Zuckerbrot und Peitsche

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Zuckerbrot und Peitsche ist eine Redewendung, die eine Form der Einflussnahme auf andere Personen oder Organisationen umschreibt. Übersetzt kann das z. B. heißen: „Gehorche mir und ich werde dir Gutes tun; widersetzt du dich mir, dann wird dir Böses widerfahren.“ Das entscheidende Moment dabei ist, dass die manipulative Einflussnahme aus taktischen Gründen sowohl in angenehmer als auch in unangenehmer Weise für den Betroffenen erfolgt. Die inhaltliche Betonung der Methode liegt auf dem und.

Als Form des Führens und des Feedbacks ist eine Kombination wirkungsvoller als nur Lob (partnerschaftlicher Stil), Gleichgültigkeit (Laissez-faire-Stil) oder nur Tadel (autoritärer Stil). Zuckerbrot und Peitsche kann sich als Sonderfall auch in Gestalt einer double-bind-Störung auswirken.

Geschichte[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Bei der Herstellung von Zucker aus Zuckerrohr wird die Zuckerlösung (ausgepresstes Zuckerrohr) durch erhitzen "eingekocht". Im Topf ganz unten entwickelt sich die größte Hitze, was dazu führt, dass der Zucker karamellisiert. Diesen karamellisierten Zuckerklumpen nennt man Zuckerbrot. Dieses Zuckerbrot wurde oft den Sklaven (als Belohnung) gegeben, die die Arbeiten in der Zuckerfabrik erledigen mussten. Die Sklaven wurden also mit Zuckerbrot belohnt und mit der Peitsche bestraft.

Der Zuckerhut in Rio de Janeiro heißt in wörtlicher Übersetzung Zuckerbrot. Brasilien ist einer der größten Hersteller von Rohrzucker.

Nutzung[Bearbeiten]

Die Redewendung „Zuckerbrot und Peitsche“ wird oft im Zusammenhang mit Bismarcks Politik des 19. Jahrhunderts genannt, welche eine Reaktion auf die stürmische Industrialisierung war. Bismarck führte im gesamten Deutschen Reich eine Sozialgesetzgebung ein, welche eine Kranken-, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung umfasste. Die politische Funktion der von Bismarck veranlassten Sozialgesetzgebung lag darin, die Arbeitermassen der Sozialdemokratie abspenstig zu machen. Bismarcks Strategie, einerseits die sozialistische Bewegung (durch die „Peitsche“ der Sozialistengesetze) zu unterdrücken und gleichzeitig (durch das „Zuckerbrot“ der Sozialpolitik) in den monarchisch-autoritären Obrigkeitsstaat zu integrieren, erwies sich jedoch nur als bedingt erfolgreich.

1930 verfasste Kurt Tucholsky unter seinem Pseudonym Theobald Tiger ein Gedicht mit diesem Titel in der Weltbühne.[1]

Hintergrund[Bearbeiten]

Jeder psychische und physische Vorgang löst Gefühle aus. Es ist ein Erfolgsrezept der Evolution, sich möglichst so zu verhalten und alles zu tun, um positive Gefühle zu erleben und negative zu vermeiden. Deshalb lösen negative Gefühle häufig Abwehrreaktionen wie z. B. Trotz aus. Die Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode besteht nun darin, gezielt sowohl positive Gefühle (z. B. durch Lob) bei gewünschtem Verhalten als auch negative Gefühle (Tadel) bei unerwünschtem Verhalten auszulösen.

Kritik[Bearbeiten]

Zur Schaffung eines Vertrauensverhältnisses ist die Erzeugung negativer Gefühle prinzipiell ungeeignet. Die Peitsche stellt also zumeist eine Drohung dar, die nur selten tatsächlich eingesetzt wird. Von vielen Menschen wird die Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode daher abgelehnt. Drohungen können zu Angst, Furcht und Misstrauen führen bzw. bleiben als leere Drohungen wirkungslos.

Siehe auch: Soziale Sanktion

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Weltbühne, 9. Dezember 1930, Nr. 50, S. 872.