Lotophagen

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Die Lotophagen (griech. Λωτοφάγοι von lotos "Lotus" und phagos "Fresser") sind ein Volk in Homers Odyssee aus der griechischen Mythologie. Das Volk wird auch „Lotosesser“ genannt.

Lotophagen in der Odyssee[Bearbeiten]

Als Odysseus mit seiner Mannschaft an Land geht, schickt er zwei Gefährten aus. Diese werden von den Lotophagen freundlich empfangen. Als Willkommensgeschenk geben sie den Gefährten Lotos. Darauf vergessen die Männer ihre Heimat und den Zweck ihrer Landung. Odysseus muss die zwei Männer in das Schiff zurückzwingen. Danach reisen sie los und kehren nicht mehr zurück.

Odysseus bringt seine Gefährten weg von den Lotophagen

Und neun Tage trieb ich, von wütenden Stürmen geschleudert,
Über das fischdurchwimmelte Meer; am zehnten gelangt’ ich
Hin zu den Lotophagen, die blühende Speise genießen.
Allda stiegen wir an das Gestad’, und schöpften uns Wasser.
Eilend nahmen die Freunde das Mahl bei den rüstigen Schiffen.
Und nachdem wir uns alle mit Trank und Speise gesättigt,
Sandt’ ich einige Männer voran, das Land zu erkunden,
Was für Sterbliche dort die Frucht des Halmes genössen:
Zween erlesene Freund’; ein Herold war ihr Begleiter.
Und sie erreichten bald der Lotophagen Versammlung.
Aber die Lotophagen beleidigten nicht im geringsten
Unsere Freunde; sie gaben den Fremdlingen Lotos zu kosten.
Wer nun die Honigsüße der Lotosfrüchte gekostet,
Dieser dachte nicht mehr an Kundschaft oder an Heimkehr:
Sondern sie wollten stets in der Lotophagen Gesellschaft
Bleiben, und Lotos pflücken, und ihrer Heimat entsagen.
Aber ich zog mit Gewalt die Weinenden wieder ans Ufer,
Warf sie unter die Bänke der Schiff, und band sie mit Seilen.
Drauf befahl ich und trieb die übrigen lieben Gefährten,
Eilend von dannen zu fliehn, und sich in die Schiffe zu retten,
Daß man nicht, vom Lotos gereizt, der Heimat vergäße.
Und sie traten ins Schiff, und setzten sich hin auf die Bänke,
Saßen in Reihn, und schlugen die graue Woge mit Rudern.
Also steuerten wir mit traurigen Seele von dannen.

Homer, Odyssee, IX. Gesang, v. 82–104 (Übersetzung J. H. Voss)

Weitere Berichte über die Lotophagen und Lokalisierung[Bearbeiten]

Die Lotophagen der Odyssee werden auch von anderen antiken Autoren erwähnt. Herodot berichtete über sie im 5. Jahrhundert v. Chr., dass sie an der libyschen Küste westlich der Maken und östlich der Machlyer, in der Nähe der Gindanen lebten. Das Gebiet der Machlyer, die laut Herodot ebenfalls Lotos, aber in geringerem Umfang, verzehrt haben, soll im Westen bis zum Fluss Triton, der in den Tritonsee mündete, gereicht haben. Der Lotos ist nach Herodot eine Frucht von der Größe der Frucht des Mastixbaums, die aber ähnlich süß wie Datteln sei. Die Lotophagen hätten auch Wein daraus hergestellt.[1]

Eratosthenes, ein griechischer Gelehrter aus Alexandria (3. Jahrhundert v. Chr.), meinte, sie seien auf Meninx, heute Djerba, ansässig. Djerba ist nach Meinung heutiger Experten seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern besiedelt.

Mehrere Forscher und Archäologen lokalisieren die Lotophagen an der Großen Syrte.

Motivgeschichte[Bearbeiten]

Das 1832 publizierte Gedicht The Lotos-Eaters von Alfred Lord Tennyson nimmt dieses Motiv auf.

Die Lotophagen spielen eine große Rolle in James Joyces Roman Ulysses. In der ursprünglichen Gliederung, die Joyce am 21. September 1920 an Carlo Linati, den italienischen Kritiker und Übersetzer von Exiles schickte, beziehen sich die Lotophagen als Überschrift auf die zweite Episode im Teil II (Odyssee). In der Lotophagen-Episode holt Bloom im Westland Row Post Office einen an Henry Flower adressierten Brief ab, ein Zeichen seiner verborgenen Korrespondenz mit Martha Clifford [2]. Die Lotophagen sind Vorbild und Gleichnis für das Volk der Iren, speziell der Dubliner Leute.

Ezra Pound greift in seinem Epos The Cantos, das viele Homer-Bezüge enthält, unter anderem auf den Lotophagen-Mythos zurück.

Ein Song von Nick Cave trägt den Titel The Night of the Lotus Eaters (Album Dig!!! Lazarus Dig!!!, 2008).

Auch die schwedische Band Opeth hat einen Song mit dem Titel "The Lotus Eater" (Album "Watershed", 2008) veröffentlicht.

Ein Stück mit Namen The Lotus Eaters gehörte zudem zum Live-Repertoire der Gruppe Dead Can Dance - da es kurz vor der Trennung der Band 1998 entstand, wurde es zunächst nicht veröffentlicht, wurde 2003 aber in eine Best-Of Zusammenstellung mit aufgenommen. Des Weiteren wurde ein Tributalbum für sie nach diesem Titel benannt.

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Herodot, Historien 4, 177f.
  2. Siehe auch H.C. Oeser: James Joyce, Suhrkamp Basisbiographie, S. 95 ff.