Maria lactans

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Meister der Heiligen Magdalena: Thronende Madonna lactans mit Hl. Petrus und Hl. Leonhard, Ende 13. Jh., Yale University Art Gallery, New Haven

Maria lactans (auch: Galaktotrophousa, Mlekokapitelniza, Stillende Gottesmutter, Seliger Schoß) bezeichnet das Bildmotiv der stillenden Maria.

Das Bildmotiv tauchte bereits in der alten ägyptischen Kultur auf, wo die Göttin Isis den Horusknaben stillt, was symbolhaft für die Fruchtbarkeit stand.

Im byzantinischen Reich und auch in Westeuropa des 14. und 15. Jahrhunderts wurde dem Bildtypus der Maria lactans eine andere Bedeutung beigemessen: Das Christuskind ist Gott, der über die Brust der Mutter mit der Menschheit in Verbindung tritt.

Eine der frühesten christlichen Statuen einer stillenden Madonna dürfte die aus dem ersten Jahrtausend stammende Nossa Senhora da Nazeré (Unsere Liebe Frau von Nazareth) in Nazaré, Portugal sein.

Bei den barocken Brunnenkapellen einiger Wallfahrtsorte wird das Wasser durch die Brüste der Marienfigur geleitet, so in der Wallfahrtskirche Mariahilf ob Passau, in der Quelle von Rengersbrunn, in Maria Ehrenberg oder vor der Frauenkirche in Großgmain.

Bei Laktationsschwierigkeiten oder Mastitis war es in einigen Regionen Brauch, vor einer Maria-Lactans-Darstellung zu beten und wächserne Nachbildungen der eigenen Brüste als Weihegabe zu opfern.[1]

Auch in der Ikonographie des Weltgerichtes spielt das Motiv der Maria lactans eine bedeutende Rolle. Im sogenannten Interzessionsbild (Bild der Fürbitte) zeigt die Madonna ihre freie Brust dem richtenden Sohn, um ihn für die Gläubigen als Kinder Gottes daran zu erinnern, dass sie ihn einst gestillt hatte. Eine Abwandlung des Motives in Rückenansicht befindet sich im Zentrum von Raffaels Transfiguration („Verklärung Christi“, 1517 Rom, Pinacoteca Vaticana), die kürzlich von Gregor Bernhart-Königstein als Weltgericht (Weltverklärung) identifiziert werden konnte. Maria mit befreitem Rücken zeigt hier ihrem in roter Knechtsgestalt herabgestiegenen Sohn die freie Brust, um ihn für die Gruppe der Sünder daran zu erinnern.[2]

In der "Iglesia de la Merced" (Kloster) in Cusco, Peru, trinkt ein Mann, der hl. Petrus von Nolascus (1182-1256) an Marias Brust. Das Motiv ist möglicherweise als Vision, auf alle Fälle aber imaginär zu verstehen. Durch die Milch der heiligen Maria persönlich findet der Heilsuchende Erlösung. San Pedro de Nolaco (span.) ist Begründer des Mercedarier-Ordens (Orden Unser Lieben Frauen von der Barmherzigkeit, Ordo Beatae Mariae de Mercede redemptionis captivorum, OdeM), ursprünglich ein Orden von Priestern und Rittern zum Freikauf von Sklaven, später Missionstätigkeit. Das Gemälde stammt von dem Maler Ignacio Chacón (1745-1775 tätig).[3] Die Darstellung des an Marias Brust gesäugten Mannes ist ein typisch mittelalterliches Thema, das auf die Zisterzienser zurückgeht.

Literatur[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Beinert, Heinrich Petri (Hrsg.): Handbuch der Marienkunde. Bd. 2, S. 536. Pustet, Regensburg 1997, ISBN 3-7917-1527-5
  2. Gregor Bernhart-Königstein: Raffaels Weltverklärung - Das berühmteste Gemälde der Welt. Michael Imhof Verlag Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-085-3
  3. http://www.stillbeziehungen.tk/Maria/index.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Madonna lactans – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien