Leberzyste

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Klassifikation nach ICD-10
K76.8 Leberzyste
Q44.7 Kongenitale Leberzyste
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
3 Leberzysten ( eine große, zwei sehr kleine ) in der FDG PET/CT-Darstellung (mit CT-Kontrastmittel, venöse Phase)

Als Leberzyste bezeichnet man einen im Lebergewebe eingebetteten oder ihm aufsitzenden flüssigkeitsgefüllten Hohlraum (Zyste).[1] Leberzysten werden zu den gutartigen (benignen) Tumoren gezählt.

Ähnlich wie bei der Unterscheidung zwischen Nierenzyste (ein harmloser Zufallsbefund mit einer Zyste) und Zystenniere (eine lebensbedrohliche Erkrankung mit einer Vielzahl von Zysten), wird auch bei der Leber zwischen Leberzyste und Zystenleber unterschieden. Leberzysten weisen eine rundliche Form auf, die sich scharf vom restlichen Gewebe abgrenzt und eine zarte Wand aufweist. Leberzysten wachsen im Allgemeinen sehr langsam.

In der angelsächsischen Fachliteratur sind die Begriffe liver cyst oder hepatic cyst oder non-parasitic hepatic cyst (NPHC) für eine Leberzyste gebräuchlich.

Differenzierung[Bearbeiten]

Teilweise wird auch die parasitäre, durch den Dreigliedrigen Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) bedingte, zystische Echinokokkose zu den Leberzysten gerechnet. Der folgende Artikel beschreibt jedoch ausschließlich die nichtparasitären Leberzysten. Für die parasitär bedingte Leberzyste siehe den entsprechenden Hauptartikel.

Die durch den Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) hervorgerufene alveoläre Echinokokkose erzeugt keine Zysten, sondern mikroskopisch kleine, von Bindegewebe umschlossene, Bläschen (Alveolen).

Ätiologie[Bearbeiten]

Oberflächliche Leberzyste des rechten Leberlappens

Die nichtparasitären Zysten können vererbt (kongenital), traumatisch (durch äußere Einwirkung) oder neoplastisch (Neubildung) bedingt sein. Am häufigsten sind Leberzysten erblich bedingt. Sie treten ein- oder mehrkammrig auf. Sie können sich auch als Folge einer intrahepatischen Gallengangsobstruktion bilden. Weniger häufig stellen sie eine Variante einer angeborenen Zystenleber dar. Äußerst selten bilden sich Leberzysten als degenerative Begleiterscheinung einer Leberzirrhose.[2]

Prävalenz[Bearbeiten]

Leberzysten kommen sehr häufig vor und werden meist nur zufällig im Rahmen einer Ultraschall-, MRT oder CT-Untersuchung entdeckt.[3] Bei etwa 2,5[4] bis 18 %[5] aller Patienten die einer allgemeinen sonographischen oder computertomographischen Untersuchung unterzogen werden, werden Leberzysten – meist als Nebendiagnose – festgestellt. Ab einem Alter von über 40 Jahren ist die Inzidenz besonders hoch.[6]

Diagnose[Bearbeiten]

Kleine Zyste des linken Leberlappens

Da eine Leberzyste in den meisten Fällen symptomlos ist, ist sie meist ein Zufallsbefund bei einer Ultraschalluntersuchung. Bei vorhandenen Symptomen oder Komplikationen erfolgt die Diagnose mittels bildgebender Verfahren, meist mittels Ultraschall oder Computertomographie. Dabei können nichtparasitäre von parasitären Leberzysten unterschieden werden.

Komplikationen[Bearbeiten]

Komplikationen werden meist durch große Zysten hervorgerufen, wenn diese die umgebenden Organe verdrängen. Dies ist häufig erst bei einem Zysten-Durchmesser von über 10 cm der Fall. Meist führt dies zu Schmerzen im Oberbauch. Eine Ruptur oder Einblutung der Zyste kann akute starke Schmerzen im Bauchraum hervorrufen.

Eine Infektion der Zyste kann zu Fieber führen. Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen sind seltenere Komplikationen. Wird das intra- oder extrahepatische Gallengangsystem durch den Platzbedarf der Zyste zu stark komprimiert, so kann eine Gelbsucht entstehen.[3] Statistisch betrachtet treten diese Komplikationen meist ab dem 50 Lebensjahr und gehäuft bei Frauen auf.[7]

Therapie[Bearbeiten]

Nur wenn der betroffene Patient durch die Leberzyste bedingte Beschwerden hat, ist eine Operation notwendig. Die Beschwerden werden fast ausschließlich von großen Zysten hervorgerufen, die die umgebenden Organe verdrängen.[3]

Zwei operative Verfahren kommen zur Therapie zum Einsatz. Am einfachsten ist dabei die CT-gestützte Absaugung (Aspiration) der Zystenflüssigkeit. Eine anschließende Injektion des Sklerosierungsmittels Ethoxysklerol oder Alkohol dient der Verödung der Zyste. Bei der Einfachheit des Verfahrens ist die hohe Rückfallrate von bis zu 50 % nachteilig.[3]

Deutlich effektiver ist eine operative Zystenentdeckelung mittels laparoskopischer Chirurgie, einem minimal-invasiven Eingriff. Die Methode wurde erstmals 1991 durchgeführt. Dabei wird nach der Aspiration der Zystenflüssigkeit das Dach der Zyste vollständig entfernt und der verbleibende Hohlraum mit dem körpereigenem großen Netz (Omentum majus) ausgefüllt, das dabei an den Zystenrand genäht wird. Dies unterdrückt die Zystenneubildung. Die Rezidivrate liegt bei etwa 11 %.[3]

Prognose[Bearbeiten]

Eine abgetragene solitäre Leberzyste bedeutet für den betroffenen Patienten eine vollständige Heilung.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. charite.de: Leberzysten eingesehen am 1. November 2008
  2. aerztlichepraxis.de: Leberzyste eingesehen am 2. November 2008
  3. a b c d e charite.de: Minimal-invasive Chirurgie: Leberzysten eingesehen am 2. November 2008
  4. P. A. Gaines u. a.: The prevalence and characterization of simple hepatic cysts by ultrasound examination. In: Br J Radiol 62, 1989, S. 335–337. PMID 2653548
  5. Z. I. Carrim und J. T. Murchison: The prevalence of simple renal and hepatic cysts detected by spiral computed tomography. In: Clin Radiol 58, 2003, S. 626–629. PMID 12887956
  6. M. Caremani u.a.: Ecographic epidemiology of non-parasitic hepatic cysts. In: J Clin Ultrasound 21, 1993, S. 115–118. PMID 12887956
  7. L. van Keimpema u. a.: Aspiration-sclerotherapy results in effective control of liver volume in patients with liver cysts. In: Dig Dis Sci 53, 2008, S. 2251–2257. PMID 18299984

Literatur[Bearbeiten]

Fachbücher[Bearbeiten]

  • A. Hollweger: Ultraschall-kurs. Deutscher Ärzteverlag, 2006, ISBN 3-769-10451-X, S. 63–70.
  • W. Wermke: Sonographische Differenzialdiagnose Leberkrankheiten. Deutscher Ärzteverlag, 2006, ISBN 3-769-10433-1
  • D. Henne-Bruns u. a.: Chirurgie. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 3-131-25293-6, S. 493–494.

Fachartikel[Bearbeiten]

  • L. L. Robbins u. a.: Congenital cyst of liver. In: N Engl J Med 239, 1948, S. 517–519. PMID 18885056
  • M. Rygl u. a.: Congenital solitary liver cysts. In: Eur J Pediatr Surg 16, 2006, S. 443–448. PMID 17211796
  • J. F. Gigot u. a.: The surgical management of congenital liver cysts. In: Surg Endosc 15, 2001, S. 357–363. PMID 11395815
  • J. F. Gigot u. a.: Laparoscopic treatment of nonparasitic liver cysts: adequate selection of patients and surgical technique. In: World J Surg. 20, 1996, S. 556–561. PMID 8661625
  • N. Katkhouda u. a.: Laparoscopic management of benign cystic lesions of the liver. In: J Hepatobiliary Pancreat Surg 7, 2000, S. 212–217. PMID 10982616
  • M. Morino u. a.: Laparoscopic management of symptomatic nonparasitic cysts of the liver. Indications and results. In: Ann Surg 219, 1994, S. 157–164. PMID 8129486
  • P. Charlesworth u. a.: Natural history and long-term follow-up of antenatally detected liver cysts. In: J Pediatr Surg 42, 2007, S. 494–499. PMID 17336186

Dissertationen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


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