Mann von Worsley Moss

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Der Mann von Worsley Moss (engl: Worsley Man) ist der Kopf einer Moorleiche, der 1958 in einem Moor vom Chat Moss in der Nähe der Stadt Salford in Greater Manchester, England entdeckt wurde. Der Körper zu dem Kopf wurde nicht gefunden. Der Mann vom Worsley Moss wird im Manchester Museum aufbewahrt.

Fund[Bearbeiten]

Am 18 August 1958 entdeckten Torfstecher im Moor von Chat Moss bei Worsley einen abgetrennten Kopf und riefen die Polizei. Zunächst vermutete die Polizei ein rezentes Verbrechen und ließ in der Umgebung der Fundstelle ein Areal von mehr als 100 ha vergeblich nach weiteren Leichenteilen absuchen. Der Kopf wurde am nächsten Tag für eine erste Begutachtung an die University of Liverpool gegeben. Dr. A. St. Hill nahm aufgrund der relativ guten Erhaltung an, dass dieser weniger als ein Jahr im Moor lag und einem 24 bis 40 Jahre altem Mann orientalischer Abstammung gehörte. Zur weiteren gerichtsmedizinischen Untersuchung wurde der Kopf an das Home Office in Chorley weitergegeben. Dr. G. B. Manning untersuchte die vorgelegten Teile am 24. August. Nach verschiedenen radiologischen und chemischen Tests bestätigte Manning, dass der Mann vor 100 bis 500 Jahren verstorben war. Er stützte seinen Befund ebenfalls mit dem Hinweis auf die konservierenden Eigenschaften von Mooren und die dänischen Moorleichenfunde des Tollund-Mannes und Grauballe-Mannes, die bis dato jedoch in England noch nicht ausgiebig publiziert waren. Aufgrund dieser Befunde wurde der Verdacht auf ein Verbrechen aufgehoben und der zuständige Gerichtsmediziner gab die Leichenteile in die Obhut der Manchester Medical School der University of Manchester. Dort wurde der Kopf in einer Acrylglasvirtrine aufbewahrt.[1] Erst die Entdeckung des Lindow-Mannes im Jahre 1984 in dem nahe gelegenen Lindow Bog Nähe weckte das erneute Interesse an Moorleichen und dem Kopf des Worsley Mannes.
Fundort: 53° 27′ 46″ N, 2° 25′ 54″ W53.4629-2.4316Koordinaten: 53° 27′ 46″ N, 2° 25′ 54″ W[2]

Befunde[Bearbeiten]

Der Kopf liegt noch in größeren Fragmenten vor. Der Schädel weist mehrere große Frakturen auf, die Schädelknochen sind nicht mehr vollständig vorhanden und wurden bei den ersten Untersuchungen teilweise mit einem Metalldraht verbunden. Der erste Halswirbel liegt komplett und der zweite nur fragmentarisch vor. An der rechten Schädelseite haften größere, dunkelbraun verfärbte Weichteilereste an, darunter das vollständig deformierte Ohr und einige rötlich braun verfärbte Kopfhaare. Der Unterkiefer ist gebrochen. In den Kiefern sind der zweite Molar oben rechts sowie der erste Molar unten rechts erhalten.

Eine erneute Untersuchung im Jahre 1987 ergab eine etwa 28 cm lange Wunde hinter dem rechten Ohr, Frakturen im linken Schläfenbereich mit weit in den Schädel reichenden Rissen, hervorgerufen durch Schläge mit einem stumpfen Gegenstand, sowie Schnittspuren an den Halswirbeln, an denen der Kopf vom Körper getrennt wurde. Würgemale und Reste einer Sehnenschnur rund um den Hals deuten auf eine Erdrosselung hin. Die Schnur besteht aus zwei verzwirnten Sehnen oder Bändern eines noch nicht näher bestimmten Tieres. Das Ende der Schnur verläuft jetzt zum Teil zwischen dem Weichteilgewebe und Schädelknochen auf der rechten Kopfseite nach oben. An den Resten des erhaltenen Weichteilgewebes ist ein Schnitt erkennbar durch welchen dem Mann die Kehle aufgetrennt wurde. Einige dieser Verletzungen könnten ihm jedoch auch erst nach dem Tode zugefügt, oder durch die Lagerung im Moor und den Druck des umgebenden Erdreichs entstanden sein. Die Zahntaschen im Ober- und Unterkiefer zeigten an, dass das Gebiss des Mannes mit allen 32 Zähnen vollständig ausgebildet war, als der Mann starb. Der Zahnstatus und die genaue Untersuchung der beiden erhaltenen Molare deuten darauf hin dass er bei seinem Ableben zwischen 20 und 30 Jahre alt war. Die beiden erhaltenen Zähne waren karies- und parodontitisfrei und ließen keine Abnutzungsspuren erkennen. Sie sind durch die Lagerung im Moor dunkelbraun verfärbt. Das saure Moormilieu hat die Zahnschmelzauflagen und Teile der Dentinschichten aufgelöst, so dass die Zähne jetzt kleiner wirken.

Die Radiokohlenstoffdatierung (14C-Datierung) einer Probe aus den erhaltenen Weichteilen des Kopfes ergaben ein Todeszeitpunkt von 1800 ± 70 BP, also in die Römische Kaiserzeit um 120 n. Chr.

Deutung[Bearbeiten]

Die zeitliche Einordnung des Fundes legt die Vermutung nahe, in dem Kopf den Vertreter eines romano-britischen Kelten vorliegen zu haben. Die Verletzungsmuster sowie die Todesursache deuten alle zusammengenommen auf eine rituelle Tötung oder eine Opferung des Mannes, möglicherweise im Rahmen eines keltischen Schädelkultes hin. Ein Unfalltod kann bei diesem Befund als nahezu sicher ausgeschlossen werden. Dieser Fund zeigt deutliche Parallelen zu dem in nur 20 km Entfernung gefundenen Lindow-Mann, der im gleichen Zeitraum lebte und auf ähnliche Weise getötet wurde.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wijnand van der Sanden: Mumien aus dem Moor. Die vor- und frühgeschichtlichen Moorleichen aus Nordwesteuropa. Batavian Lion International, Amsterdam 1996 (Originaltitel: Vereeuwigd in het veen, übersetzt von Henning Stilke), ISBN 90-6707-416-0.
  •  Stephanie Pain: The Head from Worsley Moss. In: New Scientist. Nr. 2414, Reed Business Information Ltd, ISSN 0262-4079 (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  A. N. Garland: Worsley Man, England. In: Richard C. Turner; Robert G. Scaife (Hrsg.): Bog Bodies - New Discoveries and New Perspectives. British Museum Press, London 1995, ISBN 0714123056, S. 104-107 (englisch).
  2.  A. N. Garland: Worsley Man, England. In: Richard C. Turner; Robert G. Scaife (Hrsg.): Bog Bodies - New Discoveries and New Perspectives. British Museum Press, London 1995, ISBN 0714123056, S. 104. Angegeben als "Chat Moss" general grid reference SD70SW - http://www.streetmap.co.uk/map.srf?X=370959&Y=396449&A=Y&Z=120.

Weblinks[Bearbeiten]