Max Eitingon

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Max Eitingon, 1922
Gedenktafel für Max Eitingon. Altensteinstraße 26, Berlin-Lichterfelde

Max Eitingon (* 26. Juni 1881 in Mogilew, Russland; † 30. Juli 1943 in Jerusalem) war ein Arzt und Psychoanalytiker. Er war ein treuer Anhänger Sigmund Freuds und zeitweise der Hauptfinanzier der psychoanalytischen Bewegung. Von 1925 bis 1932 fungierte er als Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung.

Leben[Bearbeiten]

Max Eitingon kam als viertes Kind des erfolgreichen Rauchwarenhändlers („Pelzkönig vom Leipziger Brühl“) Chaim Eitingon und dessen Frau Chasse Alexandra Lifschitz (1861–1929) zur Welt.

Eitingon arbeitete mit Eugen Bleuler in Zürich und war, noch vor Carl Gustav Jung, der erste Psychiater, der Kontakt zu seinem Kollegen Sigmund Freud wegen dessen neu entwickelter Methode der Psychoanalyse aufnahm. Er wurde von diesem kurz analysiert, bevor er sich 1910 in Berlin niederliess.

Seit 1919 war er Mitglied des „Geheimen Komitees“, dem Freuds engste Mitarbeiter angehörten. Zusammen mit Karl Abraham gründete er 1920 die psychoanalytische Poliklinik in Berlin, die erste Einrichtung dieser Art weltweit, die auch zahlungsschwachen Patienten psychoanalytische Behandlung bot. Eitingon finanzierte aus dem Familienvermögen in beträchtlichem Umfang sowohl diese Klinik als auch den Internationalen Psychoanalytischen Verlag, [1] worauf sich Freuds Bonmot bezog: „Die besten Fälle der Analyse sind die Felle des alten Eitingon.“

Aus der Poliklinik ging das Berliner Psychoanalytische Institut hervor. 1923 führte Eitingon Ausbildungsrichtlinien am Institut ein. Auf Anregung Ernst Simmels wurde 1924 unter Eitingons Vorsitz ein Ausschuss zur Erarbeitung international gültiger Richtlinien zur psychoanalytischen Ausbildung gegründet, dessen Empfehlungen auf dem IX. Internationalen Kongress in Bad Homburg vor der Höhe 1925 allgemeine Gültigkeit erlangten. Eitingon wurde zum Vorsitzenden der internationalen Unterrichtskommission gewählt; das blieb er bis zu seinem Tod.[2].

Nachdem er vor den Nazis nach Palästina geflohen war, gründete er dort die Psychoanalytische Vereinigung Palästinas. Eitingon hielt Kontakt zu Freud und besuchte ihn auch nach 1933 noch mehrmals in Wien.

Während Eitingons letzter Lebensjahre kursierte das hartnäckige, bisher allerdings unbestätigte Gerücht, er soll sowjetischer Spion gewesen sein, worüber Vladimir Nabokov auch eine Kurzgeschichte geschrieben hat. Sein Cousin Naum Eitingon war involviert in den Auftragsmord an Trotzki.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eitingon, Max: "Mitteilungen aus dem Berliner Institut" In: Intern. Z. Psya., 8, S. 107, 393, 508, 1922
  • Eitingon, Max: "Sitzung der Internationalen Unterrichtskommission" In: Intern. Z. Psya., 15, 1929
  • Zehn Jahre Berliner Psychoanalytisches Institut: Poliklinik und Lehranstalt / Hrsg. v.d. Dt. Psychoanalyt. Gesellschaft. Mit e. Vorw. v. Sigmund Freud, Wien: Internationaler Psychoanalytischer Verlag, 1930
  • Israel Psycho-Analytical Society, Max Eitingon in memoriam, Jerusalem 1950
  • Neiser, Emil Michael Johann, Max Eitingon ; Leben und Werk, Dissertation Universität Mainz 1978
  • Regine Lockot, Erinnern und Durcharbeiten: zur Geschichte der Psychoanalyse und Psychotherapie im Nationalsozialismus, Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1985
  • Gerhard Wittenberger, Das "Geheime Komitee" Sigmund Freuds : Institutionalisierungsprozesse in der "psychoanalytischen Bewegung" zwischen 1912 und 1927, Tübingen: Ed. diskord, 1995
  • Sigmund Freud, Max Eitingon: "Briefwechsel 1906-1939", edition Diskord, 2004, ISBN 3-89295-741-X
  • Mary-Kay Wilmers: The Eitingons. A Twentieth Century Story. Faber & Faber, London 2009

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Eitingon finanzierte die Poliklinik mit 16000 Reichsmark jährlich“; Lockot 1985:41
  2. Lockot 1985:325