Leinenweberei

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Laichingen Heimatmuseum Webstuhl

Leinenweberei setzt sich aus den Begriffen Leinen (aus Flachs gewonnene Flachsfaser; das Gewebe aus dieser Faser; eine Gewebeart; eine Art des Bucheinbandes) und Weberei (Herstellung von textilen Flächengebilden) zusammen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Textilindustrie gehört zu den ältesten Industriezweigen. Als eine ausgesprochen arbeitsintensive Produktion trug sie wesentlich zum Einfluss einzelner Regionen bei. Wie am Beispiel Laichingen. Im Mittelalter wurde zuerst wild wachsender, später, Mitte des 19.Jahrhunderts selbst angebauter Flachs verarbeitet und verspinnt um diesen im Winter für den Eigengebrauch bzw. als weitere Einnahmequelle zu verwenden.

Berufsbild[Bearbeiten]

Hauptartikel: Weber

Leinenweber verarbeiteten ursprünglich sowohl gesponnenen Flachs als auch Hanf zu Leinwand; seit etwa 1500 wurde Hanf hauptsächlich nur noch für Haustuch, Sack- und Packleinwand, grobe Zeuge wie Segeltuch und Seilwaren verwendet. Im Gegensatz zur Tuchmacherei (Wollweberei), die sich doch meist als städtisches Handwerk etablierte, war die Leinenweberei lange Zeit im ländlichen Raum als Heimgewerbe verbreitet und wurde vielfach von hörigen Bauern und Tagelöhnern betrieben. Leinenweber war im Mittelalter ein hochgeschätztes Gewebe, aus dem nicht nur Hemden und Bettzeug, sondern auch Kleider, Waffenröcke, Satteldecken, Hutbezüge und Paniere verfertigt wurden.

Laichinger Textilindustrie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Textilindustrie

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Folgen des Kriegs in der kleinen Stadt Laichingen, an der Grenze der amerikanischen Besatzungszone, noch sehr zu spüren. Viele der Laichinger Firmen wurden während des Krieges zur Herstellung von kriegsnotwendigen Materialien, wie Fallschirme benutzt oder sogar ganz ausgeräumt um für die Metallindustrie genutzt zu werden. Doch nach Kriegsende bekamen sechs Laichinger Firmen eine Genehmigung der amerikanischen Militärregierung ihre Produktion wieder aufnehmen zu dürfen.

So wurden viele Webstühle wieder aufgebaut und in Gang gesetzt. Als Laichingen in die Französische Besatzungszone überging, mussten die Textilbetriebe viele ihrer Waren als Reparationszahlungen an die französische Besatzungsregierung abgeben. Mit der Währungsreform füllten sich die Schaufenster und auch Laichinger Textilindustrie konnte davon profitieren. Die Nachfrage an Textilien stieg nach dem Krieg enorm an und vor allem Bettwäsche der Laichinger Leinenweber war nun gefragt. Dies führte zu einem regelrechten Aufschwung dieses Industriezweigs. Im Jahre 1948 waren alle Betriebe in Laichingen vollbeschäftigt und daraufhin folgte 1950 bis 1960 eine Welle von Firmengründungen, da jeder an dem Aufschwung teilhaben wollte. In den nächsten 10 Jahren wurden viele Textilwaren in Laichingen hergestellt. Es kristallisierten sich große und namhafte Firmen, wie etwa Pichler Textilien und Wäschekrone Laichingen heraus.

Niedergang[Bearbeiten]

Doch schon in den 1970er Jahren war ein Rückgang der Textilindustrie zu vermerken. Durch vermehrte Importe von Textilien aus „Billiglohnländern“ wurde es für die Leinenweber immer schwerer zu konkurrieren. Viele deutsche Firmen werden aus markttechnischen Gründen gezwungen geringe Teile der Produktion in das nahegelegene Ausland zu verlagern. Außerdem veränderte sich das Kaufverhalten der Menschen zunehmend. So wurde zum Beispiel die 12-teilige Bettwäsche die früher als Aussteuer für junge Frauen in mehrfacher Ausführung gekauft wurde, nun nicht mehr in solch großen Mengen nachgefragt, denn die Menschen machten viel lieber den Führerschein oder kauften sich ein Auto. Die Aussteurer verlor an „Wert“ für die Bevölkerung. Auch das „Haustürengeschäft“, mit welchem die Leinenweber ihre Waren direkt verkauften, wurde verboten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Gräbner: Die Weberei Fachbuchverlag GmbH, Leipzig, 1952
  • Hans Medick: Weben und Überleben in Laichingen 1650 – 1900: Lokalgeschichte als allgemeine Geschichte, Vandernhoeck und Ruprecht, Göttingen 1996
  • Geschichtsverein Laichinger Alb e.V.: Der Leineweber im Blauhemd – Das Laichinger Wirtschaftswunder, Werner Mangold, Geiger-Verlag, 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien