Kleidung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Traditionelle Kleidung der Rai (Nepal)
In Tracht gekleidete Kinder (Griechenland)
Liturgische Kleidung: eine Kasel
Typisches Raver-Outfit der 1990er Jahre

Als Kleidung (auch Bekleidung) wird in einem umfassenden Sinn die Gesamtheit aller Materialien bezeichnet, die als künstliche Hülle den Körper des Menschen mehr oder weniger eng anliegend umgibt (Gegensatz: Nacktheit). Zum einen dient Kleidung dem Schutz vor belastenden Umwelteinflüssen, zum anderen in ihrer jeweiligen Gestaltung der nonverbalen Kommunikation. Damit hat sie sich entsprechend den klimatischen, individuellen und modischen Bedürfnissen des Menschen kultur- und zeitabhängig sehr unterschiedlich entwickelt. Schuhe und Kopfbedeckungen (beispielsweise Helme) werden zur Kleidung gezählt, reine Schmuckgegenstände jedoch nicht, im engeren Sinne auch nicht das Accessoire (als „Beiwerk“ zur Kleidung).

Geschichte[Bearbeiten]

Nach Auffassung des Anthropologen Alexander Pashos lässt sich der geschichtliche Zeitpunkt, seit dem Menschen regelmäßig Kleidung trugen, aus dem Auftreten der Kleiderlaus schätzen. Daraus gefolgert deuten aktuelle Genanalysen auf einen Entstehungszeitraum vor etwa 75.000 Jahren hin.[1] Darüber hinaus existieren jedoch auch andere Auffassungen, nach denen bereits bis vor ca. 650.000 Jahren die Vorfahren des heutigen Menschen Kleidung trugen.[2]

Einer der ältesten Umhänge fand sich in der italienischen Höhle von Arene Candide. Er bestand aus etwa 400 Streifen aus Eichhörnchenfellen und wird auf ein Alter von ca. 23.000 Jahren datiert.[3] Die Kleidung im Mittelalter spiegelte den Platz innerhalb der mittelalterlichen Ständeordnung wider. Unterschiede zwischen den Ständen bestanden meist nur im verwendeten Material und dem dazugehörigen Zierrat. Verfügbare Materialien zur Textilherstellung für die niederen Stände waren Leinen, Hanf, Nessel (diese drei insbesondere zur Verwendung für die Unterbekleidung) und Schafwolle (diese insbesondere für Oberbekleidung). Der höhere Stand konnte auch teure Importstoffe (zum Beispiel aus Seide, besonders wertvoll mit Purpur gefärbt), bessere Textilqualitäten und veredelte Tuche kaufen.

Kleidungsreform[Bearbeiten]

Im Umfeld der Lebensreform-Bewegungen gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland mehrere Ansätze zu einer Reform der Kleidung, wobei sich die ersten Überlegungen auf die Männerkleidung bezogen. Heftige Kontroversen gab es zur Frage, welches Material der Gesundheit besonders zuträglich sei. Gustav Jäger hielt ausschließlich Wolle für geeignet, während Heinrich Lahmann Baumwolle befürwortete und Sebastian Kneipp vor allem Leinen. Jäger gründete ein eigenes Bekleidungsunternehmen für die von ihm entworfene sogenannte Normalkleidung für Männer, die einige Jahrzehnte lang recht erfolgreich auf dem Markt war, im deutschen Sprachraum und auch in England. Er gründete einen eigenen Verein und gab eine monatliche Zeitschrift heraus.

Bedeutung[Bearbeiten]

Physiologische Schutzfunktion und Gefahren[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bekleidungsphysiologie

Kleidung soll den Menschen vor Unterkühlung und Erfrierung (durch Kälte, Nässe, Wind) und vor einem Hitzeschaden oder Sonnenbrand (durch Wärmestrahlung und UV-Licht) schützen und gleichzeitig die Verdunstung des Schweißes beim Schwitzen nicht behindern. Weitergehenden Schutz vor besonderen Risiken bietet spezielle, heute meist normierte Schutzkleidung wie die „kugelsichere Weste“, die Schnittschutzhose für Arbeiten mit der Motorsäge, die Hitzeschutzkleidung oder der Chemieschutzanzug.

Gefahren

Unzweckmäßige Kleidung kann gesundheitsgefährdend sein:

  • ungünstiger Schnitt kann zu engen oder zu fest anliegenden Kleidern führen, die auf Blutgefäße, Nerven oder leicht verletzliche Organe drücken und die die erforderliche Ventilation und Wärmeregulierung verhindern (z. B. beim Schnüren);
  • Benutzung giftiger Substanzen zum Färben (Schweinfurter Grün, Chromgelb und bestimmte Anilinfarben), sie sind besonders gefährlich, wenn sie nur lose mit Stärke aufgelegt sind, wie bei Schleiern und Seidenzeug;
  • Aufnahme organischer Krankheitskeime und Übertragung auf Gesunde (Flanell und dünne Wollstoffe aufgrund ihrer rauen Oberfläche).
  • Feuergefährlichkeit: In Kontakt mit Flammen oder Funken können bestimmte Textilien, vor allem leichte flauschige, schnell abbrennen oder schmelzen und somit zu erheblichen Brandverletzungen führen.[4]

Psychologische Funktion[Bearbeiten]

Darüber hinaus hat Kleidung oft auch noch eine haptische oder sinnliche Erlebnisfunktion. Kleidung ist Genussmittel oder sogar Spielzeug. Darunter fällt der sinnliche Genuss an bestimmten Materialien, Formen und Farben und am Spielen und Experimentieren mit Formen, Farben, Materialien. Beispiele: das Kuscheln in weichen Materialien und die erotisch-sexuell stimulierende Wirkung bei Materialfetischismen (siehe auch Fetischismus), sowie der Genuss einer anmutigen Erscheinung.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Die Länder mit der größten Kleidungsproduktion sind China und Bangladesch.[5]

Soziale Bedeutung – Kommunikationsmittel[Bearbeiten]

Darüber hinaus dient Bekleidung als Zeichen und Kommunikationsmittel, das ein breites Spektrum an Signalen zur Verfügung stellt. Eine sehr einfache Form ist die schlichte Markierung oder Kennzeichnung als beachtenswertes Objekt; so sollen neonfarbene Warnwesten von Straßenarbeitern verhindern, dass ein Arbeiter übersehen wird. Die Bedeutung, die Kleidung im Leben eines einzelnen Menschen hat, ist individuell sehr unterschiedlich, auch abhängig vom gesellschaftlichen Umfeld (und dessen Rollenerwartungen an den einzelnen). Für die einen ist sie unwichtige Äußerlichkeit bzw. pragmatischer Gebrauchsgegenstand, für die anderen wesentlicher Bestandteil ihres Lebens.

Häufig kennzeichnet Kleidung die Mitglieder einer Gruppe als Angehörige dieser Gruppe. Im Sport markiert das Trikot den Träger als Angehörigen einer Mannschaft, so wie einst die Uniform half, Freund und Feind zu unterscheiden. Im Normalfall dient sie nur der Unterscheidung von anderen Gruppen und sagt wenig über die Eigenschaften der Gruppe aus. Das ist bei anderer gruppenspezifischer Kleidung deutlich anders. Beispiele dafür sind neben Sportkleidung in etablierten Vereinsfarben auch die Präsentation von Berufsrollen, Rang- (etwa Uniform des Militärs) und Standesunterschiede (die Abgrenzung bzw. Zugehörigkeit von anderen gesellschaftlichen Gruppen bzw. Individuen).

Auch in der Art der Bedeutung, die der einzelne der Kleidung beimisst, bestehen erhebliche Unterschiede. Sie zeigen sich an den sehr unterschiedlichen Aspekten, auf die der einzelne bei der Wahl seiner Kleidung vorrangig achtet: Mode- Marken-, Stil-, Schönheitsbewusstsein; Gebrauchsfunktionalität; Wohlfühlkomponenten. Dahinter können ganz unterschiedliche Motive stecken (je und /oder): Pragmatismus, Genussstreben, Wunsch nach Integration durch Assimilation, Ausdruck von Gefühlen und Stimmungen, Wunsch nach Wohlbefinden, Imponierverhalten, Ausdruck des eigenen Lebensstils, sozialer Status, Nonkonformismus, Rebellion und anderes.

Weitere Markierungsfunktionen der Kleidung sind ästhetischer Art (teils unbewusst): das Sich-Ausdrücken-Wollen oder das Schmücken des Trägers, aber auch das ästhetisch-ironische Spielen und Experimentieren mit etablierten Formen der Kennzeichnung. Darunter fällt die identifikationsstiftende Komponente der Kleidung einer bestimmten Szene, die je nach Standpunkt als Subkultur bzw. Gegenkultur zum herrschenden Mainstream wahrgenommen werden möchte. So kann auch ersichtlich defekte Kleidung, wie z. B. zerrissene Lederjacken innerhalb der Punkszene oder Flickenjeans der Blueser- oder Kundenszene für die Träger ästhetisch und erfüllend sein, während die allgemeine Meinung den Kleidungsstil eher als unangemessen und abgerissen bezeichnet.

Zeichen der Zugehörigkeit

Die Gründe der Abgrenzung durch Kleidung können gruppenspezifisch sein. So kann man anhand der Kleidung unterscheiden:

Kleidung kann geschlechtsspezifisch, altersspezifisch und/oder standes-/klassen-/kastenspezifisch sein. In den westlichen Industriestaaten begründen die verschiedenen Lebensstile die unterschiedlichen Ausprägungen von und Abgrenzungen durch Kleidung. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Kleidung erfolgt durch die Volkskundliche Kleidungsforschung.

Möglichkeiten der Unterteilung[Bearbeiten]

Kleidung lässt sich unter anderem unterscheiden durch:

Bezeichnungen in der deutschsprachigen Textilbranche[Bearbeiten]

  • DOB – Damenoberbekleidung
  • HAKA – Herren- und Knabenoberbekleidung, ursprünglich eine Abkürzung für Herren-Anzüge / Knaben-Anzüge[6]
  • KIKO – Kinderkonfektion
  • BESPO – Berufs- und Sportbekleidung

Kennzeichnung von Kleidung[Bearbeiten]

Um Auswahl und Pflege der Kleidung zu erleichtern, werden im oder auf dem konfektionsmäßig hergestellten Kleidungsstück meist einige Angaben gemacht:

  • die Marke
  • die Zusammensetzung der Materialien
  • die unterschiedlichen Größe, in Konfektionsgrößen gegliedert
  • Textilpflegesymbole zur Orientierung, wie Kleidung gereinigt und gepflegt werden soll
  • manchmal die Modellbezeichnung des einzelnen Kleidungsstückes

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Joachim Hoffman: Kleidersprache. Eine Psychologie der Illusion in Kleidung, Mode und Maskerade. Ullstein, Frankfurt am Main 1985.
  • René König: Die zweite Haut. Elefantenpress, Berlin 1987
  • Ingrid Loschek: Mode – Verführung und Notwendigkeit. Bruckmann, München 1991.
  • Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5. Aufl., Reclam, Stuttgart 2005.
  • Richard Sennett: Der Körper als Kleiderpuppe. In: Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Fischer, Frankfurt am Main 1982.
  • Roland Barthes: Die Sprache der Mode. (deutsche Übersetzung), Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985.
  • Philipp Zitzlsperger: Dürers Pelz und das Recht im Bild – Kleiderkunde als Methode der Kunstgeschichte. Akademie-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004522-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kleidung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kleidung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Kleidung – Zitate
 Wikisource: Kleidung – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alexander Pashos (Anthropologe), Thema „Kleidung“, Galileo, ProSieben, 1. August 2006
  2. Reed, David (2007). Pair of lice lost or parasites regained: The evolutionary history of Anthropoid primate lice. BMC Biology.
  3. Art. Mantel, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 19, hier: S. 239.
  4. Kinderkleidung: Schnell in Flammen, Stiftung Warentest, 30. Januar 2009.
  5. Sibylle Haas: Textilindustrie hat die Macht. süddeutsche.de, 5. Mai 2013. Zuletzt heruntergeladen 13. Mai 2013.
  6. H wie HAKA, Hamburger Abendblatt, 10. Januar 2011, abgerufen am 27. Juni 2014.