Tschuktschen

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Darstellung einer tschuktschischen Familie von Ludwig Choris (1816)

Die Tschuktschen (auch Luoravetlanen, aus der Eigenbezeichnung lg'orawetl'an [ˈɬəɣʔɔˈrawɛˌtɬʔan], dt. „echte Menschen“ aus lgi- „echt“ und 'orawetl'an „Mensch“, russ. Чукча „Tschuktscha“) gehören zu den indigenen Völkern des russischen Fernen Ostens.

Die Mehrzahl von ihnen lebt im Autonomen Kreis der Tschuktschen auf der Tschuktschen-Halbinsel. Einige leben aber auch in angrenzenden Gebieten.

Sprache und Kultur[Bearbeiten]

Insgesamt gibt es etwa 15.000 Tschuktschen. Davon sprechen noch etwa 10.000 die tschuktschische Sprache, eine paläosibirische Sprache. Das einzige im Deutschen bekannte Wort aus der tschuktschischen Sprache ist die Bezeichnung für eine Lachsart (tschuktsch. qetaqet) mit Namen Ketalachs (deutsch auch Hundslachs, lat. Oncorhynchus keta), von welcher der Ketakaviar gewonnen wird.

Traditionell leben die Inlands-Tschuktschen in der Tundra von der Rentierzucht mit großen Rentierherden, der Jagd und dem Fischfang („Rentiertschuktschen“, tschuktsch. cawcw [ˈsawsəw], daher vermutlich auch das russ. Wort Tschuktscha). Die an der Küste des Nordpolarmeeres und der Beringstraße lebenden Tschuktschen („Meerestschuktschen“) betreiben auch Jagd auf Meeressäuger wie Wale und Walrosse. Bekannt sind sie für ihre kunstvollen Schnitzereien aus Walrosselfenbein. Das Haus der Tschuktschen nennt man Jaranga (tschuktsch. яраӈа „Haus“).

Ein in Russland und mittlerweile auch in Deutschland bekannter tschuktschischer Schriftsteller war Jurij Rytchëu (russ. Юрий Рытхэу).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kolonisation der tschuktschischen Gebiete durch die Russen begann im 17. Jahrhundert. Die Tschuktschen leisteten zunächst heftigen Widerstand (1730 schlugen sie eine 400 Mann starke russische Truppe, 1747 wiederholte sich das, so dass die Russen ihre Garnison im Friedensvertrag räumen mussten), konnten der Übermacht aber letztlich nichts entgegensetzen. Die Zahl der Tschuktschen wurde erheblich dezimiert. Zur Zeit der Sowjetunion fand dann eine Russifizierung und Sowjetisierung der Tschuktschen statt, die keine Rücksicht auf ihre traditionelle Kultur nahm. Der größte Teil der bis dahin nomadisch oder teilnomadisch lebenden Tschuktschen wurde in festen Ortschaften angesiedelt, die Kinder lernten Russisch in der Schule, die Erwachsenen mussten bezahlter Arbeit in staatseigenen Betrieben nachgehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Juri Rytchëu: Traum im Polarnebel. Verlag Volk und Welt, Berlin 1973.
  • Tichon Sjomuschkin: Im Land der Tschuktschen. Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1953.

Filme[Bearbeiten]

  • Wo Sibirien endet. Die Tschuktschen am Polarmeer, erschienen in Deutschland 2012, Regie: Rita Knobel-Ulrich

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tschuktschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Tschuktsche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen