Margarete Steffin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gedenktafel am Geburtshaus von Margarete Steffin

Margarete Steffin (* 21. März 1908 in Rummelsburg, heute Berlin; † 4. Juni 1941 in Moskau) war eine deutsche Schauspielerin und Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Steffin wuchs im Berliner Arbeitermilieu auf und entwickelte sich beruflich vom Laufmädchen zur Buchhalterin. In der kommunistischen Jugendbewegung war sie engagiert tätig. Für die Agitprop-Arbeit schrieb sie ihre ersten Texte, sie trat in Arbeiter-Theatern auf.

Anfang der 1930er Jahre entwickelte sich eine enge Arbeits- und Liebesbeziehung zu Bertolt Brecht. Brecht schätzte ihre proletarischen Erfahrungen und bezog sie in seine Arbeit, so an der „Mutter“ nach Gorki, ein. Auch in weiteren Werken Brechts wurde sie von ihm als Co-Autorin benannt.

1933 ging Steffin zusammen mit Brecht und dessen Frau Helene Weigel ins Exil nach Dänemark. 1936 heiratete sie dort den Journalisten Svend Jensen. 1939/1940 floh die „Brechtsche Großfamilie“, zu der inzwischen auch Brechts neue Favoritin Ruth Berlau gehörte, über Schweden und Finnland in die Sowjetunion, um von dort in die USA zu emigrieren. Kurz vor der Abreise der Gruppe erkrankte Steffin schwer – seit mehreren Jahren an Tuberkulose leidend – und verstarb in Moskau.

Als Brecht sich 1940 um ein USA-Visum für sie bemühte, beschrieb er sie als seine engste Mitarbeiterin: „Tatsächlich überblickt nur sie meine Tausende von Manuskriptblättern.“ Das war mit Sicherheit nicht übertrieben, Steffin führte fast die gesamte Korrespondenz mit Verlagen und Freunden, schrieb Brechts Texte ins Reine, war hier auch kritische Gutachterin, lernte Sprachen, dort wo es notwendig war, und ordnete Brechts Gedichte. Als Steffin starb, war Brecht über ein Jahr lang unfähig zu arbeiten.[1] Brechts Gedicht "Nach dem Tod meiner Mitarbeiterin M.S." bezieht sich auf Margarete Steffin und hebt ihre Bedeutung für das Brechtsche Werk hervor. Das schriftstellerische Werk Margarete Steffins und ihr Einfluss auf das Schaffen der „Brecht-Werkstatt“ wurde erst in den 1960er Jahren bekannt und danach auch entsprechend gewürdigt.

Werke[Bearbeiten]

  • Zwillinge, 1932
  • Heute träumt ich, dass ich bei dir läge, 1933
  • Von der Liebe und dem Krieg, 1933, Europäische Verlags-Anstalt, Hamburg 2001, ISBN 3-434-50461-3
  • So wurde ich Laufmädchen, 1933
  • Die große Sache, 1933
  • Briefe an berühmte Männer, Europäische Verlags-Anstalt, Hamburg 1999, ISBN 3-434-50437-0
  • Konfutse versteht nichts von Frauen, Rowohlt, Berlin 1991 ISBN 3-87134-032-4
Als Co-Autorin

Vermischtes[Bearbeiten]

Nach Margarete Steffin ist eine Straße in Berlin-Mitte benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartmut Reiber: »Grüß den Brecht«. Das Leben der Margarete Steffin. Eulenspiegel, Berlin 2008, 384 S., zahlr. Fotos, ISBN 978-3-359-02202-2
  • Astrid Fernengel: Kinderliteratur im Exil, Tectum, Marburg, 2008, Diss. TU Berlin 2006
  • Sabine Kebir (Hrsg.): Ich wohne fast so hoch wie er: Margarete Steffin und Bertolt Brecht. Theater der Zeit, Berlin, 15. Dezember 2008, 200 S. ISBN 3940737291

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jan Knopf (Hrsg): Brecht Handbuch. J. B. Metzler Stuttgart 2001, Bd. 2, S. 342 ff