Maßkrug

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Maßkrug mit Brauerei-Emblem
Maßkrüge auf dem Oktoberfest 2006

Ein Maßkrug (kurz: Maß) ist ein Bierkrug, der das Volumen einer Maß fasst. Auf Bairisch und Schwäbisch heißt sie die Mass ([mas], mit kurzem a wie in massig), in anderen Gegenden das Maß ([maːs], mit langem a wie in Maßband). Eine Maß entsprach ursprünglich 1,069 Liter, heute ist es genau ein Liter. In Bayern und Österreich wird der Maßkrug sowohl für Bier als auch für Biermischgetränke (z. B. Radler oder Goasmaß) und andere alkoholische Getränke (z. B. Schneemaß oder Laternmaß) verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die früher üblichen tönernen Maßkrüge (auch als „Keferloher“ bekannt) wurden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmend gegen gläserne ausgetauscht. In Franken und unter Kennern wird jedoch manchmal immer noch der tönerne Maßkrug bevorzugt, da in diesem das Bier länger kühl bleibt. Allerdings erkennt man bei ihnen nicht auf den ersten Blick, ob korrekt eingeschenkt wurde. Wird in Bayern nach einer Maß verlangt („Oa Mass!“, wenn die Anzahl betont wird, ansonsten „a Mass!“), gilt es als selbstverständlich, dass es sich um eine Maß Helles handelt.

Bis 1811 waren im damaligen Königreich Bayern für eine Maß unterschiedliche Mengen definiert (z. B. 1,17 l in Würzburg), die dann mit genau 1,069 Litern Inhalt (bayerische Maß) vereinheitlicht wurde[1] und damit annähernd dem historischen bayerischen Maß (50 Karlskubikzoll, d.h. 1072,327 ml) entsprach.[2] 1871 (nach anderer Quelle am 29. April 1869) wurde die Maß mit der Gründung des Deutschen Reich auf das metrische Einheitensystem umgestellt und endgültig auf genau einen Liter festgelegt. Danach verblieben bis mindestens 1885 noch Hersteller, die Maßkrüge nach dem alten Maß fertigten.[1]

Besonders bekannt ist der Oktoberfest-Maßkrug, ein Sammlerkrug, der für das Münchner Oktoberfest jährlich neu gestaltet wird und das Plakatmotiv des Oktoberfests zeigt. Im Gegensatz zum gläsernen Maßkrug, in dem das Bier in den Festzelten ausgeschenkt wird, ist der Oktoberfest-Maßkrug aus Steinzeug.

Die traditionellen tönernen Maßkrüge können zusätzlich mit einem Zinndeckel versehen sein. Um diesen besser befestigen zu können, befindet sich am Henkel des Kruges immer eine Einkerbung, auch wenn der Krug keinen Deckel besitzt. Dieses Gestaltungsmerkmal sieht man auch noch bei den neueren Maßkrügen aus Glas. Es handelt sich also entgegen einer landläufigen Meinung nicht um eine Sollbruchstelle, um die Verletzungsgefahr bei Schlägereien zu verringern.

An den gläsernen Maßkrügen befinden sich so genannte „Augen“, runde Vertiefungen, die dazu dienen, dem Glaskörper mehr Stabilität und eine angenehmere Optik zu geben. Entgegen häufiger Ansicht sind die Augen nicht dazu gedacht, beim Anstoßen ein Wegrutschen der Finger zu vermeiden. Da das Umfassen des Maßkruges durch den Henkel hindurch beim Anstoßen die Gefahr birgt, die Finger zwischen zwei anstoßenden Krügen einzuklemmen, ist dies naheliegend. Daher greift der Erfahrene den Maßkrug zum Zwecke des Anstoßens ausschließlich am Henkel.

Die Augen können als Maßstab (nicht zu verwechseln mit Augenmaß) genutzt werden: So ist es üblich, beispielsweise das Mischungsverhältnis einer Radlermaß durch die Anzahl von Augen für die Zitronenlimonade zu definieren, etwa „Eine Radlermaß mit zwei Augen Limonade, bitte!“.

Herkunft[Bearbeiten]

Die Maßkanne war im 19. Jahrhundert eine europaweit anerkannte Maßeinheit und entsprach 1,069 Liter,[3] somit ist „eine Maß“ einfach als „eine Volumeneinheit“ zu verstehen.

Der Maßkrug als Schlagwerkzeug[Bearbeiten]

Nach Aussagen des Physikers Erich Schuller vom Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München handelt es sich bei einem Maßkrug um ein „effektives Schlagwerkzeug“, bei dem jeder Schlag potentiell lebensgefährlich sei: Durch die Masse von 1,3 Kilogramm entstehe bei einem heftigen Schlag eine Kraft von 8500 Newton, ein menschlicher Kopf breche jedoch im Scheitelbereich schon bei 4000 Newton. Trotzdem gebe es immer wieder Fälle, in denen der Krug nachgebe. Vermutlich handele es sich dabei um Krüge, die durch Abnutzung eine verringerte Festigkeit aufweisen.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vom Keferloher zur Wiesn-Maß. Mittelbayerische Zeitung, 22. September 2008
  2. Robert Krusche: Am Ursprung der Rezat: Historisches von und um Oberdachstetten. Auszüge bei Google Books
  3. http://home.fonline.de/fo0126//geschichte/groessen/mas2.htm
  4. "Effektives Schlagwerkzeug" - Interview mit dem Physiker Erich Schuller, Institut für Rechtsmedizin der LMU München, in: SPIEGEL 39/2010, Seite 149