Lederrüstung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lederrüstung der Inuit, Museum für Anthropologie und Ethnographie, Sankt Petersburg, Russland

Eine Lederrüstung ist eine Schutzwaffe, die in verschiedenen Zeitaltern und Ländern verbreitet war.

Beschreibung[Bearbeiten]

Leder ist vermutlich einer der ältesten Werkstoffe zur Herstellung von Rüstungen. Die archäologische Forschung kann keine genauen Aussagen über die ersten Verwendungen machen, da keine Fundstücke erhalten sind.

Viele Typen dieser Lederrüstungen können durch ihre andauernde Benutzung in verschiedenen Ländern bis in die heutige Zeit nachverfolgt werden. Dabei existierten nicht lediglich Rüstungen für den Menschen, sondern auch solche, die zum Schutz von Tieren (Beispiel: Rossharnisch) konstruiert waren. Meist wurden verschiedene Rüstungsteile wie Beinschienen, Brustpanzer, Handschuhe, Armschienen, Helme, und Stiefel, sowie komplette Rüstungen für Tiere aus Leder konstruiert. Die Bezeichnung „Kürass“ leitet sich von einem Schutz für den Rumpf aus gekochtem Leder (französisch: cuir) ab, der vielleicht die größte bekannte Annäherung an eine reine Lederrüstung in Europa darstellte. Oft wurde die Lederrüstung für niedere Truppenteile benutzt, da deren Fertigung wesentlich billiger und einfacher war als die Herstellung von Metallrüstungen.

Reine Lederrüstungen lassen sich vor allem außerhalb Europas nachweisen. Sie wurden beispielsweise von den Inuit (Inuit-Rüstung) und den Tschuktschen (Tschuktschen-Rüstung) benutzt. Auch die Skythen benutzten lederne Panzerhemden, die weit und locker geschnitten waren, als Schutz gegen Pfeilbeschuss. Ebenfalls war diese Rüstungsart in Korea (Koreanische Lederrüstung), China (Lolo-Rüstung), Tibet (Tibetischer Rosspanzer), England (Ledermantel (Rüstung), siehe auch Koller (Uniform)), Japan (Kawagasa) und anderen Ländern in Gebrauch.[1]

Material[Bearbeiten]

Gegen eine ausschließliche Panzerung durch Leder spricht, dass Leder einen deutlich geringeren Schutz bietet als Metall. Ein Kettenhemd beispielsweise ist deutlich haltbarer, widerstandsfähiger und obendrein leichter an veränderte Körpermaße anzupassen. Außerdem weicht Leder unter Wassereinwirkung auf und verformt sich beim Trocknen.

Oft wurden die Rüstungen mit anderen Naturmaterialien wie Knochen, Zähnen und Fischschuppen, aber auch mit Platten, Schuppen, Ketten oder Lamellen aus Metall verstärkt. Um das Leder selbst zu verstärken, wurde das Leder durch Kochen gehärtet. Durch Wachs oder Öl wurde das Leder zusätzlich imprägniert, was die Lebenszeit der Rüstungen verlängerte und die Pflege vereinfachte. Oft wurden die gekochten Lederstücke auf Formen aufgezogen, um eine Struktur (Körperform) zu erhalten. Nach dem Erkalten behielt das durch das Kochen verfestigte Leder dann diese Form bei, allerdings wurde das Leder durch diese Behandlung auch sehr steif und damit ähnlich unbequem zu tragen wie Metallrüstungen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Evgeniĭ Vasilʹevich Chernenko, Die Schutzwaffen der Skythen, Prähistorische Bronzefunde, Verlag Franz Steiner Verlag, 2006, ISBN 978-3-515-08659-2
  • Aurel Bongers, Ferne Völker, frühe Zeiten: Afrika, Ozeanien, Amerika, Band 1 von Ferne Völker, frühe Zeiten: Kunstwerke aus dem Linden-museum Stuttgart, staatliches Museum für Völkerkunde, Verlag A. Bongers, 1982, ISBN 978-3-7647-0341-7
  • Charles John Ffoulkes, The Armourer and His Craft, Verlag Cosimo, Inc., 2008, ISBN 978-1-60520-412-3
  • Karl F. Friday, Samurai, warfare and the state in early medieval Japan, Verlag Routledge, 2004, ISBN 978-0-415-32962-0
  • Alexia Bloch, Laurel Kendall, The museum at the end of the world: encounters in the Russian Far East, Verlag University of Pennsylvania Press, 2004, Seite 22, ISBN 978-0-8122-1878-7
  • Jonathan Turk, In the wake of the Jomon: stone age mariners and a voyage across the Pacific, Verlag McGraw-Hill Professional, 2005, Seite 210, ISBN 978-0-07-144902-1
  • Intern. Gesellschaft für Ethnographie, Rijksmuseum van Oudheden te Leiden, International archives of ethnography, Band 9, Verlag P.W.M. Trap, 1896
  • David Crockett Graham, Hartmut Walravens, Alexander Wetmore, David Crockett Graham (1884-1961) as zoological collector and anthropologist in China, Verlag Otto Harrassowitz Verlag, 2006, Seite 121, ISBN 978-3-447-05042-5
  • William Weir, 50 Weapons That Changed Warfare, Verlag Career Press, 2005, Seite 28, ISBN 978-1-56414-756-1
  • Sun Joo Kim, Marginality and subversion in Korea: the Hong Kyŏngnae rebellion of 1812, Verlag University of Washington Press, 2007, Seite 130, ISBN 978-0-295-98684-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. George Cameron Stone, Donald J. LaRocca, A Glossary of the Construction, Decoration and Use of Arms and Armor: in All Countries and in All Times, Verlag Courier Dover Publications, 1999, Seite 51, 52, 53, 54, 59, 60, 63, 98, 152, 172, 290, 312, 619, 655, 680, ISBN 978-0-486-40726-5