Kupferphthalocyanin

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Strukturformel
Struktur von Kupferphthalocyanin
Allgemeines
Name Kupferphthalocyanin
Andere Namen
  • Tetrabenzo-5,10,15,20-diaza porphyrin phthalocyanin
  • Kupfer-Phthalocyanin
  • Heliogenblau B
  • Phthalocyanin-Kupfer-II-Komplex
  • Phthalocyaninblau
  • C.I. 74160
  • C.I. Pigment Blue 15
  • C 13
  • CuPc
Summenformel C32H16CuN8
CAS-Nummer
  • 147-14-8
  • 1328-53-6 (chloriert)
PubChem 8978
Kurzbeschreibung

blauer, geruchloser Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 576,07 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,62 g·cm−3 [2]

Schmelzpunkt

>150 °C [1]

Löslichkeit
  • praktisch unlöslich in Wasser[1]
  • löslich in Schwefelsäure[2]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Toxikologische Daten

>15.000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[3]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Kupferphthalocyanin ist eine chemische Komplex-Verbindung zwischen Kupfer und Phthalocyanin. Es ist ein blauer Feststoff, der in Form eines Pulvers oder metallisch glänzender Nadeln vorliegt. Kupferphthalocyanin ist heutzutage das wichtigste blaue Pigment. Es wird unter anderem für Lacke, Kunststoffe und Druckfarben verwendet. Kupferphthalocyaninpigmente besitzen eine hohe Temperaturbeständigkeit und ausgezeichnete Echtheiten gegen Licht, Wetter und chemische Einflüsse.

Geschichte[Bearbeiten]

1927 wurden von Henri de Diesbach und E. von der Weid in der Zeitschrift Helvetica Chimica Acta über die Synthese des Kupferphthalocyanins und dessen Eigenschaften und farbliche Brillanz berichtet, ohne jedoch die wirtschaftliche Bedeutung zu erkennen. 1934 produzierte ICI in Trafford Park (Manchester) das erste Kupferphthalocyanin (CuPc) und brachte es auf den Markt, in Deutschland bekannt unter dem Namen Monastralechtblau B. 1936 kam Bayer mit einem eigenen Herstellungsprozess von CuPc unter dem Handelsnamen Heliogenblau B dazu. Die bisher verwendeten anorganischen Pigmente Ultramarin und Preußisch Blau wurden in den folgenden Jahren weitgehend verdrängt.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Kupferphthalocyanin wird technisch durch Reaktion von Phthalsäureanhydrid mit Kupfer(I)-chlorid und Harnstoff sowie Ammoniumheptamolybdat als Katalysator unter Erhitzen hergestellt. Ein Alternativverfahren ist die thermische Reaktion von Phthalsäuredinitril mit metallischem Kupfer oder Kupfersalzen bei Anwesenheit von Ammoniak oder Harnstoff.

1993 wurden bereits mehr als 10.000 Tonnen pro Jahr produziert.[2] Damit zählt es zu den chemischen Substanzen, die in großen Mengen hergestellt werden („High Production Volume Chemical“, HPVC) und für die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Datensammlung zu möglichen Gefahren („Screening Information Dataset“, SIDS) angefertigt wurde.[2]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Kupferphthalocyanin existiert in elf Modifikationen,[4] von denen drei von wirtschaftlicher Bedeutung sind. Es sind dies die thermisch weniger stabile rotstichige α-Form (C.I. Pigment Blue 15:0, 15:1 und 15:2), die stabile grünstichige β-Form (C.I. Pigment Blue 15:3 und 15:4), sowie die stark rotstichige ε-Form (C.I. Pigment Blue 15:6).

Verwendung[Bearbeiten]

Phthalocyaninblau, übliche Lieferform

Der überwiegende Anteil von Kupferphthalocyanin wird als hochechtes Pigment verwendet. Es ist das in der Menge häufigste Pigment für den blauen Farbbereich in Lacken und Anstrichfarben, Kunststoffen und Druckfarben. So sind etwa die blauen Papiertonnen mit diesem Pigment eingefärbt. Verschiedene, besonders qualitätsüberwachte Marken sind als Farbmittel für Konsumprodukte zugelassen, für den Einsatz in Pflegemitteln, Stempelfarben, Kosmetikartikel und für Lebensmittel-Verpackungsmitteln.

Im Bereich Farben und Lacke sind die α- und die β-Modifikation die standardmäßig verwendeten Pigmente für den Bereich Blau. Die ε-Modifikation hat einen grünlicheren Ton, wirkt aber wegen der instabileren Pigmenteigenschaften in Lacken rötlicher. Dies stellt aufgrund dieses Farbwechsels eine Spezialität für Automobil-Metalliclacke dar.[5]

In Druckfarben ist die β-Modifikation von Kupferphthalocyanin (Pigment Blau 15:3) der Cyan-Standard für den Dreifarbendruck.

Kupferphtalocyanin ist eines der am häufigsten verwendeten Donatormaterialen in organischen Solarzellen, wo es durch seine blaue Farbe auch für einen Großteil der Absorption verantwortlich ist.[6]

Das Zentralatom Kupfer stabilisiert die Verbindung gegen Reduktion, sodass das Cu-Dihydrophthalocyanin nur mit starken Reduktionsmittel erhalten wird und unverzüglich wieder zum blauen Pigment oxidiert. Demgegenüber bildet Kobaltphthalocyanin eine stabile, farblose Dihydro-Verbindung, die gegen mäßige Oxidation stabil ist. Es wird in Dokumentenpapieren als Sicherheitsmerkmal gegen oxidative Verfälschung eingesetzt. Die schwachgefärbte Dihydro-Nickelverbindung wird bereits durch Luftsauerstoff zu einem grünstichigen Blaupigment oxidiert – entsprechend der Stellung im PSE der achten Nebengruppe: Kobalt – Nickel – Kupfer.

Ein kleinerer Teil von Kupferphthalocyanin wird chloriert und als Phthalocyaningrün, das am meisten eingesetzte Pigment im grünen Farbbereich, verwendet. Ebenfalls ein kleinerer Teil wird sulfoniert oder sulfochloriert; diese Verbindungen werden im Wesentlichen zu blauen Dispersionsfarbstoffen mit rötlichem Farbstich und guten Echtheiten weiterverarbeitet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Eintrag zu CAS-Nr. 147-14-8 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 24. Oktober 2007 (JavaScript erforderlich).
  2. a b c d OECD: Screening Information Dataset (SIDS) Initial Assessment Report (SIAR) für Copper Phthalocyanine (PDF), abgerufen am 3. Oktober 2014.
  3. Eintrag zu Kupferphthalocyanin in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)
  4. P. Erk, H. Hengelsberg: Phthalocyanine Dyes and Pigments in Porphyrin Handbook 19 (2003), S. 105–149, ISBN 0-12-393229-7.
  5. W. Herbst, K. Hunger, Industrielle Organische Pigmente, 3. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim 2004.
  6. Yu-Sheng Hsiao, Wha-Tzong Whang, Shich-Chang Suen, Jau-Ye Shiu und Chih-Ping Chen: Morphological control of CuPc and its application in organic solar cells. In: Nanotechnology 2008, 19, 415603 doi:10.1088/0957-4484/19/41/415603