Lagle Parek

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Lagle Parek (2011)

Lagle Parek (* 17. April 1941 in Pärnu) ist eine estnische Politikerin.

Acht Monate vor ihrer Geburt war Estland der Sowjetunion einverleibt worden. Ihr Vater Karl Parek wurde 1941 vom NKWD festgenommen und im selben Jahr hingerichtet. Im März 1949 wurde Lagle Parek als Siebenjährige zusammen mit ihrer Mutter, der Kunsthistorikerin Elsbet Marek (* 1902), ihrer Schwester Eva (* 1931) und ihrer Großmutter, der estnischen Schauspielerin Anna Markus (* 1878), in die Oblast Nowosibirsk deportiert. Erst 1954/55 konnte die Familie nach Estland zurückkehren.

Lagle Parek studierte anschließend Bauingenieurwesen an der Technischen Universität in Tallinn. Sie arbeitete danach als Architektin für die staatliche Bauverwaltung der Estnischen SSR.

Lagle Park blieb Dissidentin gegen das Sowjetregime. Am 10. Oktober 1981 beteiligte sie sich an einer Petition, die eine atomfreie Zone rund um die Ostsee forderte. Dies und die Veröffentlichung von Artikeln in Emigranten-Publikationen brachten ihr im März 1983 eine Anklage wegen sowjetfeindlicher Agitation und Propaganda ein. Im Dezember 1983 wurde sie zu sechs Jahren Arbeitslager und drei Jahren Verbannung verurteilt. Sie war dann in der bei der mittleren Wolga gelegenen mordwinischen ASSR inhaftiert, wurde aber 1987 vorzeitig freigelassen.

Lagle Parek war 1988 Gründungsmitglied der "Partei der nationalen Unabhängigkeit Estlands" (Eesti Rahvusliku Sõltumatuse Partei). Es war die erste demokratische Partei, die nach der sowjetischen Besetzung Estlands 1940 gegründet wurde. Von 1988 bis 1992 war Lagle Parek Vorsitzende der ERSP. 1992 kandidierte sie vergeblich bei den Wahlen zum estnischen Staatspräsidenten.

Von Oktober 1992 bis November 1993 war Lagle Parek im Kabinett von Ministerpräsident Mart Laar Innenministerin der Republik Estland. Sie gehört heute der konservativen Partei Isamaa ja Res Publica Liit an, in der die Unabhängigkeitspartei aufgegangen ist.

Im November 2007 wurde Lagle Parek wegen ihrer gesellschaftlichen Verdienste zum "Bürger des Jahres" gewählt. Sie lebt heute im katholischen Nonnenkloster von Pirita und ist als Vorstandsvorsitzende der estnischen Caritas tätig.

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