Margot Wölk

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Margot Wölk (* 27. Dezember 1917 in Berlin-Schmargendorf) ist eine deutsche ehemalige Sekretärin und Vorkosterin Adolf Hitlers.[1] Sie gehörte im Jahre 1943 zu einer Gruppe von fünfzehn jungen Frauen, die Hitlers Nahrung in der Wolfsschanze auf Toxine testen musste. Sie ist die einzige überlebende Zeitzeugin dieser Gruppe.

Leben[Bearbeiten]

Wölk wurde in Schmargendorf geboren, einem Stadtteil von Berlin. Sie berichtet, ihr Vater habe sich geweigert, der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) beizutreten, was seine berufliche Nichtbeförderung zur Folge gehabt habe. Sie selbst habe sich geweigert, dem Bund Deutscher Mädel (BDM) beizutreten. Wölk war seit 1939 verheiratet und arbeitete zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als Sekretärin bei der Reichsversicherungsanstalt.

Wölk floh Anfang 1943 im Alter von 25 Jahren aus der elterlichen Mietwohnung in einem Wohnhaus in Berlin zu ihrer Schwiegermutter nach Groß-Partsch in Ostpreußen, nachdem der Explosionsdruck einer Sprengbombe dem Haus das Dach abgerissen hatte und als Folgeschaden in der Wohnung das Wasser stand. Das Führerhauptquartier Wolfsschanze lag zweieinhalb Kilometer westlich von Groß-Partsch. Alle Frauen vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 45. Lebensjahr, die im Reichsgebiet wohnten, mussten sich seit dem 27. Januar 1943 beim Arbeitsamt zum Arbeitseinsatz melden oder bekamen keine Lebensmittelkarten, ausgenommen Ausländerinnen, Frauen die in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis standen oder die mindestens seit dem 01. Januar 1943 in einem Beschäftigungsverhältnis standen, dessen Arbeitszeit 48 Stunden oder mehr in der Woche betrug, Frauen als selbständige Berufstätige, die am 01. Januar 1943 mehr als fünf Personen beschäftigten, Frauen die in der Landwirtschaft voll tätig waren, Frauen die hauptberuflich selbständig im Gesundheitswesen tätig waren, Schülerinnen die eine öffentliche oder anerkannte private allgemeinbildende Schule (Mittel- oder Höhere Schule) besuchten, Frauen als erwerbsunfähige Anstaltspfleglinge, werdende Mütter, Frauen mit einem noch nicht schulpflichtigen Kind oder mindestens zwei Kindern unter 14 Jahren, die im gemeinsamen Haushalt lebten. Wölk nahm innerhalb von zwei Tagen nach ihrem Eintreffen in Groß-Partsch Dienste als Küchenhelferin in der SS-Küche im wenige Kilometer vom Sperrkreis I des Führerhauptquartiers Wolfsschanze entfernt gelegenen Ort Krausendorf. Wölk leistete neben ihrer Küchenarbeit Schreibstubendienste für den Zahlmeister und sie wurde zudem als eine von fünfzehn Vorkosterinnen der für Hitler zubereiteten Speisen besonders verpflichtet. Die Vorverkostung war eine Vorsichtsmaßregel gegen allfällige Giftanschläge auf das Leben Hitlers. Wölks Monatslohn war überdurchschnittlich hoch und betrug etwa zweihundert Reichsmark. Sie wurde am morgen zum Dienst in dem zweistöckigen Küchenbau bei ihren Schwiegereltern abgeholt. Das Vorkosten hatte nur dann Statt, wann Hitler anwesend war. Die SS transportierte die Speisen nach Ablauf einer Wartezeit von 45 Minuten, innerhalb des Zeitraums eine Vergiftungsäußerung von oder an der Versuchsperson zu erwarten war, in Kisten zu Hitlers Speisesaal im Sperrkreis I. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 verschärft: Die Vorkosterinnen mussten unter der Woche in einer in der Nähe des Führerhauptquartiers leerstehenden Schule mit SS-Bewachung in Unterkunft bleiben. Wölk kam im November 1944 im Sonderzug des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels nach Berlin zurück, nachdem Hitler am 20. November 1944 sein Hauptquartier in Ostpreussen aufgeben hatte als die Rote Armee sich annäherte. Ein Oberleutnant aus dem Stab des Reichspropagandaministers habe ihr aus Fürsorglichkeit die Zugreise ermöglicht. Wölk hauste in Berlin in einem Raum des schwer beschädigten Wohnhauses, von dem sie 1943 geflohen war. Der ungenehmigte Arbeitsplatzwechsel und das unerlaubte Fernbleiben der Arbeitsstelle war seit Kriegsbeginn verboten. Wölk suchte in Berlin einen ihr bekannten Arzt auf, der früher ihre Mutter behandelt hatte, und bat um Bescheinigungen ihrer Arbeitsunfähigkeit, die jener ihr ausstellte. Sie verbarg sich gleichwohl in der ersten Zeit. Privatärztliche Zeugnisscheine hatten in der Endphase des Krieges wenig Gewicht. Anordnung der Untersuchung auf Dienstfähigkeit von einem SS-Arzt war üblich. Ihre Schwiegermutter aus Masuren, die vor der roten Armee aus Partsch hatte fliehen können, sei nach einiger Zeit zu ihr gestoßen und habe berichtet, dass ihre vierzehn Vorkosterkameradinnen allesamt von den Bolschewisten zusammengeschossen worden seien. Wölk sei nach der Einnahme Berlins von einem Offizier der Roten Armee eine Woche lang so brutal vergewaltigt worden, dass sie darnach ein Kind nicht habe bekommen können. [2] Ihr Ehemann Karl kehrte 1955 als Spätheimkehrer aus der Gefangenschaft heim, mit dem sie dann 34 Jahre bis zu dessen Tod im Jahre 1990 in der Mietwohnung, die ihre Eltern einst angemietet hatten und von der sie im Jahre 1943 geflohen war, lebte. Wölk wohnt daselbst noch heute. [3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hitlers Vorkosterin. Abgerufen von fr-online.de am 3. August 2013.
  2. Hitler’s Food Taster Margot Woelk Tells Her Story, 26. April 2013
  3. Hitlers Vorkosterin - Todesangst bei jedem Bissen. Abgerufen von einestages.spiegel.de am 9. Oktober 2013.