Odyssee

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Dieser Artikel behandelt das Epos von Homer; zu weiteren Bedeutungen siehe Odyssee (Begriffsklärung).
Odysseus reicht dem Kyklopen Polyphem eine Schale mit starkem Wein

Die Odyssee (griechisch : ἡ Ὀδύσσεια - hē Odýsseia), neben der Ilias das zweite dem griechischen Dichter Homer zugeschriebene Epos, gehört zu den ältesten und einflussreichsten Dichtungen der abendländischen Literatur. In Schriftform wurde das Werk erstmals im 8. Jahrhundert v. Chr. festgehalten. Es schildert die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg. In vielen Sprachen ist der Begriff „Odyssee“ zum Synonym für eine lange Irrfahrt geworden.

Der Inhalt der Odyssee[Bearbeiten]

Die Odyssee beginnt mit der Anrufung der Muse:[1]

Ἄνδρα μοι ἔννεπε, Μοῦσα, πολύτροπον, ὃς μάλα πολλὰ
πλάγχθη, ἐπεὶ Τροίης ἱερὸν πτολίεθρον ἔπερσε·
πολλῶν δ’ ἀνθρώπων ἴδεν ἄστεα καὶ νόον ἔγνω,
πολλὰ δ’ ὅ γ’ ἐν πόντῳ πάθεν ἄλγεα ὃν κάτα θυμόν,
ἀρνύμενος ἥν τε ψυχὴν καὶ νόστον ἑταίρων.
ἀλλ’ οὔδ΄ ὣς ἑτάρους ἐρρύσατο ἱέμενός περ·
αὐτῶν γὰρ σφετέρῃσιν ἀτασθαλίῃσιν ὄλοντο,
νήπιοι, οἳ κατὰ βοῦς Ὑπερίονος Ἠελίοιο
ἤσθιον· αὐτὰρ ὃ τοῖσιν ἀφείλετο νόστιμον ἦμαρ.
τῶν ἁμόθεν γε, θεά, θύγατερ Διός, εἶπε καὶ ἡμῖν.
Ạndra moi ẹnnepe, Moụsa, polỵtropon, họs mala pọlla
plạnchthē, epeị Troiẹ̄s hierọn ptoliẹthron epẹrse:
pọllōn d'ạnthrōpọ̄n iden ạstea kaị noon ẹgnō,
pọlla d' ho g' ẹn pontọ̄ pathen ạlgea họn kata thỵmon,
ạrnymenọs hēn tẹ psychẹ̄n kai nọston hetaịrōn.
ạll' oud' họ̄s hetaroụs errhỵsato hịemenọs per;
aụtōn gạr spheterẹ̄sin atạsthaliẹ̄sin olọnto,
nẹ̄pioi, hoị kata boụs Hyperịonos Ẹ̄elioịo
ẹ̄sthion; aụtar ho toịsin apheịleto nọstimon hẹ̄mar.
tọ̄n hamothẹn ge, theạ, thygatẹr Dios, eịpe kai hẹ̄min.

In der Übersetzung von Johann Heinrich Voß aus dem Jahr 1781 lauten die Eingangsverse der Odyssee so:

Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
Welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung,
Vieler Menschen Städte gesehn, und Sitte gelernt hat,
Und auf dem Meere so viel unnennbare Leiden erduldet,
Seine Seele zu retten und seiner Freunde Zurückkunft.
Aber die Freunde rettet’ er nicht, wie eifrig er strebte;
Denn sie bereiteten selbst durch Missetat ihr Verderben:
Toren! welche die Rinder des hohen Sonnenbeherrschers
Schlachteten; siehe, der Gott nahm ihnen den Tag der Zurückkunft.
Sage hievon auch uns ein weniges, Tochter Kronions.

In 24 Gesängen, die aus 12.200 solcher Hexameterverse bestehen, erzählt die Odyssee, wie der König der kleinen Insel Ithaka nach zehn Jahren Krieg weitere zehn Jahre umherirrt und nach vielen Abenteuern schließlich als Bettler unerkannt heimkehrt. Er findet sein Haus voller Fremder vor, die sein Eigentum aufzehren, seiner Frau Penelope einreden, er sei tot, und sie zwingen wollen, einen von ihnen zu heiraten. In einem letzten Abenteuer muss Odysseus den Kampf gegen diese Freier bestehen. Eine Parallelhandlung, die „Telemachie“, erzählt, wie Odysseus' und Penelopes Sohn Telemachos die Suche nach dem vermissten Vater aufnimmt.

Die 24 Gesänge[Bearbeiten]

Römisches Fresko zur Odyssee (heute in der Bibliotheca Apostolica des Vatikan), ca. 150–100 v. Chr.
Pieter Lastman, Odysseus und Nausikaa, Ölbildnis, 1619, Alte Pinakothek, München

Um die Spannung stets aufrechtzuerhalten, bedient sich Homer einer sehr komplexen Erzählweise. Er arbeitet zum Beispiel mit Parallelhandlungen, Rückblenden, Einschüben, Perspektiv- und Erzählerwechseln. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt, sondern setzt kurz vor der Rückkehr des Odysseus nach Ithaka ein. Sie gliedert sich wie folgt.

1. bis 4. Gesang: Der Rat der Götter beschließt, Odysseus die Heimkehr zu ermöglichen. Der Götterbote Hermes fordert die Nymphe Kalypso auf, Odysseus, den sie sieben Jahre lang auf ihrer Insel zurückgehalten hat, ziehen zu lassen. Unterdessen begibt sich die Göttin Athene in Odysseus’ Heimat Ithaka, wo seine Frau Penelope von zahlreichen Freiern bedrängt wird, einen von ihnen zu heiraten. In Gestalt des väterlichen Freundes Mentes überredet Athene Odysseus’ Sohn Telemachos, sich auf die Suche nach dem vermissten Vater zu machen.

5. bis 8. Gesang: Auf einem selbstgebauten Floß verlässt Odysseus Kalypsos Insel Ogygia. Doch sein Widersacher, der Meeresgott Poseidon, erregt einen Sturm, in dem das Floß untergeht. Als Schiffbrüchiger rettet sich Odysseus mit letzter Kraft an die Küste Scherias, der Heimat der Phaiaken. Er wird von der Königstochter Nausikaa gastfreundlich aufgenommen.

9. bis 12. Gesang: Im zentralen Teil des Epos erzählt Odysseus zwei Nächte hindurch im Haus des Phaiakenkönigs Alkinoos die Geschichte seiner Irrfahrten (siehe unten: Die Irrfahrten des Odysseus).

13. bis 16. Gesang: Nun werden die beiden Handlungsstränge, die „Telemachie“ und die eigentliche „Odyssee“, zusammengeführt. Odysseus kehrt mit Hilfe der Phaiaken nach Ithaka heim, muss sich aber im Haus des treuen Sauhirten Eumaios verbergen, bis er den Kampf mit den Freiern wagen kann. Hier begegnet er auch dem von seiner erfolglosen Suche zurückgekehrten Telemachos.

Odysseus erschießt seine Gegner

17. bis 20. Gesang: Zu seinem Schutz verleiht Athene Odysseus die Gestalt eines Bettlers. Als solcher kehrt er nach 20 Jahren in sein Haus zurück, wo ihn zunächst nur sein alter sterbender Hund Argos wiedererkennt, später dann auch die alte Magd Eurykleia. Insgeheim bereitet sich Odysseus auf den Kampf mit den Freiern vor.

21. und 22. Gesang: Bei einem Bogenkampf gibt sich Odysseus zu erkennen und tötet mit Hilfe von Telemachos und Eumaios die Freier sowie die Mägde und Knechte, die sich als untreu erwiesen haben.

23. und 24. Gesang: Odysseus sieht nach 20 Jahren seine Frau Penelope wieder. Doch erst nachdem sie ihn mit einer List auf die Probe gestellt hat, erkennt sie in ihm den Gatten. Anschließend besucht Odysseus seinen alten Vater Laërtes. In der Unterwelt preisen Achilleus und Agamemnon, Odysseus’ Mitkämpfer vor Troja, dessen siegreiche Heimkehr. Die Göttin Athene schlichtet den Streit zwischen Odysseus und den Verwandten der getöteten Freier.

Die Irrfahrten des Odysseus[Bearbeiten]

Im Zentrum des Epos steht in den Gesängen 9 bis 12 Odysseus’ eigene Schilderung seiner Abenteuer bis zu seiner Landung auf der Insel der Phaiaken. Dieser eher märchenhafte Teil wird von vielen Forschern für das ursprüngliche Epos gehalten, das später um die einleitende Telemachie und die ausführliche Schilderung des Freiermords am Ende erweitert wurde.

Kikonen, Lotophagen und Kyklopen[Bearbeiten]

Odysseus und seine Gefährten blenden Polyphem. Lakonisch-schwarzfigurige Schale des Reiter-Malers, ca. 565–560 v. Chr.

Nachdem die Ithaker Troja auf zwölf Schiffen verlassen haben, überfallen Odysseus und seine Männer zunächst die mit den Trojanern verbündeten thrakischen Kikonen, werden von diesen aber vertrieben. Dann verschlägt ein Sturm ihre Schiffe weit über Kap Malea, die Südspitze der Peloponnes, und die Insel Kythera hinaus ins Land der Lotophagen, der Lotosesser. Einige Männer kosten von der Frucht, die sie ihre Vergangenheit und ihre Heimat vergessen lässt. Sie müssen daraufhin mit Gewalt auf die Schiffe gebracht werden.

Anschließend landen Odysseus und seine Gefährten auf einer Insel, die von allein lebenden einäugigen Riesen bevölkert ist, den Kyklopen.[2] Einer von ihnen, Polyphem, hält Odysseus und seine Gefährten in seiner Höhle fest und droht, sie nacheinander zu verspeisen. Da die Griechen nicht genug Kraft haben, den Felsen zu bewegen, mit dem Polyphem den Höhleneingang versperrt hat, können sie den Kyklopen nicht töten, sondern müssen ihn überlisten. So stellt sich Odysseus, von Polyphem nach seinem Namen gefragt, in einem Wortspiel als Oudeís vor. Das griechische Οὐδείς (oder Οὖτις / Oútis) ist zum einen ein Kosename für „Odysseus“ und bedeutet zum anderen „Niemand“. Es gelingt ihm, Polyphem betrunken zu machen und ihn dann mit einem glühenden Pfahl zu blenden. Als andere Kyklopen auf Polyphems Schmerzensschreie hin herbeieilen, ruft dieser ihnen zu, „Niemand“ habe ihm etwas angetan, so dass sie wieder umkehren. Um seine Schafe auf die Weide zu lassen, wälzt Polyphem am Morgen den Stein vor seiner Höhle weg, betastet aber die Rücken der Tiere, um zu verhindern, dass die Griechen sich unter die Herde mischen. Indem sie immer drei Schafe zusammenbinden, an deren Bauchfell sich jeweils ein Mann festklammert, können Odysseus und seine Gefährten aber dennoch entkommen. Als Polyphem ihre Flucht bemerkt, schleudert er Felsen in die Richtung, in der er die Schiffe vermutet, verfehlt sie aber. Hochmütig enthüllt Odysseus Polyphem seinen wahren Namen. In seinem Zorn bittet dieser seinen Vater Poseidon, Odysseus auf dem Meer umkommen zu lassen oder zumindest seine Heimkehr zu verhindern.

Aiolos, Laistrygonen, Kirke und Hades[Bearbeiten]

Der Windgott Aiolos, dessen Insel er als nächste anläuft, schenkt Odysseus einen Lederschlauch, in dem alle Winde eingesperrt sind, bis auf den, der seine Schiffe sicher nach Ithaka treiben soll. Doch als Odysseus’ ahnungslose Gefährten kurz vor dem Ziel den Schlauch aus Neugier öffnen, entweichen alle Winde und ihre Schiffe werden zur Insel des Aiolos zurückgetrieben. Dieser verweigert daraufhin jede weitere Hilfe.

Als Nächstes gelangen Odysseus und seine Leute zu den Laistrygonen, einem menschenfressenden Riesenvolk, das elf ihrer zwölf Schiffe vernichtet. Mit seinem letzten Schiff kommt Odysseus zur Insel Aiaia, wo die Zauberin Kirke (Κίρκη, lat. „Circe“, dt. auch „Zirze“) einige seiner Gefährten in Schweine verwandelt. Ihm selbst gelingt es mit Hilfe des Götterboten Hermes, dem Zauber zu entgehen und seine Gefährten zu befreien. Schließlich gewinnt er sogar Kirkes Liebe, die ihn überzeugen will, für immer bei ihr zu bleiben. Die betreffende Zeile ist ein Beispiel für Homers kunstvolle Wortmusik. Indem er sich des Stilmittels der Onomatopoesie, der Lautmalerei, bedient und zahlreiche Vokale und Diphthonge einsetzt, zeigt er schon allein durch den Wortklang, wie Kirke Odysseus „bezirzt“:

αἰεὶ δὲ μαλακοῖσι καὶ αἱμυλιοῖσι λογοῖσι
θέλγει
aíei dé malakoísi kai haímylioísi logoísi
thélgei …
(ímmer jedóch mit weíchen schmeíchelnden Wörtchen …
bezaubert sie)

Trotz Kirkes Liebeswerben beschließt Odysseus nach einem Jahr, die Heimreise fortzusetzen. Die Zauberin rät ihm, zuvor den toten Seher Teiresias im Hades, der griechischen Unterwelt, nach seinem weiteren Schicksal zu befragen.

Im Hades trifft er auch seine inzwischen verstorbene Mutter, Mitkämpfer aus dem Trojanischen Krieg und seinen verunglückten Gefährten Elpenor. Der Seher Teiresias gibt ihm Ratschläge für die Weiterfahrt.

Sirenen, Seeungeheuer, Helios’ Rinder, Kalypso[Bearbeiten]

Die Gefährten des Odysseus rauben die Rinder des Helios (Pellegrino Tibaldi)

Nach dem Besuch in der Schattenwelt segelt er an der Insel der Sirenen vorüber, die mit ihrem betörenden Gesang Seefahrer auf die Klippen und damit in den Tod locken. Um ihnen gefahrlos lauschen zu können, lässt sich Odysseus auf Kirkes Rat hin an den Mastbaum fesseln, seinen Gefährten aber die Ohren mit Wachs verschließen. Anschließend passieren sie eine Meerenge, deren Ufer von zwei Seeungeheuern beherrscht werden, nämlich von der sechsköpfigen, menschenverschlingenden Skylla und von Charybdis, die einen Strudel verursacht, in dem ganze Schiffe versinken. Odysseus lässt seine Gefährten in möglichst großer Entfernung von Charybdis und damit nahe an Skylla vorbeirudern, die sechs von ihnen verschlingt.

Ermattet und ausgehungert erreichen sie schließlich die Insel des Sonnengottes Helios. Trotz Odysseus’ Warnung schlachten die Gefährten dessen heilige Rinder. Zur Strafe kommen sie nach ihrer Abreise allesamt in einem Sturm um. Nur Odysseus kann sich auf die Insel Ogygia der Nymphe Kalypso retten. Diese hält Odysseus sieben Jahre auf ihrer Insel fest und lässt ihn erst auf Geheiß der Götter wieder ziehen. Er baut ein Floß und gelangt trotz eines Sturms, den Poseidon entfacht, nach Scheria, dem Land der Phaiaken, wo die Königstochter Nausikaa ihn nackt am Strand findet. An zwei aufeinanderfolgenden Abenden erzählt Odysseus den Phaiaken und ihrem König Alkinoos seine Geschichte. Anschließend beschenken sie ihn reich und bringen ihn heim nach Ithaka.

Entstehung des Großepos[Bearbeiten]

Büste Homers; aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stammende römische Kopie eines hellenistischen Originals.
British Museum, London

Da die Handlung der Odyssee an die Ilias anschließt, könnten erste mündliche Fassungen des Epos bereits kurz nach den kriegerischen Ereignissen am Ende der Bronzezeit (um 1150 v. Chr.) entstanden sein, die den realen Hintergrund zum Sagenkreis um den Trojanischen Krieg bilden. Mit Sicherheit wurden verschiedene Urfassungen der Odyssee jahrhundertelang durch Sänger - zunächst durch die Aoiden, später durch die Rhapsoden - vorgetragen und durch die mündliche Überlieferung immer wieder verändert. Der metrische Rhythmus der Verse diente dem vortragenden Sänger als Gedächtnisstütze.

In der Forschung wird heute allgemein angenommen, dass verschiedene Kurzepen zur Odyssee dichterisch zusammengefasst wurden. Ursprünglich dürften mindestens zwei verschiedene Geschichten existiert haben: zum einen die des Troja-Heimkehrers Odysseus, der die Freier tötet, welche die Zeit seiner Abwesenheit ausgenutzt haben; zum anderen die abenteuerlichen Seefahrergeschichten, die ihrerseits aus verschiedenen Quellen stammen und erst später Odysseus zugeschrieben wurden. In einer vor-homerischen Urfassung schilderte die Odyssee vermutlich in einfacher zeitlicher Abfolge die Irrfahrten des Helden, seine Heimkehr und den Freiermord.

Die Niederschrift der Odyssee, auf welche die heute bekannte Form des Epos zurückgeht, erfolgte nach weitgehender, aber nicht unumstrittener Forschungsmeinung um 720 v. Chr. Erst dabei könnte der dritte Handlungsstrang hinzugefügt worden sein: die einführenden Gesänge der Telemachie, die Geschichte von der Suche des Telemachos nach seinem Vater. Sie diente dem Zweck, die Spannung zu erhöhen und – durch die Schilderung der Zustände auf Ithaka – Odysseus’ spätere Rache an den Freiern als gerechtfertigt hinzustellen.

Textüberlieferung[Bearbeiten]

Die Überlieferung des Texts, so wie ihn der Dichter der Odyssee im 8. Jahrhundert v. Chr. abgefasst hat, ist schon für die Antike nicht ganz sicher. Von der Odyssee wie von der Ilias dürften schon kurz nach der Niederschrift viele voneinander abweichende Kopien im Umlauf gewesen sein. Die hohe Wertschätzung, die den homerischen Texten schon früh zuteilwurde, führte aber dazu, dass immer wieder textkritische Rekonstruktionen der Urfassung angefertigt wurden; im Athen des Tyrannen Peisistratos Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. geschah dies sogar auf Staatskosten. Bis in frühhellenistische Zeit weisen Papyri jedoch voneinander und von der Athener Version abweichende Textfassungen auf.

Dies änderte sich erst nach der Gründung der Bibliothek von Alexandria durch Ptolemaios I. Soter im Jahr 288 v. Chr. Die Gelehrten Zenodotos von Ephesos, Aristophanes von Byzanz und vor allem Aristarchos von Samothrake, der sechste Vorsteher der Bibliothek, erstellten durch Vergleiche und textkritische Methoden kanonische Fassungen beider Epen, die wahrscheinlich den Athener Versionen entsprachen. Zwar gingen im Laufe der Jahrtausende auch die Schriften der drei Bibliotheksvorsteher weitgehend verloren, doch gehen die Abschriften beider Epen bis zum Ende der Antike und ihre heutige Textgestalt mit einiger Sicherheit auf deren Arbeiten zurück.

Dies hat vor allem mit der bereits erwähnten Verehrung Homers in der gesamten antiken Welt zu tun. Odyssee und Ilias gehörten zum Kern des antiken Bildungskanons, und seit der Tätigkeit der alexandrinischen Bibliothekare wurde auf eine getreue Weitergabe der Texte geachtet. Komplette Abschriften beider Werke aus der Antike sind allerdings nicht erhalten. Zu den ältesten fragmentarischen Textzeugnissen gehören der Londoner Homer-Papyrus aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts sowie der Berliner Homer-Papyrus aus dem 3. Jahrhundert.

Die älteste erhaltene Handschrift des ganzen Homer stammt aus dem Konstantinopel des 12. Jahrhunderts, Inkunabeln - Erstdrucke - liegen aus dem 15. Jahrhundert vor. Zwischen der ersten schriftlichen Fixierung der homerischen Epen und den frühesten Textversionen, die bis heute vollständig erhalten sind, liegen also rund 2000 Jahre. Dennoch geht die Forschung davon aus, dass die heutigen Fassungen dank der Vorarbeit der antiken Gelehrten im Wesentlichen den Texten des 8. Jahrhunderts v. Chr. entsprechen.

Die Frage der Autorschaft[Bearbeiten]

Mit der Veröffentlichung des Werks Prolegomena ad Homerum des Hallenser Altphilologen Friedrich August Wolf im Jahr 1795 setzt die moderne Homer-Forschung ein. Die so genannten Homerischen Fragen, die sich seither stellen, sind bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet worden: Hat Homer dem gesamten Epos seine heutige Form gegeben oder bereits Vorhandenes lediglich redigiert? Hat er nur die Telemachie hinzugefügt? Ist er überhaupt der Dichter der Odyssee gewesen?

Einige Forscher weisen auf den zeitlichen Abstand zwischen der um 750 v. Chr. entstandenen Ilias und der Odyssee hin sowie auf die inhaltlichen Diskrepanzen – hier Kriegsepos mit realistischem Hintergrund, dort märchenhafte Abenteuer – um zu begründen, warum Homer nicht gleichzeitig der Autor beider Werke gewesen sein kann. Andere halten es auf Grund der stilistischen Ähnlichkeiten zwischen beiden Epen durchaus für möglich, dass die Odyssee ein Alterswerk des Ilias-Dichters ist.

Fest steht nur, dass der Odyssee-Dichter sich stilistisch eng an der Ilias orientiert und viele ihrer Formulierungen übernommen hat, so dass er zumindest dem Umfeld Homers zuzuordnen ist. Auch Forscher, die Ilias und Odyssee für Werke zweier verschiedener Autoren halten, bezeichnen beide als „homerische Epen“.

Goethe spottete schon 1795 über die Versuche, Ilias und Odyssee textkritisch zu zergliedern:

„Die Idee mag gut sein, und die Bemühung ist respektabel, wenn nur nicht diese Herren, um ihre schwachen Flanken zu decken, gelegentlich die fruchtbarsten Gärten des ästhetischen Reichs verwüsten und in leidige Verschanzungen verwandeln müssten. Am Ende ist mehr Subjektives, als man denkt, in diesem ganzen Krame.“

Lokalisierungsversuche[Bearbeiten]

Seit Heinrich Schliemanns Ausgrabungen in Troja gilt als erwiesen, dass die Ilias einen realen Hintergrund hatte, auch wenn es in der Forschung weiterhin Diskussionen um Troja gibt. Alle Versuche, auch der Odyssee reale Schauplätze zuzuweisen, waren dagegen stets umstritten, da ihr Stoff über weite Passagen märchenhafte Züge trägt. Aus diesem Grund hat sich schon im 3. Jahrhundert v. Chr. der Geograph Eratosthenes über Versuche einer exakten Lokalisierung einzelner Schauplätze lustig gemacht. Andere Gelehrte, wie Herodot, haben es dennoch versucht. Außer bei wenigen Textstellen, in denen der Dichter tatsächlich existierende Landschaften und Orte nennt – zum Beispiel Thrakien, Kap Malea, Kythera, Ithaka – blieben solche Versuche aber stets Spekulation.

So wurde schon in der Antike die Tunesien vorgelagerte Insel Djerba mit dem Land der Lotosesser identifiziert. Sizilien sollte sowohl die Heimat der Kyklopen als auch die Insel Trinakia des Sonnengottes Helios gewesen sein. Ustica, eine Insel nördlich Siziliens, wurde dem Windgott Aiolos zugeordnet. Die Seeungeheuer Skylla und Charybdis hätten demnach an der Meerenge von Messina und die Laistrygonen an der Südspitze Korsikas gehaust. In der maltesischen Insel Gozo wollten manche Gelehrte das Ogygia der Nymphe Kalypso erkennen. Ein Vorgebirge bei Neapel trägt bis heute den Namen Kap Circeo, aber welche der vorgelagerten Inseln diejenige der Zauberin Kirke gewesen sein soll, ist ebenso umstritten wie alles andere.

In jüngster Zeit vermuten einige Forscher, der Dichter habe die Reise des Odysseus in seine eigene Gegenwart übertragen und als Umschiffung Süditaliens geschildert, das zu seiner Lebenszeit gerade von griechischen Kolonisten besiedelt wurde.[3]

Rezeption[Bearbeiten]

Die Odyssee ist nicht nur eines der ältesten, sondern auch eines der meistbearbeiteten Werke der abendländischen Literatur- und Kulturgeschichte. Sowohl der Stoff – phantastische Irrfahrten und Abenteuer – als auch der Held – der listenreiche aber einsame Dulder, der nach langen Jahren heimkehrt und seine vertraute Welt nicht wiederfindet – sind in literarischen, dramatischen oder musikalischen Werken, bis hin zum modernen Film, immer wieder aufgegriffen worden.

Der Philosoph Theodor W. Adorno sah in Odysseus den ersten modernen Menschentyp in der Literaturgeschichte: Er sei der erste Charakter, der sich nicht den Göttern und dem Schicksal ergebe, sondern – manchmal unter Leugnung seiner Identität – erfolgreich gegen beide ankämpfe und damit zum Herrscher über sein eigenes Geschick werde.[4] Die Leugnung der Identität ist laut Adorno insofern revolutionär, als damit erstmals der schamanistische, identitätsstiftende Charakter des eigenen Namens überwunden werde. Der moderne Mensch müsse wie Odysseus fähig sein, seine Identität aufzugeben, um sie zu erhalten.

Übertragungen[Bearbeiten]

Seit der Renaissance wurde die Odyssee immer wieder in moderne Sprachen übersetzt. Zu den ersten Übertragungen gehören die von Salomon Certon 1604 ins Französische sowie diejenigen von George Chapman (1616) und von Alexander Pope (1713) ins Englische.

Im deutschen Sprachraum gilt die metrische Übersetzung von Johann Heinrich Voß aus dem 18. Jahrhundert ihrerseits als Klassiker. Ihr sprachschöpferischer Einfluss auf das Deutsche wird mit Martin Luthers Bibelübersetzung verglichen. Im 20. Jahrhundert hat Thassilo von Scheffer eine viel beachtete Neuübersetzung vorgelegt. Die bekannteste Prosa-Übertragung ist die von Gustav Schwab aus dem 19. Jahrhundert. Ebenfalls in Prosa gehalten sind die moderneren Fassungen von Dietrich Mülder, Gerhard Scheibner und Wolfgang Schadewaldt. Jüngere metrische Übersetzungen ins Deutsche haben der Heidelberger Altarchäologe Roland Hampe (mit ausführlichem Namensregister) und der Schweizer Altphilologe Kurt Steinmann (mit Stellenkommentar) vorgelegt. Speziell für Kinder und Jugendliche sind in den letzten Jahrzehnten auch mehrere, meist inhaltlich gekürzte, Nacherzählungen vorgelegt worden (siehe weiter unten: Nacherzählungen für Kinder).

Von 1942 bis 1952 übersetzte der Schweizer Mundartautor Albert Meyer alle 24 Gesänge der Odyssee ins Bärndütsche. Im Mai 2008 präsentierte Professor Henri Muller seine sechs Bände umfassende Übersetzung der Odyssee in das Luxemburgische.[5]

Die Odyssee ins Bairische übersetzt wurde am 11. Oktober 2010 im Metropoltheater München von dem Schauspieler Rüdiger Hacker vorgetragen. Der Philologe Otto Kuen hatte in den 1980er Jahren als Vorlage nicht die Voß’sche Übersetzung aus dem Jahr 1781 gewählt, sondern das Original aus dem archaischen Altgriechisch in das Bairische übertragen.

Literarische Bearbeitungen[Bearbeiten]

Die Reihe der Werke, die sich von der Odyssee inspirieren ließen, beginnt schon in der Antike. Der römische Dichter Vergil – zuweilen als „zweiter Homer“ bezeichnet – nahm sie sich zum Vorbild, als er das römische Nationalepos, die Aeneis, schuf. Er schildert darin das Schicksal des trojanischen Helden Aeneas, den es nach der Zerstörung der Stadt ebenfalls in aller Herren Länder verschlägt, bevor er sich in Italien niederlässt und zum mythischen Stammvater der Römer wird.

Vermittelt durch kulturelle Kontakte mit dem persischen Sassanidenreich fanden Elemente der Odyssee in der Spätantike Eingang in die orientalischen Erzählungen aus Tausendundeine Nacht. Ihre Einflüsse sind auch in den arabischen Märchen über Sindbad den Seefahrer erkennbar.

Die Gestalt des Odysseus wurde von vielen Dichtern als Urbild des Menschen an sich verstanden: Neugierig, listig und stets auf der Suche nach Wissen und Erfahrung, gelingt es ihm immer wieder, Gefahren zu meistern. Andererseits muss er, der Willkür der Naturgefahren und der Götter ausgeliefert, „unnennbare Leiden erdulden“. Odysseus gilt daher als literarisches Vorbild für so unterschiedliche Figuren wie GoethesFaust“ oder Jules Vernes Kapitän Nemo, dessen lateinischer Name (deutsch: „Niemand“) der Kyklopen-Episode entnommen ist.

Als literarisch anspruchsvollste, moderne Bearbeitung des Stoffs gilt der Roman Ulysses (engl. für „Odysseus“) von James Joyce. Das 1922 erschienene, stilistisch bahnbrechende Werk gilt als einer der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts. Es schildert einen Tag, den 16. Juni 1904, im Leben des Anzeigenverkäufers Leopold Bloom, der durch Dublin streift, dabei alltägliche Dinge erlebt – die aber exakt mit Odysseus’ Abenteuern korrespondieren – und der spät nachts zu seiner Frau Molly heimkehrt.

In Deutschland griffen nach dem Zweiten Weltkrieg Heimkehrerdramen wie Wolfgang BorchertsDraußen vor der Tür“ das zentrale Thema der Odyssee wieder auf.

Für seinen Bildband „L’Odyssée“, in welchem er die Stationen der Odyssee mit der Kamera nachverfolgte, erhielt der österreichische Fotograf Erich Lessing 1967 den französischen Foto-Buchpreis Prix Nadar.

Zu den Kuriositäten der modernen Homerrezeption zählt u. a. die Theorie von Iman Wilkens, wonach Troja keltischen Ursprungs und im Atlantischen Raum an der Nordseeküste Englands zu verorten sei. Auf dieser Grundlage hat 2003 Clive Cussler den Thriller Trojan Odyssey (dt. Die Troja-Mission, 2006) vorgelegt.

Die Odyssee in Oper, Theater und Film[Bearbeiten]

Auch Opernkomponisten und Filmregisseure haben sich des Stoffs der Odyssee und der Figur ihres Helden immer wieder bedient. Als Themen beliebt waren die Rückkehr des Helden zu Penelope, etwa in Il ritorno d'Ulisse in patria (Die Heimkehr des Odysseus, Venedig 1641) von Claudio Monteverdi, und die Episode bei der Zauberin Kirke, z. B. in Charpentiers Schauspielmusik zu Circé (Paris 1675). Georg Friedrich Händels letzte Oper Deidamia (London 1741) behandelt eine Episode aus Odysseus’ Leben vor dem Trojanischen Krieg.

Der Komponist August Bungert schuf nach der Odyssee in den Jahren 1898–1903 nach dem Vorbild von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen eine ähnliche Tetralogie mit vier Opern unter dem Titel Homerische Welt mit den vier Teilen Kirke, Nausikaa, Odysseus’ Heimkehr und Odysseus’ Tod.

In Gabriel Faurés Oper Penelope spielt Odysseus’ geduldig wartende Frau die Hauptrolle, ebenso in Rolf Liebermanns gleichnamiger Opera semiseria. Neueren Datums sind des Weiteren Luigi Dallapiccolas Oper Ulisse (Odysseus), die 1968 Premiere feierte, sowie Odysseus auf Ogygia von Klaus Michael Arp, uraufgeführt 1988 in Koblenz.

Die Zahl der Verfilmungen der Odyssee oder von Stoffen, die sich an ihr orientieren, dürfte kaum mit Sicherheit festzustellen sein. Bereits in der Stummfilmzeit wurden erste Fassungen gedreht. Mario Camerini schuf 1954 den Monumentalfilm Die Fahrten des Odysseus mit Kirk Douglas in der Titelrolle, der für die damalige Zeit mit beachtlichen Spezialeffekten und Tricktechniken aufwartete. – 1968 wurde die 4-teilige Fernsehserie Die Odyssee produziert. Regie führte Franco Rossi, Hauptdarsteller waren Bekim Fehmiu als Odysseus und Irene Papas als Penelope, während Leonard Steckel als Erzähler beteiligt war. – Eine aktuelle Bearbeitung des Stoffs ist Andrei Konchalovskys Die Abenteuer des Odysseus von 1997, die mit Fantasy-Elementen angereichert wurde.

Jean-Luc Godards Die Verachtung (1963) spielt am Set einer Odyssee-Verfilmung von Fritz Lang (gespielt von Fritz Lang) und verwendet zahlreiche Motive aus Homers Epos.

Stanley Kubricks Science-Fiction-Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum (1968) nach dem gleichnamigen Roman von Arthur C. Clarke folgt der Handlung des Epos nicht chronologisch, sondern ist eine freie, teils stark verfremdende Bearbeitung mit zahlreichen Anspielungen auf das Original. Kubricks Odysseus ist die ganze Menschheit, deren Reise durch die Zeit nach dem ersten Krieg und der Erfindung der ersten Waffe beginnt. Das summende Geräusch des Monolithen im Film entspricht dem verlockenden Sirenengesang in der Odyssee, das Auge des Computers HAL dem des Kyklopen Polyphem. Der Name des Astronauten Dave Bowman (=Bogen-Mann) spielt auf Odysseus als geübten Bogenschützen an.

Auch der Film O Brother, Where Art Thou? von Ethan und Joel Coen greift Elemente der Odyssee auf, z. B. die Sirenen oder den einäugigen Riesen. Die Progressive-Metal-Band Symphony X vertonte auf ihrem sechsten Studioalbum „The Odyssey“ aus dem Jahr 2002 die Irrfahrt von Odysseus in dem über 24-minütigen gleichnamigen Titeltrack.

Die Markus Zohner Theater Compagnie hat das Stück „Odyssee“ 1999 auf die Bühne gebracht. Seit der Uraufführung in Luzern tourt das Stück weltweit.

Die Odyssee als Hörspiel[Bearbeiten]

Im Jahre 1959 produzierte der SDR ein fünfteiliges Hörspiel, mit einer Gesamtlänge von 315’ 15 Minuten. Die Hörspielbearbeitung stammte von Wolfgang Schadewaldt und die Regie führte Gustav Rudolf Sellner.

Im Jahre 1998 produzierten die Regisseurin und Autorin Isabella Mamatis, der Dramaturg Lutz Gübel und der Klangkünstler Peter Tucholski als Autorenproduktion die 9 teilige Serie, 'Die Abenteurer des Odysseus' für Kinder ab 6 Jahre. Als federführender Kooperationspartner trat der DRS auf. Die Sprache wurde von Gümbel und Mamatis aus dem homerischen Hexameter herausgelöst und für junge Hörer neu bearbeitet. Die Dialoge wurden im Hörspielstudio des DRS mit namhaften Schauspielern aufgenommen. Das Hörwerk arbeitet ohne Geräusche, ausschließlich mit dem Klanginstrumentarium von P.Tucholski, und baut Klangräume auf, in die die Sprache situativ eingebettet liegt.

Die Odyssee in der Malerei und als Comic[Bearbeiten]

Szenen der Odyssee waren bereits in der Antike beliebte Gegenstände der Malerei. Seit der Renaissance griffen europäische Künstler das Thema erneut auf, so etwa die Barockmaler Peter Paul Rubens, Claude Lorrain, Jacob Jordaens, Pieter Lastman und Gerard de Lairesse. Im Zeitalter des Klassizismus avancierte die Odyssee zu einem beliebten Motivrepertoire für bildende Künstler. Johann Wolfgang von Goethe rief im Rahmen der Weimarer Preisaufgaben dazu auf, Szenen aus der Odyssee zu illustrieren. Einzigartig in der deutschen Malerei jener Zeit waren die Odysseesäle in der Münchner Residenz. Im Auftrag von König Ludwig I. von Bayern schufen Ludwig Michael Schwanthaler und Johann Georg Hiltensperger 24 Wandbilder analog den 24 Gesängen der Odyssee.[6]. Vom 18. bis 20. Jahrhundert schufen u. a. Künstler wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, William Turner, Johann Heinrich Füssli, Herbert James Draper, Lovis Corinth oder Ernst Marow Werke, die von der Odyssee inspiriert sind.

Der französische Zeichner Georges Pichard (1920–2003)[7] griff die Abenteuer des Odysseus in einer frivolen Comic-Persiflage des homerischen Epos unter dem Titel Ulysse auf. Das Szenario und die Texte stammen von Jacques Lob. Diese recht freie Interpretation des homerischen Stoffes entstand ursprünglich im Auftrag des Club Français du Livre, doch wegen der – für die damalige Zeit – freizügigen Gestaltung erschien das Werk anfangs nur in der italienischen Comic-Zeitschrift Linus. Erst 1969 wagte das Magazin Charlie mensuel einen französischen Abdruck des Werkes. Vier Jahre später war die Geschichte in der Comic-Fachzeitschrift Phoénix zu finden. Dadurch bekam diese Graphic Novel die intellektuellen Weihen, die den Pressezaren Pierre Lazareff 1974 zu dem mutigen Schritt bewog, Ulysse als Fortsetzungsserie in die Tageszeitung France Soir aufzunehmen. 1974 erschien bei Editions Dargaud in Paris als Comic-Album der erste Teil, 1975 der zweite und 1982 bei Editions Glénat in der Collection Mythologie die Gesamtausgabe. Auf Deutsch erschien Ulysse 1972 im Magazin Pip International (2. Jahrgang: Nr. 5 – Odysseus auf der Insel der Sirenen, Nr. 6 – Odysseus bei den Lotophagen, Nr. 7 – Odysseus bei den Herden des Sonnengottes). Neu aufgelegt hat Ulysse das New Yorker Comicmagazin Heavy Metal im November 2006.

Homers Odyssee wurde auch in der Comic-Reihe Illustrierte Klassiker (Heft Nr. 60) adaptiert, gezeichnet von Alex A. Blum (1889–1969).[8] Die deutsche Ausgabe der Serie erschien im Original von 1956 bis 1972 im Bildschriftenverlag (BSV). Die bis heute noch erhältlichen Nachdrucke der Serie erschienen von 1991 bis 2002 im Hethke Verlag, Köln. Die amerikanische Originalausgabe wurde in den 1940er Jahren bei Gilberton Publications in New York verlegt, in der Reihe Classics Illustrated bzw. Classic Comics. Die Serie sollte Kindern und Jugendlichen die wertvollsten Werke der Weltliteratur auf eine anschauliche Art und Weise vermitteln – mehr Informationen dazu finden sich im Buch Understanding Classics Illustrated von Dan Malan bei The Overstreet Comic Book Price Guide (23rd Edition), verlegt von Robert M. Overstreet, Avon Books (1993).

1973/74 veröffentlichte der Dessauer Künstler und Karikaturist Benno Butter seine zweiteilige Comic-Parodie auf Ilias (Klamauk um Helena) und Odyssee (Herrenpartie nach Ithaka), in der er Themen aus dem Alltag eines Soldaten im Zweiten Weltkrieg unter Einbeziehung autobiographischer Motive mit dem antiken Epos verbunden hat.

Werkausgaben[Bearbeiten]

Kritische Ausgaben[Bearbeiten]

  • Homeri Odyssea cum potiore lectionis varietate edidit Augustus Nauck. Pars prior, Berlin 1874.
  • Homeri Odyssea recensuit Arthurus Ludwich. Volumen prius. Editio stereotypa editionis primae (MDCCCLXXXIX), Stuttgart/Leipzig 1889.
  • Homeri operia recognovit brevique adnotatione critica instruxit Thomas W. Allen. Tomus III. Odysseae libros I–XII continens. Editio altera (erste Auflage 1908, zweite Auflage 1917), Oxford 1965.
  • Homeri Odyssea recognovit P. von der Muehll. Editio stereotypa editionis tertiae (MCMLXII) (erste Auflage 1946), Stuttgart 1984.
  • L’Odyssée «Poésie Homérique». Tome I: Chants I–VII. Texte étable et traduit par Victor Bérard. Cinquième édition., Paris 1955. (Mit Übersetzung ins Französische.)
  • Omera Odissea. Volume I (Libri I–IV). Introduzione generale di Alfred Heubeck e Stephanie West. Testo e commento a cura di Stephanie West. Traduzione di G. Aurelio Privitera., Mailand 1981. (Mit Übersetzung in Italienische.)
  • Homeri Odyssea recognovit Helmut van Thiel, Hildesheim/Zürich/New York 1991.

Printausgaben (altgriechisch, deutsch)[Bearbeiten]

Interlineare Übersetzungen[Bearbeiten]

Online-Ausgaben[Bearbeiten]

Griechisch

Englisch

Deutsch

Nacherzählungen[Bearbeiten]

Insbesondere für Kinder und Jugendliche

Anhand von Fotografien

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Eichhorn: Homers Odyssee. Ein Führer durch die Dichtung, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1965
  • Hartmut Erbse: Beiträge zum Verständnis der Odyssee, Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte, Band 13, de Gruyter, Berlin 1972, ISBN 3-11-004045-X
  • Alfred Heubeck: Der Odyssee-Dichter und die Ilias, Palm & Enke, Erlangen 1954.
  • Uvo Hölscher: Die Odyssee. Epos zwischen Märchen und Roman, Beck, München 1988, ISBN 3-406-45942-0
  • Max Horkheimer: Odysseus oder Mythos und Aufklärung, in: Gesammelte Schriften, Band 5, Dialektik der Aufklärung und Schriften 1940–1950, Frankfurt 1987, S. 67–103, ISBN 3-10-031815-3
  • Herbert Hunger u. a.: Die Textüberlieferung der antiken Literatur und der Bibel, dtv, München 1961, 1988, 282 ff, ISBN 3-423-04485-3
  • Reinhold Merkelbach: Untersuchungen zur Odyssee, in: ZETEMATA, Heft 2, München 1996
  • Maria Oikonomou: Kein Held, kein Lied. Re-Lektüren der Homerischen Odyssee im 20. Jahrhundert Thessaloniki, 2004
  • Armin u. Hans-Helmut Wolf: Die wirkliche Reise des Odysseus Zur Rekonstruktion des Homerischen Weltbildes, Langen Müller, München 1983, ISBN 3-7844-1992-5 (Dazu: Strecke vermessen. In: Der Spiegel 41/1968)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: el:Οδύσσεια – Quellen und Volltexte
 Commons: Odyssey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Odyssee – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiversity: Titelblatt und zeitgenössischer Einband der Übersetzung von J. H. Voß (1781) – Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitiert nach Homeri Odyssea recensuit Arthurus Ludwich. volumen prius. editio stereotypa editionis primae (MDCCCLXXXIX), Stuttgart/Leipzig 1998 und buchstabengetreu mit Längen und rhythmischen Betonungen ergänzt.
  2. Der griechischen Originaltext erwähnt ihre Einäugigkeit nicht ausdrücklich, setzt sie jedoch voraus. In der Kunst sind allerdings auch zwei- und dreiäugige Darstellung des Polyphems zu finden. Siehe Kyklopen (bei Homer). In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 2,1, Leipzig 1894, Sp. 1676–1690 (Digitalisat).
  3. Vgl. Armin Wolf, Hans-Helmut Wolf: Die wirkliche Reise des Odysseus. Zur Rekonstruktion des Homerischen Weltbildes. Langen-Müller, 1990 (Erstaufl. 1968), ISBN 978-3-7844-1992-3
  4. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno: Odysseus oder Mythos und Aufklärung, in: Dialektik der Aufklärung, S. Fischer, Frankfurt 1969, Nachdruck als Taschenbuch 1988, ISBN 978-3-596-27404-8
  5. Odyssee in Luxemburgisch
  6. Matthias Memmel: Der Odyssee-Zyklus von Ludwig Michael Schwanthaler für die Münchner Residenz. (LMU-Publikationen/Geschichts- und Kunstwissenschaften, Nr. 32). München 2008
  7. www.lambiek.net/artists/p/pichard.htm
  8. lambiek.net/artists/b/blum_alex.htm
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Dieser Artikel wurde am 31. Juli 2004 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.