Berlin-Rummelsburg

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Rummelsburg
Ortsteil von Berlin
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Über dieses Bild
Koordinaten 52° 30′ 0″ N, 13° 29′ 33″ O52.513.4925Koordinaten: 52° 30′ 0″ N, 13° 29′ 33″ O
Fläche 4,52 km²
Einwohner 21.456 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 4747 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 10317
Ortsteilnummer 1112
Gliederung
Verwaltungsbezirk Lichtenberg
Ortslagen

Rummelsburg ist ein Ortsteil im Bezirk Lichtenberg von Berlin. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die Bezeichnung vor allem für das Gebiet um den gleichnamigen S-Bahnhof verwendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Satellitenbild von Rummelsburg

Das erste Gebäude Rummelsburgs war eine Ziegelei, die sich ab 1669 am Ufer des Rummelsburger Sees (damals: Stralauer See) befand. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich daraus eine Meierei, die zunächst als Charlottenhof bezeichnet wurde. Nach 1775 sind ebenfalls Fischereien und Gärtnereien nachgewiesen. Als die Meierei vom Weinhändler Johann Jakob Rummel gekauft und in ein Wirtshaus umgewandelt wurde, nannte er sie Rummelsburg. Dieser Name übertrug sich auf die entstehende Ansiedlung.

Im Jahr 1861 wurde Rummelsburg, bis dahin Exklave Berlins im Kreis Niederbarnim, dem Gutsbezirk Boxhagen eingegliedert. Im Jahr 1859 wurde hier das Friedrichs-Waisenhaus eröffnet, 1867 die Gesellschaft für Anilinfabrikation mbH gegründet, der Vorläufer der Agfa. Zwischen 1872 und 1875 entstand die – teilweise von englischen Bauingenieuren errichtete – Victoriastadt, 1877–1879 das städtische Arbeitshaus Rummelsburg[1] (später Gefängnis Rummelsburg). Zwischen 1890 und 1892 wurde die evangelische Erlöserkirche erbaut.

Am 30. Januar 1889 wurde der Gutsbezirk aufgelöst und die eigenständige Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg gebildet, die nun aus vier Siedlungskernen bestand – dem Boxhagener Vorwerk mit seiner Siedlungskolonie, den Etablissements von Rummelsburg, der Kolonie Victoriastadt und der Kolonie Lichtenberger Kietz. Begünstigt durch die Anlage des Bahnhofs Stralau-Rummelsburg im Jahre 1882 (heute Bahnhof Ostkreuz) kam es in den folgenden Jahren zu einem raschen Wachstum von Wohn- und Industriebebauung.

Die Einwohnerzahlen im 19. Jahrhundert steigerten sich mit der raschen industriellen Entwicklung von 1875 mit 2.135 auf rund 20.000 im Jahre 1895 und mehr als 50.000 im Jahre 1910.[2][3]

Im Jahr 1912 kam Boxhagen-Rummelsburg zur Stadt Lichtenberg und mit der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 in den Bezirk Lichtenberg der deutschen Hauptstadt.

Vom 21. Mai 1927 bis in die 1950er Jahre befand sich in der Köpenicker Chaussee 1–4, unmittelbar am Rummelsburger See, das „Städtische Flußbad Lichtenberg“. Neben 26.000 m² Sandstrand befanden sich hier ein kleineres Schulbecken, ein großes Sportbecken (25 × 100 m) und eine kleineres Warmbecken, dessen Wasser in der kühleren Jahreszeit mit der Abwärme des benachbarten Kraftwerks Klingenberg erwärmt wurde. Ein viertes Becken war dem Zehnmeter-Sprungturm vorbehalten. Die Gesamtfläche des Bades umfasste 50.000 m².[4][5]

Bei einer Neugliederung des Bezirks im Jahr 2002 (ein Jahr nach der Berliner Bezirksreform) wurde Rummelsburg zu einem eigenständigen Ortsteil. Dieser erstreckt sich seither mit dem Gebiet um die Weitlingstraße bis zum Bahnhof Lichtenberg. Hier dominiert Wohnbebauung aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Nach dem Jahr 2000 entstand am Ufer der Spree und des Rummelsburger Sees ein neues Wohngebiet, die Wasserstadt Rummelsburg. Dabei wurden auch ältere Gebäude, wie etwa die Arbeitshäuser in der Hauptstraße, mit einbezogen.

Bebauung[Bearbeiten]

Der Ortsteil ist langgestreckt zwischen der Ringbahn um den Bahnhof Ostkreuz im Nordwesten und dem Blockdammweg im Südosten und grenzt im Süden an die Spree und ihren Ausläufer, den Rummelsburger See (auch: Rummelsburger Bucht). Der Ortsteil wird von der breiten Trasse der Hauptstraße/Köpenicker Straße und der Eisenbahnstrecke nach Frankfurt (Oder) durchzogen. Ein echtes Ortszentrum gibt es nicht.

Im Nordwesten des Ortsteils liegt das gründerzeitliche Wohngebiet Victoriastadt. Daran anschließend herrscht um den Bahnhof Berlin-Rummelsburg und die Fischerstraße lockere Bebauung vor. An den Ufern des Rummelsburger Sees entstand in den 2000er Jahren, teilweise unter Einbeziehung alter Bausubstanz, die Wasserstadt Rummelsburg. Weiter in Richtung Südosten dominiert Industriebebauung und das ausgedehnte Gelände des Betriebsbahnhofs Rummelsburg, in dem Fernzüge gewartet werden.

Eines der Wahrzeichen des Ortsteils ist das im Südosten Rummelsburgs nahe der Spree gelegene Elektrizitäts- und Heizkraftwerk Klingenberg, benannt nach dessen Konstrukteur, dem Elektroingenieur Georg Klingenberg. Es wurde 1925/1926 errichtet und galt lange als die größte und modernste Anlage Europas. Es stellt auch heute einen Großteil der Energieversorgung der Stadt Berlin.

Der Ortsteil hat Anschluss an das Berliner S-Bahnnetz mit den Bahnhöfen Rummelsburg, Betriebsbahnhof Rummelsburg, Nöldnerplatz und Lichtenberg (auch Regionalverkehr und U-Bahn). Der S-Bahnhof Ostkreuz liegt am Rande des Ortsteils. Außerdem wird das Gebiet von der Straßenbahnlinie 21 und mehreren Buslinien erschlossen.

Wirtschaft und Industrie[Bearbeiten]

Kraftwerk Klingenberg

Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis 1945[Bearbeiten]

Große Gebiete in Rummelsburg, an der Hauptstraße gelegen, entwickelten sich in dem genannten Zeitraum zu bedeutenden Wirtschaftsfaktoren in Rummelsburg. Dazu trugen insbesondere folgende Fabriken bei:

Auch der Bau und der Betrieb eines Krankenhauses in der Nöldnerstraße und der Verkehr über den Betriebs- und Abstellbahnhof Rummelsburg bestimmten die Wirtschaft in Rummelsburg.

Zwischen 1945 und 1990[Bearbeiten]

Betonwerk Rummelsburg, 1960

Im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs wurden die Unternehmen Knorr-Bremse und IG Farben enteignet. Das Kraftwerk und die Gaswerke konnten anfangs wegen demontierter Maschinen oder wegen fehlender Rohstoffe nicht arbeiten. Erst ab 1952 begann wieder eine nennenswerte Erzeugung von Industriegütern. Die Fabriken wurden zu volkseigenen Betrieben. Beispiele für Einrichtungen mit hoher Wirtschaftskraft in Rummelsburg waren:

Seit 1990[Bearbeiten]

Als Folge des politischen und wirtschaftlichen Wandels seit 1990 wurden viele Betriebe schrittweise abgewickelt. Übrig blieben vor allem kleine oder mittelständische Handwerksbetriebe. Neu hinzugekommen sind Handelszentren wie das Victoriacenter und Autohäuser. Im Gebäude des Berliner Bremsenwerks ist die Deutsche Rentenversicherung ansässig. Das Kraftwerk Klingenberg beliefert den Berliner Strommarkt.

Auf dem Rummelsburger Güterbahnhof entstand als Neubau das ICE-Bahnbetriebswerk der Deutschen Bahn. Die ICE-2-Flotte ist hier beheimatet. Der heutige Betriebsbahnhof Rummelsburg teilt sich in zwei Bereiche: Im südlichen Bereich befindet sich die ICE-Halle und im nördlichen Bereich die Reisezugwagenhalle.

Söhne und Töchter des Ortsteils[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit Rummelsburg verbunden sind[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Rummelsburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Irmer, Kaspar Nürnberg, Barbara Reischl: Das Städtische Arbeits- und Bewahrungshaus Rummelsburg in Berlin-Lichtenberg. Zur Geschichte und Gegenwart eines vergessenen Ortes der Verfolgung von „Asozialen“ in der NS-Zeit. In: Gedenkstättenrundbrief Nr. 144. 8/2008, S. 22–31.
  2. Dieter Breitenborn: Boxhagen-Rummelsburg. In: BZ am Abend. 17. Januar 1979.
  3. Einwohnerzahl von Boxhagen-Rummelsburg 1910
  4. John Stave: Stube und Küche. Erlebtes und Erlesenes. Eulenspiegel-Verlag, 2001, ISBN 3-359-00478-7.
  5. Am Rummelsburger Ufer beim Bezirksamt Lichtenberg