Lückendorf

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50.82916666666714.764166666667415Koordinaten: 50° 49′ 45″ N, 14° 45′ 51″ O

Lückendorf
Gemeinde Oybin
Höhe: 398–515 m
Einwohner: 594 (1990)
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Eingemeindet nach: Oybin
Postleitzahl: 02797
Vorwahl: 035844
Lückendorf Niederdorf: Kirche und Alte Schmiede

Der Luftkurort Lückendorf ist ein Ortsteil von Oybin im Südosten Sachsens, an der Grenze zu Tschechien im Landkreis Görlitz. Bis zur Eingemeindung am 1. Januar 1994 war Lückendorf eine selbständige Gemeinde.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten]

Lückendorf liegt als einziger deutscher Ort auf der Südseite des Zittauer Gebirges. Er erstreckt sich auf einer Höhe von 398 bis 515 m ü. NN. Prägend für Lückendorf ist die unmittelbare Nachbarschaft mit dem zweithöchsten Berg im Zittauer Gebirge, dem Hochwald.

Nach Lückendorf gelangt man von Oybin über den Pass Kammloch sowie von Zittau über Eichgraben, früher B 96, jeweils über die Staatsstraße 133.

Im Niederdorf führt die Gabler Straße, vorbei an der Kirche und dem Gasthof „Alte Schmiede“, zum tschechischen Nachbarort Petrovice (dt. Petersdorf, Gemeinde Jablonné v Podještědí). Der Grenzübergang Lückendorf–Petrovice ist für PKW bis 3,5 Tonnen sowie für Busse zugelassen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein steinernes Beil aus der Zeit zwischen 1700 bis 1500 v. Chr. ist das älteste Zeugnis menschlicher Aktivität auf dem heutigen Territorium Lückendorfs, es kann aufgrund der Fundumstände aber auch erst im Mittelalter hierher gelangt sein. Das Zeichen der ältesten Besiedelung ist ein spätslawischer Gefäßrest aus dem 11./12. Jahrhundert. Lückendorf als Ansiedlung entstand um 1300 unterhalb des Lückendorfer Passes, welcher die günstigste Stelle beim Überqueren des Zittauer Gebirgskammes darstellt. Die Gabler Straße ist eine alte Handelsstraße, die eine wichtige Verbindung zwischen Ostsee und Mittelmeer bzw. Zittau und Deutsch Gabel (Jablonné v Podještědí) in Böhmen darstellte.

1391 findet man die erste urkundliche Erwähnung Lückendorfs. 1691 wurde im Niederdorf die evangelische Dorfkirche erbaut, die wegen ihres üppigen Bauernbarocks bekannt ist.

1859 brachte der Bau der Eisenbahnlinie nach Reichenberg bedeutende Veränderungen. Die Passstraße büßte immens an Bedeutung ein. Der Ort entvölkerte sich zusehends. So sank die Einwohnerzahl zwischen 1834 und 1910 von 571 auf 380 Einwohner.

1893 entdeckten Dresdner Lehrer den Ort und mieteten sich in leere Häuser ein. Damit kamen immer mehr Sommerfrischler in den Ort, der wegen seiner guten Luft bekannt war. 1897 baute der Zittauer Baumeister Fritsche das erste Kurhaus. Es folgten ein Sanatorium (Herzsanatorium Balster), Pensionen und private Ferienzimmer. 1925 wurde der Ort durch eine Autobuslinie mit Zittau verbunden. 1930 hatte fast jedes zweite Haus Ferienzimmer zu vermieten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten ein großes FDGB-Ferienheim (Kretscham) im Niederdorf sowie eines im Oberdorf (FDGB-Ferienheim „Karl Lukas“) jährlich tausende Urlauber nach Lückendorf. Letzteres ist heute Lückendorfs größtes Hotel Hochwaldblick. Der Kretscham und das Kurhaus stehen leer. 1971 wurde Lückendorf staatlich anerkannter Erholungsort.

1994 endete die Selbständigkeit Lückendorfs mit der Eingemeindung nach Oybin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche im Niederdorf
  • barocke Kirche im Niederdorf
  • schönes denkmalgeschütztes Wohnhaus mit Fachwerk neben der alten Barockkirche

Wanderziele und Naturdenkmale[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Teilnehmer beim Lückendorfer Bergrennen

Seit 2000 findet jeweils im August wieder das Lückendorfer Bergrennen statt. Es führt über eine Strecke von vier Kilometern Länge zwischen Zittau-Eichgraben und Oybin-Lückendorf, die 209 Höhenmeter überwindet. Zum ersten Mal ist das Rennen 1923 ausgetragen worden. Damals (z.B. 1932) waren Fahrer wie der "Bergkönig" Hans Stuck, Tom Bullus, der Dresdner Hans Lewy (Teamkollege von Paul Pietsch) oder der "Pechvogel" Manfred von Brauchitsch am Start. Bis auf eine Pause zwischen 1970 und dem Jahr 2000 findet es jeden Sommer statt.

Am Sommerberg sowie am Hochwaldblick gibt es einen Skilift. Auf Grund der Höhenlage ist Lückendorf als Paradies für Skilanglauf bekannt. Der Skilift am Sommerberg ist seit dem Jahr 2006 aufgrund fehlender Gelder nicht mehr in Betrieb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Die südöstliche Oberlausitz mit Zittau und dem Zittauer Gebirge (= Werte der deutschen Heimat. Band 16). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1970, S. 226–229.
  • Thorsten Pietschmann: Die evangelisch-lutherischen Kirchen zu Lückendorf und Oybin. 2. Auflage, Zittau 2009, ISBN 978-3-929744-44-6.
  • Moritz Oskar Sauppe: Die Parochie Lückendorf, in: Georg Buchwald (Hg.): Neue Sächsische Kirchengalerie. Band Die Diöcese Zittau, Strauch, Leipzig 1904, Spalten 349–370. (Digitalisat der SLUB)
  • Cornelius Gurlitt: Lückendorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 29. Heft: Amtshauptmannschaft Zittau (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1906, S. 108.

Weblinks[Bearbeiten]