Mário Schenberg

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Mário Schenberg (auch Schönberg) (* 2. Juli 1914 in Recife; † 10. November 1990 in Sao Paulo) war ein brasilianischer theoretischer Physiker, Kunstkritiker und Schriftsteller.

Mario Schenberg

Schenberg studierte in Recife und Sao Paulo mit dem Abschluss als Elektroingenieur 1935. Ein Jahr später folgte ein Abschluss in Mathematik und ein Abschluss in Physik, wo er von dem italienischen Physiker Gleb Wataghin beeinflusst war. 1939 ging er nach Europa zu Enrico Fermi in Rom, Wolfgang Pauli in Zürich und Frédéric Joliot-Curie in Paris. 1940 ging er mit einem Guggenheim Stipendium in die USA zu George Gamow an die University of Washington, war am Institute for Advanced Study und bei Subrahmanyan Chandrasekhar ans Yerkes-Observatorium bei Chicago. 1942 kehrte er nach Brasilien zurück und wurde 1944 Professor in Sao Paulo. 1948 war er für fünf Jahre in Brüssel, wo er in der Forschungsgruppe für kosmische Höhenstrahlung von Giuseppe Occhialini arbeitete und mit Ilja Prigogine in Kontakt kam. 1953 bis 1961 leitete er die Physik Fakultät in Sao Paulo. In diese Zeit fiel die Installation des ersten Computers an der Universität Sao Paulo und die Gründung eines Instituts für Festkörperphysik. Er war auch ab den 1950er Jahren im Centro Brasileiro de Pesquisas Físicas (CBPF) aktiv, wo er unter anderem mit Jorge André Swieca zusammenarbeitete. Während der Militärdiktatur verlor er 1969 seine Professur in Sao Paulo, auf die er erst 1979 zurückkehrte.

Er ist für Beiträge zur Astrophysik bekannt, zum Beispiel Kernreaktionen im Vorfeld von Supernovae (Urca Prozeß)[1] oder der Schönberg-Chandrasekhar-Grenzwert der Masse eines Sterns, der noch stabil gegen Kollaps ist, nachdem der Wasserstoff Fusionsbrennstoff verbraucht ist.[2][3]

Während des Aufenthalts von David Bohm in Brasilien in den 1950er Jahren arbeitete er mit diesem über Alternativen zur üblichen Interpretation der Quantenmechanik. Er untersuchte auch geometrische Algebren für mögliche Anwendungen im Formalismus von Quantenmechanik und Quantenfeldtheorie.

Zu seinen Studenten gehörten José Leite Lopes, Jayme Tiomno und Herch Moysés Nussenzveig.

1979 bis 1981 war er Präsident der brasilianischen physikalischen Gesellschaft.

Da er Mitglied der Kommunistischen Partei war und aktiv für diese in der Politik des Staates Sao Paulo (seit den 1940er Jahren), bekam er während der Militärdiktatur Probleme. Er war schon 1964 verhaftet worden, aber auf politischen Druck ausländischer Wissenschaftler wieder freigelassen worden.

Er trat auch als Kunstkritiker hervor.

Ab 2009 wurden seine Gesammelten Wissenschaftlichen Werke in Sao Paulo herausgegeben.

Er war mit Julieta Bárbara Guerrini, der ehemaligen Frau des Dichters Oswald de Andrade, verheiratet und mit der Bildhauerin Lourdes Cedran. Er hatte eine Tochter Ana Clara Guerrini Schenberg, eine Genetikerin.

Ein kugelförmiger Gravitationswellendetektor an der Universität Sao Paulo ist nach ihm benannt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Name stammt von George Gamow nach einem Spielcasino in Rio, auf eine Bemerkung von Schenberg anspielend, dass die Energie im Vorgängerstern der Supernova so schnell verschwindet wie Geld in einem Casino. In Urca lag auch das CBPF.
  2. Darling Encyclopedia of Science
  3. Schönberg, Chandrasekhar On the Evolution of the Main-Sequence Stars, Astrophysical Journal, Band 96, 1942, S.161