Recife

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Recife
-8.0555555555556-34.8911111111114Koordinaten: 8° 3′ S, 34° 53′ W
Karte: Pernambuco
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Recife

Recife auf der Karte von Pernambuco

Basisdaten
Staat Brasilien
Bundesstaat Pernambuco
Stadtgründung 12. März 1537
Einwohner 1.561.659 (2009 Berechnung [1])
   – im Ballungsraum 3.587.000
Stadtinsignien
Brasaorecife.jpg
Band recife.png
Detaildaten
Fläche 219,5 km²
Bevölkerungsdichte 6987 Ew./km²
Höhe m
Stadtgliederung 94 Bairros, 6 Regionen
Gewässer Atlantik, Beberibe, Capibaribe
Postleitzahl 50010 - 52490
Vorwahl (+55) 81
Zeitzone UTC-3
Stadtvorsitz João da Costa
Website www.recife.pe.gov.br
Montagem Recife (3).jpg
Campo das Princesas
Marco Zero
Das bedeutende technische Denkmal, der Ankermast für Luftschiffe (Foto 2007)
Galo da Madrugada
Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Boa Viagem

Recife [ʁeˈsifi] ist die Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco im Nordosten Brasiliens. Sie ist eine Hafenstadt am Atlantischen Ozean und hat 1.533.580 Einwohner.[2] Der Name „Recife“ ist eine Anspielung auf die Felsenriffs, die die Strände der Stadt schützen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend von Recife wurde 1537 von den Portugiesen besiedelt. Zwischen 1630 und 1654 befand sich hier der Hauptstützpunkt und das Handelszentrum der Niederländer, die versuchten, den Portugiesen die Herrschaft über Brasilien streitig zu machen, und die im Nordosten die Kolonie Niederländisch-Brasilien errichteten. Der deutsche Graf und Generalgouverneur Moritz von Nassau, der für die Niederländische Westindien-Kompanie gearbeitet hat, galt als der eigentliche Stadtgründer. Er nannte die Stadt Mauritsstad (Moritzstadt, portugiesisch: Maurícia) und versuchte, die neue Kolonie wirtschaftlich und kulturell weiterzuentwickeln. Die vielen Sümpfe und Inseln wurden von den Niederländern durch das Anlegen von Kanälen bewohnbar gemacht. Aus dieser Zeit sind auch zahlreiche Gebäude erhalten.

1654, nach der Schlacht von Guararapes, mussten die Niederländer die Kolonie aufgeben. Maurícia wurde portugiesisch. 1710 wurde die Stadt in Vila do Recife umbenannt. 1823 wurde Recife anstelle von Olinda Hauptstadt von Pernambuco.

1930 überquerte LZ127 „Graf Zeppelin“ zum ersten Mal nonstop den Südatlantik von Sevilla (Spanien) nach Recife. In Recife befindet sich der Zeppelinturm, an dem die Luftschiffe im Transatlantikverkehr anlegen konnten.

Seit 2009 ist João da Costa von der (PT) Bürgermeister, er wurde 2008 mit 51,54 Prozent (432.707 Stimmen) gewählt.

Recife ist bekannt für seine innovativen Bürgerbeteiligungsprojekte. Im Juni 2011 erhielt Bürgermeister João da Costa von Bundeskanzlerin Angela Merkel den Reinhard-Mohn-Preis. Die mit 150.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt den Bürgerhaushalt der Stadt.

Geographie[Bearbeiten]

Recife liegt am Capibaribe, der hier nach rund 240 Kilometern in den Atlantik mündet. Weitere Flüsse und ein Kanal prägen das Stadtbild. Das historische Zentrum befindet sich auf zwei Inseln, die nur wenige Meter vom Festland entfernt sind. Die Bezeichnung „Venedig des Südens“ kann nachvollzogen werden, ist aber übertrieben.

In der näheren Umgebung gibt es weitere kleinere Flüsse. Die Umgebung ist deswegen recht fruchtbar. Es wird unter anderem Zuckerrohr angebaut. Nach wenigen Kilometern erreicht man die ersten Hügel des brasilianischen Berglandes.

Der Name der Stadt bedeutet „Riff“: Parallel zur Atlantikküste ziehen sich Muschelbänke und Korallenriffe hin. Sie bremsen die Wellen ab und bilden ein natürliches Becken, das wegen des ruhigen Wassers zum Schwimmen geeignet ist.

Zum Stadtgebiet Recifes zählen die Städte Jaboatão dos Guararapes, Olinda, Paulista, Abreu e Lima, Igarassu, Camaragibe, Cabo de Santo Agostinho und São Lourenço da Mata.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf der Insel Ilha Joana Bezerra liegen die Altstadtviertel Santo Antônio und São José. Dort befinden sich der Palácio das Princesas, das klassizistische Teatro Santa Isabel, die 1697 erbaute Igreja da Ordem Terceira de São Francisco und das wichtigste sakrale Bauwerk, die kleine „Goldene Kapelle“ (capela dourada).

Auf dem Festland befindet sich das Museu do Homem do Nordeste, von dem Soziologen und Anthropologen Gilberto Freyre gegründet, das die Kolonialgeschichte und Kultur des Nordostens dokumentiert: Sklaverei, Zuckerherstellung, Handarbeit, Folklore, Bekleidung, Musik.

Das Museu do Estado de Pernambuco enthält Kunstgegenstände und Möbel aus der Kolonial- und Kaiserzeit Brasiliens. In Recife steht die 1636 gegründete Kahal-Zur-Israel-Synagoge, die älteste Synagoge in der Neuen Welt.

Der letzte erhaltene Ankermast für Luftschiffe von Zeppelin befindet sich im Stadtteil Jiquiá in der Nähe der Metrô-Station Mangueira. Er wurde ab 1930 für den transatlantischen Verkehr genutzt. In den letzten Jahren wurde er mehrfach restauriert und soll in ein Landschaftsprojekt der Stadtverwaltung von Recife eingebunden werden.

Der größte Strand der Stadt, Praia da Boa Viagem mit seinen (Fisch-)Restaurants ist das Tourismuszentrum Recifes.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Das Casa da Cultura ist ein ehemaliges Gefängnis. In den 150 Zellen sind heute kleine Kunsthandwerksbetriebe untergebracht, die vor allem an Touristen verkaufen.
  • Der Casa-Forte-Platz wurde 1935 von dem Architekten Burle Marx mit brasilianischen Regenwald-Pflanzen gestaltet. Der Euclides da Cunha-Platz wird dagegen von Pflanzen der lokalen Caatinga, vor allem Kakteen dominiert[3].

Umgebung[Bearbeiten]

In der Nähe von Recife liegt Olinda, eine der ältesten Kolonial-Städte Brasiliens mit barocker Architektur. Olinda wurde 1982 in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Südlich der Stadt liegt ein Industriegebiet mit Brauereien, Verpackung, Autoelektrik, Süßwaren und Textilien. Außerdem gibt es den „Digitalen Hafen“ mit IT-Betrieben, darunter Weltkonzerne wie Sun Microsystems, IBM und Microsoft.

Verkehr[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

örtliche Hochschulen:

Strände[Bearbeiten]

Recife ist für seine Strände berühmt. Der bedeutendste Strand in der Stadt ist Boa Viagem. In der Nähe der Stadt liegen:

  • Gaibu und Calhetas (40 km südlich)
  • Porto de Galinhas, Ipojuca, Pernambuco (60 km südlich)
  • Tamandaré, Barreiros, Pernambuco (110 km südlich)
  • Itamaracá, Pernambuco (40 km nördlich)
  • Maragogi, Alagoas (150 km südlich)
  • Praia de Pipa, Rio Grande do Norte (280 km nördlich)
  • Tambaba, Conde, Paraíba (115 km nördlich)
  • São José da Coroa Grande (30 km südlich)
  • Mangue Seco, 25 km nördlich

Haiangriffe[Bearbeiten]

In Recife fanden seit 1992 50 Haiangriffe statt.[4] 18 Personen wurden getötet, 32 schwer verletzt. Die Todesfälle ereigneten sich vor allem an den Stränden Boa Viagem, Pina und Piedade, hauptsächlich in den frühen Morgenstunden, der bevorzugten Jagdzeit von Haien. Die Angreifer waren hauptsächlich Bullenhaie, welche in den Küstengewässern vor Recife eine größere Population bilden, im geringeren Maße auch Tigerhaie und Hammerhaie.[5]

Menschen gehören nicht zur natürlichen Beute dieser Haiarten. Dass besonders um Recife viele fatale Begegnungen zwischen Hai und Mensch erfolgen, ist mit dem Ausbaggern des Hafens, der Veränderung der Strömungsverhältnisse und Wanderung der Futterfische in die Strandregion sowie dem Entsorgen von Müll im Meer zu erklären.[6]

Statistische Daten[Bearbeiten]

Nach dem IPEA betrug das BIP pro Kopf im Jahr 2002 7822 Real (siehe auch Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf).

Im Jahr 2000 hatte(n):

  • 96,2 % der Einwohner Versorgung durch die städtische Müllabfuhr
  • 88,0 % der Einwohner Zugang zu Leitungswasser
  • 58,1 % der Einwohner einen Kanalanschluss
  • die Einwohner eine durchschnittliche Lebenserwartung von 68,6 Jahren
  • die Stadt 8875 Krankenhausbetten
  • die Kindersterblichkeit betrug 3,8 %

Kriminalität[Bearbeiten]

2005 hatte Recife mit 95,8 Morden pro 100.000 Einwohnern die höchste Mordrate des Landes.[7] Die Mordrate ist doppelt so hoch wie die von Rio de Janeiro.[8] Zwischen 1996 und 2005 wurden im Bundesstaat Pernambuco 42.000 Morde verübt, im Jahr 2006 4638. Vor allem die Favela do Coque auf der Insel Joana Bezerra gilt aufgrund der Armut[9] als eine der gefährlichsten Gegenden der Stadt.[10]

Die Opfer sind hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 29 Jahren.

In Coque, dem Slum von Recife, wo Franklino de Lima starb, töten Kinder nur, um einen guten Platz zum Überfall auf Autofahrer zu verteidigen.“

[11]

Klimatabelle[Bearbeiten]

Recife-Curado
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
103
 
30
22
 
 
144
 
30
23
 
 
265
 
30
23
 
 
326
 
30
23
 
 
329
 
29
22
 
 
390
 
29
22
 
 
386
 
27
21
 
 
214
 
28
21
 
 
123
 
28
21
 
 
66
 
29
21
 
 
48
 
30
22
 
 
65
 
30
22
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Recife-Curado
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 30,2 30,2 30,0 29,7 28,9 28,8 27,3 27,5 28,1 29,0 30,1 30,2 Ø 29,2
Min. Temperatur (°C) 22,4 22,6 22,7 22,6 21,9 21,6 21,1 20,6 20,7 21,4 21,9 22,2 Ø 21,8
Niederschlag (mm) 103 144 265 326 329 390 386 214 123 66 48 65 Σ 2.459
Sonnenstunden (h/d) 7,9 7,5 6,6 6,2 6,0 5,6 5,5 6,7 7,2 8,0 8,9 8,2 Ø 7
Regentage (d) 12 12 16 19 21 22 23 19 15 11 8 9 Σ 187
Wassertemperatur (°C) 27 27 27 27 27 27 26 26 26 26 27 27 Ø 26,7
Luftfeuchtigkeit (%) 73 77 80 84 85 85 85 85 78 76 74 75 Ø 79,8
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
30,2
22,4
30,2
22,6
30,0
22,7
29,7
22,6
28,9
21,9
28,8
21,6
27,3
21,1
27,5
20,6
28,1
20,7
29,0
21,4
30,1
21,9
30,2
22,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
103
144
265
326
329
390
386
214
123
66
48
65
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Musik[Bearbeiten]

Recife gilt als Ursprungsort der folgenden Rhythmen:

Berühmte Einwohner von Recife[Bearbeiten]

Paulo Freire
Naná Vasconcelos

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ana Tereza Sotero Duarte Santos: Die Flächennutzungsplanung als Stadtplanungsinstrument in Brasilien. Eine kritische Analyse am Beispiel der Stadt Recife. Karlsruhe 1986.
  • Jochen Kemner: „Farbige Aufsteiger“ in der Sklavereigesellschaft, Recife und Santiago de Cuba (1850-1888). In: Horst Nitschack (Hrsg.): Brasilien im amerikanischen Kontext. Vom Kaiserreich zur Republik: Kultur, Gesellschaft, Politik. Frankfurt am Main 2005, S. 117-149.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Recife – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] Daten des IBGE, August 2009 (PDF-Format; 5,6 MB)
  2. Daten des IBGE, April 2007 (Microsoft-Excel-Format; 648 kB)
  3. Carlos Smaniotto Costa, Ein Protagonist der brasilianischen Avantgarde, Brasilien feiert den 100. Geburtstag des Gartenarchitekten Roberto Burle Marx. Stadt und Grün/Das Gartenamt 58, 2009/8, S. 53
  4. Recife Brazil: One of the World’s Top 10 Shark Infested Beaches
  5. Boa Viagem, Brasil, gehört zu den 20 Stränden weltweit, wo häufiger Haiangriffe auftreten können, zu den Arten, die an Unfällen beteiligt sind, gehören Bullenhaie (Tubarão-Cabeça-Chata) und Tigerhaie (Tubarão-Tigre), Vida Estilo Terra Networks Brasil Ltda.
  6. Shark Attack Workshop held in Recife, Brazil, from George H. Burgess, Florida Museum of Natural History, The IUCN/SSC Shark Specialist Group
  7. http://www.pebodycount.com.br/ocorrencia/ocorrenciaGrafico.php
  8. Michael Astor: Mord-Moloch Recife. „Die töten einfach nur aus Spaß“; Spiegel-Online, Artikel vom 11. Juli 2008.
  9. http://www.recife.pe.gov.br/pr/secplanejamento/pnud2006/doc/report/pnud/1.%2012-12-05%20-%20Recife%20mescla%20IDH%20da%20%C3%81frica%20e%20da%20Europa.pdf
  10. http://jornalnacional.globo.com/Telejornais/JN/0,,MUL1163310-10406,00.html
  11. http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article913989/Leben-Lachen-und-der-Tod-am-Strassenrand.html