Leidensdruck

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Als Leidensdruck wird das subjektive Erleben eines Leids bezeichnet, das beim Betroffenen einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität ausübt. Ein hinreichend großer Leidensdruck stellt eine wichtige Triebfeder für Veränderungen dar und kann den Betroffenen veranlassen, Hilfe zu suchen oder angebotene Hilfe anzunehmen[1].

Einige Lehrmeinungen verkünden, dass ein höherer Leidensdruck nicht zwangsläufig zu positiven Veränderungen führt. Vielmehr müsse der Betroffene erst durch unterstützende Maßnahmen in einen Zustand höherer Lebensqualität versetzt werden, um aus dieser gestärkten Position heraus eigene Aktivitäten zur Besserung seines Zustands entwickeln zu können. Der Begriff ist kein Synonym für Schmerzempfindung, da die Erwartung drohender Nachteile für das Ausmaß des Leidensdrucks häufig eine größere Rolle spielt als das akute Leid.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Ein Beispiel dafür ist der Alkoholismus, bei der die Betroffenen oft erst nach Arbeitsplatz- oder Beziehungsverlust oder gravierenden Gesundheitsschäden einen Leidensdruck ("Persönlicher Tiefpunkt") empfinden, der sie veranlasst, sich Hilfe zu suchen und sich für den Weg der Genesung zu entscheiden. (Alkoholismus ist eine unheilbare Krankheit, von der die Betroffenen durch fortschreitende Alkoholabstinenz ("Trockenheit") zwar genesen, jedoch nie ganz geheilt werden können.)[2]
  • In Theorien der Managementberatung spielt der Begriff des Leidensdrucks als taktisches Moment der Mitarbeiterführung, insbesondere auf dem Gebiet der Verhaltensmodifikation, eine bedeutende Rolle. Hierbei wird davon ausgegangen, dass rationale Einsicht bei Menschen in der Praxis keine Handlungskonsequenzen auslöst. Das abendländische Vorhaben der Aufklärung sei in diesem Sinn letzten Endes gescheitert, wie zuletzt die vergeblichen politischen Ansätze der Studentenbewegung gezeigt hätten; Appelle an die Vernunft verhallten angeblich folgenlos. Moderne Menschenführung sei stattdessen nur über eine Kombination der gezielten Erzeugung von Leidensdruck und des gleichzeitigen Weckens von Hoffnungserwartungen zu realisieren (Prinzip Zuckerbrot und Peitsche), um, aus der Sicht des Managements, Widerstände gegen Veränderungen zu beseitigen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Margraf J., Schneider S. (Hrsg.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie, 2. Auflage, Springer, Stuttgart 2000, ISBN 3540664394.

Berger M. (Hrsg.), Psychische Erkrankungen, 2. Auflage, Urban&Fischer, München, 2004.

  • Walther H. Lechler (Hrsg.), Nicht die Droge ist’s, sondern der Mensch. Santiago-Verlag, Goch 2009, ISBN 978-3-937212-34-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Margraf J., Schneider S., Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 1, 2. Auflage, Springer, 2000, S. 257
  2. Walther H. Lechler (Hrsg.), Nicht die Droge ist’s, sondern der Mensch. Santiago-Verlag, Goch 2009, ISBN 978-3-937212-34-0.