Mühringen

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48.4187777777788.7558055555556418Koordinaten: 48° 25′ 8″ N, 8° 45′ 21″ O

Mühringen
Ehemaliges Gemeindewappen von Mühringen
Höhe: 418 m
Fläche: 4,93 km²
Einwohner: 940 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 1971
Postleitzahl: 72160
Vorwahl: 07483
Karte

Lage von Mühringen in Horb am Neckar

Mühringen mit Schloss Hohenmühringen im Hintergrund
Katholische Kirche in Mühringen
Jüdischer Friedhof Mühringen (Kulturdenkmal)

Mühringen ist ein Stadtteil von Horb am Neckar. Der Ort liegt rund acht Kilometer von der Kernstadt entfernt und zieht sich vom Eyachtal (auf einer Höhe von 401 m ü. NN) den Hang hinauf bis zum Schloss Hohenmühringen. Mühringen hat etwa 1.000 Einwohner.

Es gibt einen Bahnhof der Hohenzollerischen Landesbahn im Tal, die Ortschaft ist Station eines deutschen Jakobswegs.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 3. Mai 786 wurde Mühringen zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Mühringen besitzt einen jüdischen Friedhof, der im Wald zwischen Mühringen und Eyach liegt.[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Seit 1983 erinnert ein Gedenkstein am Aufgang zum Rathaus/Grundschule an die in der NS-Diktatur verfolgte Jüdische Gemeinde Mühringen und ihre beim Novemberpogrom 1938 zerstörte Synagoge.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Mühringer Mikwe, in Eigenleistung durch Privatpersonen vollständig restauriert.
  • Schloss Hohenmühringen – im 16. Jahrhundert auf den Mauern einer Vorgängerbaues errichtet. 1857 erfolgte ein Ausbau im neugotischen Stil.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Nathanael Weil schrieb in seiner Zeit als Rabbiner in Mühringen (1745–1750) den größten Teil seines bekannten Talmud-Kommentars.

Der wohl bekannteste Mühringer ist der Gründer der Berlitz Sprachschulen, Maximilian Delphinius Berlitz, der als David Berlitzheimer am 14. April 1852 in Mühringen zur Welt kam, später nach Amerika auswanderte und dort die weltweit bekannte Sprachschule gründete.

Ein besonders origineller „Mühringer“ scheint der in Mühringen in den Jahren 1873 und 1874 tätig gewesene Rabbinatsverweser Jakob Stern gewesen zu sein. Er brachte es immerhin fertig, nachdem er 1882 mit dem Judentum gebrochen hatte, seinen Bruch dadurch für jedermann sichtbar zu dokumentieren, dass er sich am Sabbat (wohl in Stuttgart?) auf dem Marktplatz vor die Synagoge setzte und dort Schinkenbrötchen aß.

Ein weiterer Mühringer war Freiherr Oskar von Münch, der im Schloss Hohenmühringen residierte. Dieser hatte am 30. Juli 1900 mit seinem Knecht Friedrich Blatt einen Disput und geriet dabei derart in Wut – er scheint sowieso ein recht jähzorniger und streitsüchtiger Zeitgenosse gewesen zu sein –, dass er mit seiner Pistole auf ihn schoss, was naturgemäß ein Gerichtsverfahren nach sich zog. Dieses und diverse weitere Gerichtsverfahren sind in der damaligen Tageszeitung, der „Horber Chronik“, recht gut dokumentiert. Herr von Münch jedoch fühlte sich von den Gerichten schlecht behandelt, weshalb er dann – vermutlich 1910 – eine Rechtfertigungsschrift in Berlin drucken ließ.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Emily C. Rose: Als Moises Kaz seine Stadt vor Napoleon rettete. Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-1436-0
  • 1200 Jahre Mühringen – Ein Geschichts- und Heimatbuch. Ortsverwaltung Horb-Mühringen, Horb 1986
  • „Mühringer Hausgeschichte(n)“ Die Geschichte von Mühringer Häusern und ihren Bewohnern. Vom 18.Jahrhundert bis in unsere Zeit. Gemeindeverwaltung Horb-Mühringen, ISBN 978-3-928213-16-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mühringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Renate Karoline Adler, Nina Michielin: Gräber im Wald: Lebensspuren auf dem jüdischen Friedhof in Mühringen; Dokumentation des Friedhofs der über 300 Jahre in Mühringen ansässigen jüdischen Gemeinde und des Rabbinats Mühringen. Theiss, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1828-5
  2. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I. Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 49
  3. Die Amtsverbrechen des württembergischen Landgerichtsrats Rau und Genossen gegen mich und alle zwecks ihrer Ableugnung amtlich aufgestellten Behauptungen nebst meinen Würdigungen letzterer, Oskar von Münch, Sittenfeld, 1910 - 87 Seiten, Rechtfertigungsschrift des Herrn von Münch