Manfred Gnädinger

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Man von Camelle (Manfred Gnädinger)
Manfred Gnädinger im Jahr 1998

Manfred Gnädinger (* 27. Januar 1936 in Böhringen; † 28. Dezember 2002 in Camelle, Galicien) - bekannt als O Alemán oder Man - war ein deutscher Einsiedler und Bildhauer, der in Camelle an der Costa da Morte in Galicien lebte. Sein einfaches und naturbezogenes Leben verbrachte er mit Gartenarbeit und dem Bau von Skulpturen am Strand.

Eremit und Bildhauer[Bearbeiten]

Manfred Gnädinger kam im Jahr 1962 in den kleinen Ort Camelle. Woher er kam ist unbestimmt, er wurde jedoch als gut gekleidet und gebildet beschrieben. Er soll jedoch nach einer unerfüllten Liebe zu der Lehrerin des Dorfes verrückt geworden sein. Ein paar Jahre später, nachdem er mit ökologischen Grundsätzen vertraut wurde, baute er sich eine kleine Hütte am Strand des Atlantischen Ozeans. Hier verbrachte er die nächsten vierzig Jahre und wurde schnell zu einer Attraktion in dem kleinen Ort. Die Einheimischen nannten ihn bald O Alemán oder nur noch Man, einen Namen, den er wegen seines Symbolgehaltes akzeptierte.

Groß gewachsen, mit einem langen Bart und bei jedem Wetter lediglich mit einem Lendenschurz bekleidet, ernährte sich der strikte Vegetarier von dem, was der von ihm bewirtschaftete Garten hergab. Regelmäßig schwamm er im Atlantischen Ozean.

Er schuf steinerne Skulpturen, die er mit Treibholz, tierischen Überresten und anderem angeschwemmten Material ergänzte. Manche Leute fühlten sich an das Werk von Antoni Gaudí erinnert. Touristen besuchten das von ihm geschaffene Open-Air-Museum, dessen Bestandteile sich in die natürliche Landschaft einpassten.

Sein einziges Einkommen war der Euro, den er für den Besuch des Museums erbat. Ebenso erbat er von seinen Besuchern kleine Zeichnungen, die er in einem Notizbuch sammelte. Nach seinem Tod fand man Hunderte von diesen Zeichnungen.

Das Tankerunglück[Bearbeiten]

Der Untergang der Prestige 2002 führte zu einer Ölpest, die auch den Strand zerstörte an dem Gnädinger lebte. Viele seiner Kunstwerke wurden zerstört und auch seine Hütte und sein Garten waren davon betroffen. Er war tief erschüttert, denn sein Lebenswerk und auch seine unmittelbare Umgebung war auf Jahre hinaus zerstört.

Einen Monat später fand man Gnädinger tot in seiner Hütte auf. Obwohl er Kreislaufprobleme und eine Atemwegserkrankung hatte, glaubten dennoch viele Leute, er sei aus Trauer über den Verlust seines Lebenswerkes und die Zerstörung der Natur gestorben. Die Einheimischen sahen in ihm das einzige menschliche Opfer der Ölpest und betrachten seinen Tod als Symbol für die durch die Prestige ausgelöste Umweltzerstörung. Sein Museum, das er vor seinem Tod der Gemeinde überschrieb, ist weiterhin in Camelle zu besichtigen.

Im Jahr 2008 erstellte Bernardo Cequera einen 58 Minuten langen Dokumentarfilm mit dem Titel Manfred, ein Schiffbrüchiger an der Costa da Morte.

Zum zehnten Todestag wurde Manfred Gnädinger, wie er es im Testament wünschte, umgebettet und in seinem Museum beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manfred Gnädinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien