waldviertler Graumohn und daraus hergestellte Artikel, werden vermarktet – zum Beispiel im „Mohndorf“ Armschlag. Die Landwirtschaft setzt sehr stark auf Direktvermarktung (Ab-Hof-Verkauf) in den Wiener Bereich. Auch die Fischzucht in vielen Fischteichen, die massiv zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia angelegt wurden, um die immer wieder auftretenden Lebensmittelknappheiten auszugleichen, ist ein Nischenprodukt. Alljährlich zu Weihnachten werden viele Karpfen vor allem für den Wiener Markt abgefischt.

Im nördlichen Waldviertel gibt es den Versuch einer eigenen Regionalwährung, der Waldviertler Regional wird in etwa 200 Unternehmen akzeptiert.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Waldviertler Straße (B 2) und die Kremser Straße (B 37) bilden gemeinsam die Hauptverkehrsadern des Waldviertels. Nachdem die Planungen für eine Autobahn bzw. Schnellstraße verworfen wurden, werden beide Straßen derzeit ausgebaut (Ortsumfahrungen, 2+1 System).

Im Bahnverkehr besitzt das Waldviertel nur wenige Linien. Viele Planungen, wie eine Bahn Groß Gerungs–Zwettl–Donau, Langschlag–Mühlviertel oder Litschau–Nová Bystrice konnten wegen des Ersten Weltkrieges nicht verwirklicht werden. Die wichtigste Strecke ist die Franz-Josefs-Bahn zwischen Wien und Gmünd. Bis in die 1990er Jahre fuhren hier Züge nach Prag und Berlin (Vindobona). Heute ist die Strecke nur noch von regionaler Bedeutung. Die Österreichische Nordbahn übernahm den Hauptteil des Bahnverkehrs in Richtung Tschechien. Auch auf den Nebenbahnen, der Kamptalbahn und der Donauuferbahn, hat die Auslastung in den letzten Jahren abgenommen. Auf den Waldviertler Schmalspurbahnen, der Lokalbahn Göpfritz–Raabs, der Thayatalbahn und der Lokalbahn Schwarzenau–Zwettl–Martinsberg wurde der planmäßige Personenverkehr bereits eingestellt.[9] Um dennoch ein öffentliches Verkehrsnetz anzubieten, verkehren seit dem 21. Dezember 2009 zum bestehenden Busnetz mit dem neu gegründeten Waldviertel-Bus zusätzliche und großteils vertaktete Buslinien für eine stärkere Vernetzung regionaler Zentren. Der Waldviertel-Bus ist eine Initiative des Landes Niederösterreich und umfasst ein Schnellbussystem aus zwei Haupt- (Krems–Gmünd und HornWaidhofen a.d. Thaya) und neunzehn Zubringerlinien, wobei auch regionale Zentren in unmittelbarer Umgebung des Waldviertels angefahren werden (Hollabrunn, Melk oder Retz).[10]

Kultur, Sehenswürdigkeiten, Tourismus[Bearbeiten]

Kulturelle Anziehungspunkte sind neben Krems, dem Kamptal und der Wachau, die Wallfahrtsorte Maria Dreieichen, Maria Taferl und Maria Laach am Jauerling, die Stifte Altenburg, Geras und Zwettl sowie zahlreiche Burganlagen wie etwa Rappottenstein, Ottenstein oder die Rosenburg. Stark besucht ist auch das Ausflugsgebiet rund um die Kampstauseen. Besuchenswerte Museen gibt es in den Städten Horn, Drosendorf-Zissersdorf, Eggenburg, Raabs an der Thaya und Zwettl.

Weiters ist auch die Ysperklamm[11] als Sehenswürdigkeit im südlichen Waldviertel anzuführen. Für Naturliebhaber stehen die verschiedenen Naturparke in Gmünd (Blockheide Gmünd), Dobersberg, Geras, Heidenreichstein (Heidenreichsteiner Moor), Schrems (Hochmoor Schrems mit Unterwasserreich), Kamptal-Schönberg und der skandinavisch anmutende Naturpark Nordwald im Bereich Bad Großpertholz zur Verfügung.

Eisenbahnliebhaber finden im Waldviertel verschiedene touristische Bahnen. Ab Gmünd verkehren die Waldviertler Schmalspurbahnen nach Norden Richtung Litschau mit Abzweig nach Heidenreichstein sowie nach Süden Richtung Groß Gerungs. Ab Drosendorf verkehrt im Sommer die Lokalbahn Retz-Drosendorf Richtung Weinviertel und in der Wachau kann man zwischen Krems und Emmersdorf die Donauuferbahn oder auch Wachauer Bahn nutzen. Am südlichsten Punkt des Waldviertels befindet sich das älteste Donaukraftwerk Österreichs, das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug.

Berge[Bearbeiten]

Der Tischberg ist mit 1063 Metern der höchste Berg des Waldviertels. Der Große Peilstein ist mit 1061 Metern der höchste Berg im Ostrong-Massiv und der höchste Berg des südlichen Waldviertels.

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Bis zum Jahr 1867 war das Waldviertel unter der Bezeichnung Viertel ober dem Manhartsberg auch Verwaltungseinheit[12] bis es auf die Bezirke aufgeteilt wurde.

Politisch war es sogar bis zum Jahr 1992 ein eigener Wahlkreis, bis es auf die einzelnen Bezirke heruntergebrochen wurde.

Söhne und Töchter des Waldviertels[Bearbeiten]

Die Liste bekannter Waldviertler stellt im Waldviertel geborene, hier lebende oder mit dieser Region besonders verbundene Persönlichkeiten der Geschichte und Gegenwart vor.

Literatur[Bearbeiten]

„Waldviertlerhof“ im Österreichischen Freilichtmuseum in Stübing
  • Manfred Enzner: Exulanten aus dem südlichen Waldviertel in Franken. Eine familien- und herrschaftsgeschichtliche Untersuchung. Nürnberg 2001 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 8). ISBN 3-929865-43-2.
  • Franz Eppel, Das Waldviertel. Seine Kunstwerke, historische Lebens- und Siedlungsformen, Salzburg 1963 (mehrere Auflagen).
  • Elfriede M. Klepoch: Das Waldviertel, Sutton 2007. ISBN 978-3-86680-175-2.
  • Eberhard Krauß: Exulanten aus dem westlichen Waldviertel in Franken (ca. 1627–1670). Eine familien- und kirchengeschichtliche Untersuchung. Nürnberg 1997 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 5). ISBN 3-929865-04-1.
  • Georg Kuhr / Gerhard Bauer / Gustav Reingrabner (Hg.): Das Verzeichnis der Neubekehrten im Waldviertel 1652–1654. Codex Vindobonensis 7757 der Nationalbibliothek Wien. Nürnberg 1992 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 3).
  • Birgit Zotz: Das Waldviertel – Zwischen Mystik und Klarheit. Das Image einer Region als Reiseziel. Berlin 2010. ISBN 978-3-89574-734-2.
  • Franz Obendorfer, Franz K. Obendorfer: Gesichter des Waldviertels, Eigenverlag, Mistelbach 2011, ISBN 978-3-200-02119-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Waldviertel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geyer: Atlas Austriacus; 1756 Moll´sche Kartensammlung
  2. [1] Klimadaten von Österreich 1971 – 2000
  3. Tiefsttemperaturen (seit Beginn der Aufzeichnungen)
  4. [2] (PDF; 508 kB) Bernhard Fürst, Cornelia Jöbstl, Iris Wagner: Das Waldviertel
  5. a b  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 127.
  6. a b c Dieter Manhart, Ernst Wandaller: Schatzkammer Waldviertel – Vielfalt als heimlicher Reichtum, Gmünd 2004, ISBN 3-200-00156-9.
  7. Glasregion Waldviertel abgerufen am 11. April 2009
  8. Birgit Zotz: Das Waldviertel – Zwischen Mystik und Klarheit. Das Image einer Region als Reiseziel. Berlin 2010, S. 31-32.
  9. VVNB Infoblatt zur Einstellung Zwettl-Schwarzenau-Waidhofen/Thaya, abgerufen am 18. Dezember 2010. Dieses wurde auch im Zug verteilt.
  10. Der Waldviertel-Bus – Informationsbroschüre (abgerufen am: 3. Februar 2012)
  11. Yspertal, abgerufen am 10. Juni 2010
  12. Niederösterreich abgerufen am 11. Februar 2011

48.51666666666715.25Koordinaten: 48° 31′ N, 15° 15′ O